Kulturbeiträge aus einem Topf

Das Toggenburg und die Region Wil regeln die Förderung der kleinen und mittleren Kulturbetriebe über einen Verein. Der Kanton St. Gallen initiiert solche regionalen Förderorganisationen. Damit haben Kulturschaffende nur noch einen Ansprechpartner. Dennoch sind viele skeptisch.

Michael Hug
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Die Mogelsberger Figurenspielerin Nicole Langenegger muss künftig nur noch ein Beitragsgesuch für ihre Puppentheaterprojekte stellen. (Archivbild: Michael Hug)

Die Mogelsberger Figurenspielerin Nicole Langenegger muss künftig nur noch ein Beitragsgesuch für ihre Puppentheaterprojekte stellen. (Archivbild: Michael Hug)

KRUMMENAU. Jeder Sitzplatz im Kleintheater ist zu einem Viertel subventioniert, Kunstschaffende erhalten Projektbeiträge, Museen Beiträge an ihre Betriebskosten. Die Subventionen leisten die Standortgemeinden und der Lotteriefonds. Die Vergabe der Beiträge ist eingespielt, wurde aber für das kantonale Amt für Kultur immer komplexer. Dessen Abteilung Kulturförderung versucht deshalb seit rund vier Jahren, sich Übersicht zu verschaffen und initiiert regionale Kulturförderorganisationen. Der Verein Südkultur und die Rheintaler Kulturstiftung sind Resultate dieser Umstrukturierung.

Zwei neue Förderplattformen

Seit Januar dieses Jahres ist im Kreis Toggenburg der Verein Kultur Toggenburg installiert. Vor ein paar Tagen hat sich in Wil der Verein Thurkultur gebildet, der sogleich mit der bereits aktiven Organisation Kultur Südthurgau fusionierte. Das Gemeinsame dieser vier Plattformen ist, dass sie kulturelle Projekte und Aktivitäten mit regionaler Ausstrahlung fördern. Gemeinsam ist ihnen auch, dass sie je einen Fördertopf unterhalten, aus dem Projekte mit Beiträgen nicht höher als 10 000 Franken unterstützt werden. Höhere Beiträge werden im Kanton St. Gallen wie im Thurgau direkt von den Kulturämtern vergeben. Somit leisten die Gemeinden dieser Regionen keine Beiträge mehr an Kulturprojekte mit überkommunaler Ausstrahlung. Bei ihnen bleibt die Förderung der «gemeindeinternen» Kultur wie Blasmusikvereine oder Bibliotheken.

Gemeinden und Lotteriefonds teilen sich die Alimentierung der Fördertöpfe. Die Gemeinden zahlen einen bis drei Franken pro Einwohner, der Kanton pauschal zwischen 60 000 Franken und 100 000 Franken je nach Grösse der Region. Ausserdem finanziert der Kanton über den Lotteriefonds die Geschäftsstellen der Förderorganisation mit je 10 000 Franken. Speziell ist die Situation in der Region Wil, wo Thurkultur über die Kantonsgrenzen hinweg tätig werden wird.

Insgesamt gelangt durch die Restrukturierung mehr Geld in die Verteiltöpfe. Im Toggenburg stieg die Gesamtsumme zum Beispiel von 120 000 auf 180 000 Franken. Wohlbemerkt – dies gilt nur für Beiträge unter 10 000 Franken. Es fliesst viel mehr Geld in die Kultur, zum Beispiel 830 000 Franken im Jahr 2009 in die Region der Südkultur. Noch keine regionale Kulturförderorganisation gibt es in den Regionen um die Städte St. Gallen (Jonschwil bis Rheineck) und Rapperswil-Jona.

Für die Kunst- und Kulturschaffenden hat die Regionalisierung den Vorteil, dass sie ihr Projekt nur noch einer Stelle vorstellen und nur noch ein Beitragsgesuch stellen müssen. Dabei stossen sie auch für ungewöhnliche Projekte auf Verständnis. Was, wie viele Kunstschaffende bestätigen, bei Gemeinderäten und ihren Kulturverantwortlichen nicht immer der Fall war.

Skepsis bleibt

Doch sind die Nutzniessenden auch skeptisch. Oliver Kühn, Leiter des Sirnacher Theater Jetzt!: «Das dürfte dann Rückgrat erfordern, wenn x Dorfvereine ihre Anlässe aus diesem Pot speisen wollen. Und man muss sich wahrscheinlich stets vor Augen halten, dass jede Gemeinde mindestens das wieder rausholen will, was sie reingegeben hat.» Kühn spricht damit die Klausel an, die sich die Gemeinden von Thurkultur ausbedungen haben: Dass jede Gemeinde bis zu zwei Dritteln ihres Beitrags als Förderbeitrag für «ihre» Kulturschaffenden beanspruchen kann.

Kritik kommt auch über die zunehmende Kommerzialisierung und Ökonomisierung der Kultur auf, so sagt Künstler Thomas Freydl aus Ganterschwil: «Dass an Kulturforen mit Begriffen aus der Wirtschaft um sich geworfen wird, dass immer mehr Wörter wie Businessplan oder Wertschöpfung verwendet werden, stimmt mich nachdenklich.» Kunst und Kultur entständen aus dem Chaos, so Freydl, und Reglemente seien kein Chaos.