Schneller zur Hypothek

FRAUENFELD. Der Thurgau macht einen weiteren Schritt Richtung E-Government: Als erster Kanton führt er den elektronischen Geschäftsverkehr zwischen Banken, Grundbuchämtern und Notariaten ein. Diese Woche startete der Pilotversuch.

Christof Widmer
Drucken
Definitiv Vergangenheit: Heute sind die Grundbuchämter voll digitalisiert. (Archivbild: Nana do Carmo)

Definitiv Vergangenheit: Heute sind die Grundbuchämter voll digitalisiert. (Archivbild: Nana do Carmo)

Wer eine Hypothek für sein neues Haus will, wird bald schneller zum Geld kommen als bisher. Möglich macht es die neue digitale Plattform Terravis, die den Geschäftsverkehr zwischen Banken und Ämtern beschleunigt. Für eine Hypothek reicht der Gang zur Bank nämlich nicht. Auch am Grundbuchamt führt kein Weg vorbei. Denn für ihren Kredit will die Bank eine Sicherheit. Diese Aufgabe erfüllt der Schuldbrief, der an die Liegenschaft des Hausbauers gekoppelt ist. Mit dem Schuldbrief kann die Bank schlimmstenfalls das Haus des Schuldners verkaufen, wenn er seine Hypothek nicht zurückzahlen kann. Für einen Schuldbrief aber ist ein öffentlich beurkundeter Eintrag im Grundbuch nötig.

Der Kontakt zwischen Bank, Grundbuchamt und Schuldner fand bisher auf dem Postweg statt. Die Bank schickt dem Amt den Schuldbrief, diese wiederum lädt den Schuldner zur Beurkundung vor und schickt den fertigen Schuldbrief der Bank zurück. Erst dann löst sie die Hypothek aus. So verstreicht unnötig Zeit.

Gang aufs Grundbuchamt bleibt

Mit dem elektronischen Geschäftsverkehr über Terravis kann dieser Vorgang theoretisch noch am selben Tag abgeschlossen werden. Die Banken haben über die Plattform Zugriff auf die Grundbücher, können damit die Schuldbriefe vervollständigen und sie an die Grundbuchämter schicken. Nur für die Beurkundung muss der Hypotheken-Nehmer noch aufs Amt und eine Unterschrift auf Papier geben. Danach geht die Rückmeldung des Amts digital an die Bank. Das standardisierte Verfahren erübrige auch die bisherigen telefonischen Abklärungen zwischen Bank und Grundbuchamt, sagte Terravis-Geschäftsführer Werner Möckli gestern vor den Medien.

Als erste Grundbuchämter schweizweit arbeiten jene in Kreuzlingen und Tägerwilen seit Montag mit Terravis. Nach einem halbjährigen Pilotversuch lasse der Kanton auch die anderen Grundbuchämter und Notariate aufschalten, sagte Grundbuchinspektor Linus Schwager. Beteiligt am Pilotprojekt sind die Thurgauer Kantonalbank, die UBS, die CS sowie die Raiffeisenbanken Tägerwilen und Regio Altnau.

Neben Schuldbriefen können über Terravis auch Handänderungen, Errichtung von Dienstbarkeiten und die Ablösung von Hypotheken von Bank zu Bank abgewickelt werden. Hinter Terravis steht die Zürcher SIX Group. Sie hat vom Bund den Auftrag, das E-Government im Grundbuchwesen einzuführen. Der Pilotversuch ist dazu ein Eckstein.

Pionierarbeit im Thurgau

Dass die SIX Group den Thurgau für das Projekt angefragt hat, ist kein Zufall. Der Thurgau habe mit der Digitalisierung der Grundbücher wichtige Vorarbeit geleistet, sagte Möckli. Für Regierungsrat Claudius Graf-Schelling ist der Pilotversuch die logische Folge der Anstrengungen des Kantons (siehe Kasten). Er sprach von einer weltweit exklusiven Dienstleistung: «Die Geschäftsprozesse im Grundbuch werden damit revolutioniert.»