Umbenennung schlägt durch

In den nächsten Monaten ersetzen die Geometer die nie akzeptierten Mundartnamen in den Vermessungsplänen durch die traditionelle schriftdeutsche Schreibweise. Damit ist der Streit um die Siedlungs- und Flurnamen offiziell beigelegt.

Christof Widmer
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Rotbühl heisst nun ganz offiziell wieder Rotbühl und nicht mehr Roopel. (Bild: Donato Caspari)

Rotbühl heisst nun ganz offiziell wieder Rotbühl und nicht mehr Roopel. (Bild: Donato Caspari)

FRAUENFELD. Es ist schon passiert, dass ein ortsunkundiger Wanderer in Rotbühl nicht mehr wusste, wo er ist. Auf seiner Landkarte steht nämlich der bisher offizielle Name «Roopel», auf dem Strassenschild aber das im Alltag gebrauchte «Rotbühl». Seit neustem heisst der Weiler aber auch ganz offiziell wieder Rotbühl. Der Eintrag in den Vermessungsplänen ist geändert worden.

So wird es in den nächsten Monaten mit mehreren hundert weiteren Siedlungsnamen und überregional bedeutenden Flurnamen geschehen. Das erklärte gestern Andreas Keller, Generalsekretär des Departements für Inneres und Volkswirtschaft. Er ist Leiter der Arbeitsgruppe Orts- und Flurnamen, die gestern ihren Schlussbericht veröffentlicht hat.

2300 Namen überarbeitet

Die Arbeitsgruppe hat die Schreibweise von 2300 Siedlungsnamen und 33 Flurnamen von übergeordneter Bedeutung überarbeitet. Etwa die Hälfte war seit den 80er-Jahren in einer extremen Mundartschreibweise festgelegt worden. Davon verschont blieben nur die politischen Gemeinden, die alten Ortsgemeinden sowie Weiler, die ÖV-Haltestellen sind. Die Kommission hat nun alle diese Namen in die gewohnte schriftdeutsche Form umgeändert.

Diese Arbeit ist auch Grundlage für das neue Verzeichnis der Thurgauer Ortschaften und Siedlungen, das laut Keller diesen Sommer erscheinen soll. Es wird neu alle Weiler umfassen und somit 1000 Namen mehr enthalten als das alte Verzeichnis von 2005.

Während sich die Umbenennungen in der Online-Datenbank ThurGIS des Amtes für Geoinformation bereits niederschlägt, wird es bei den gedruckten Karten noch dauern. Das Bundesamt für Landestopographie wird die Thurgauer Blätter zur Landeskarte erst 2016 nachführen. Bis dahin dürften auch die GPS-Systeme mit den Mundartnamen arbeiten.

«Kulturgut bleibt erhalten»

Regierungsrat Kaspar Schläpfer spricht von einem glücklichen Ausgang des Namenstreits: «Der Konflikt wurde zur Zufriedenheit aller beigelegt.» Rekurse gegen die zusammen mit den Gemeinden festgelegten Namen habe es keine gegeben. Die Lösung sei ein guter Kompromiss: Die im Alltag gebrauchten Namen erscheinen in der gewohnten Schriftsprache. Gleichzeitig bleibe das Kulturgut der Flurnamen erhalten. Die bisher 18 000 erfassten Flurnamen von nur lokaler Bedeutung bleiben in der Mundartfassung. Die Arbeit von Namenforscher Eugen Nyffenegger, der die Schreibweise der Lokalnamen prägte, sei somit nicht vergebens, sagt Schläpfer.

Die kantonale Nomenklaturkommission hatte seit den 80er-Jahren die Namen nach sprachwissenschaftlichen Grundsätzen erhoben. Das Resultat waren Schreibweisen, die unter anderem Lautdehnungen abbildeten – zum Beispiel Tuurraa (Thurrain). Als diese Namen mit der Zeit auch auf den Landkarten auftauchten und die TZ darüber berichtete, führte dies zu einer Welle der Empörung in der Bevölkerung. 2010 ordnete der Regierungsrat die Kehrtwende an.