«Staatsanwältin ist unbefangen»

LIPPERSWIL. Der Zürcher Strafrechtsprofessor Daniel Jositsch witterte im Fall Connyland Filz im Thurgau – Generalstaatsanwalt Hans-Ruedi Graf wundert sich, wie jemand ohne Akteneinsicht und nähere Kenntnisse solche Aussagen machen kann.

Drucken
Teilen
Hans-Ruedi Graf (Bild: Donato Caspari)

Hans-Ruedi Graf (Bild: Donato Caspari)

Herr Graf, der Zürcher Strafrechtsprofessor Daniel Jositsch findet, der Thurgau solle den Fall Connyland abgeben.

Hans-Ruedi Graf: Es gibt aus meiner Sicht keinen sachlichen Grund, der Staatsanwältin – die den Tod der beiden Delphine untersucht – den Fall wegzunehmen. Ich wüsste nicht, warum man ihn woanders plazieren sollte, sei es innerhalb oder ausserhalb des Kantons.

Die Staatsanwältin hat keine Verbindung mit dem Connyland?

Graf: Die Staatsanwältin hat nichts zu verbergen, sie hat keinerlei Verbindung zum Connyland. Ich habe auch nicht den Eindruck, dass ein Verfahrensfehler passiert ist. Es gibt wirklich keinen Grund für einen Wechsel.

Können Sie nachvollziehen, dass jemand, der nicht im Thurgau lebt, in dieser Sache Filz wittert?

Graf: Das kann ich nicht. Mich befremdet es aber sehr, dass Herr Jositsch ohne Akteneinsicht und ohne nähere Kenntnisse der Thurgauer Justiz solche Ratschläge gibt. Das erscheint mir subprofessionell.

Ist es nicht schwierig, wenn der gleiche Tierarzt, gegen den jetzt eine Strafuntersuchung läuft, in einem früheren Verfahren als Gutachter fürs Connyland tätig war?

Graf: Das sind grundsätzlich zwei verschiedene Sachen. Der Tierarzt war nur bei der ersten Strafuntersuchung, die im Herbst eingestellt wurde, als Gutachter tätig. Dieser Fall liegt jetzt bei der Generalstaatsanwaltschaft, und wir werden ihn nochmals überprüfen. Dabei werden wir auch die neue Situation berücksichtigen. Unabhängig davon wird die Strafuntersuchung gegen den Tierarzt von einer Kreuzlinger Staatsanwältin geführt, die mit der Einstellung nichts zu tun hatte, da gibt es keine Verquickung.

Die eingestellte Strafanzeige von Ocean Care gegen das Connyland wird also nochmals überprüft. Werden Sie ein neues Gutachten einholen?

Graf: Wenn wir das Strafverfahren nochmals aufnehmen, dann könnte sich im Laufe der Untersuchung ein zweites Gutachten als Konsequenz ergeben. Im Moment geht es aber lediglich um die Überprüfung der Einstellungsverfügung.

Was sagen Sie zum Vorwurf, die Staatsanwaltschaft habe das Connyland zu lange gestützt?

Graf: Davon weiss ich nichts. Das glaube ich auch nicht. Gerade in diesem Fall sind wir sehr auf Gutachten und die Aussagen von Experten angewiesen. Niemand hat je versucht, politischen Druck auf uns auszuüben. Darauf würden wir auch keine Rücksicht nehmen. Wir lassen uns aber auch nicht von den Medien unter Druck setzen.

Das Schweizer Fernsehen meldete, die betroffenen Tierärzte seien zu spät über das eingeleitete Verfahren informiert worden.

Graf: Das stimmt nicht, und das kann ich auch belegen: Am 16. Januar haben wir die Ergebnisse über den Tod der Delphine aus Zürich erhalten. Am nächsten Tag wurde der hier ansässige Tierarzt informiert. Am 18. Januar wurden der Kantonstierarzt und der Rechtsvertreter des Connylands ins Bild gesetzt. Der zweite Tierarzt hat auch bereits letzte Woche von der Strafuntersuchung erfahren. Ich kann mir schlichtweg nicht erklären, wie jemand behaupten kann, er habe von nichts gewusst.

Wie lange wird die Strafuntersuchung dauern?

Graf: Das lässt sich jetzt noch nicht sagen. Es kann ziemlich schnell gehen oder sich auch länger hinziehen.

Handelt es sich um einen komplizierten Fall?

Graf: Der Straftatbestand lautet Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz. A priori ist das nicht kompliziert, aber es kann sehr kompliziert werden. Etwa wenn weitere Gutachten eingeholt werden müssen. Delphine sind der Schweizer Veterinärmedizin eher fremd.

Es gibt Gerüchte, dass es sich bei dem Antibiotikum, das schuld am Tod der beiden Delphine sein soll, um Amoxicillin handelt?

Graf: Dazu kann ich nichts sagen. Der Name des Mittels tut momentan juristisch auch nichts zur Sache. Dazu kommt, dass es immer heikel ist, Produktenamen öffentlich zu nennen. Auch zum Fall selber möchte ich im Moment nichts sagen.

Interview: Ida Sandl

Da war die Welt noch in Ordnung: Delphin-Show im Connyland. (Bild: Nana do Carmo / Archiv)

Da war die Welt noch in Ordnung: Delphin-Show im Connyland. (Bild: Nana do Carmo / Archiv)

Aktuelle Nachrichten