BVet-Direktor sieht keinen Grund für Import-Verbot für Delfine

BERN/LIPPERSWIL. Für den obersten Veterinär des Bundes ist ein Importverbot für Delfine auch nach dem Tod eines Tiers im Freizeitpark Connyland kein Thema. BVet-Direktor Hans Wyss sieht «keine neuen Erkenntnisse», die für ein solches Verbot sprechen würden.

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Selbstverständlich seien Bundesrat und Parlament frei, anders zu entscheiden, sagte Wyss in Anspielung auf einen Vorstoss von Nationalrätin Brigitta Gadient (BDP/GR), die ein Importverbot für Delfine fordert.

Auch sieht der Direktor des Bundesamtes für Veterinärwesen (BVet) im Interview mit der «NZZ am Sonntag» keine Veranlassung, im Connyland zu intervenieren.

Die Auflagen für ein Delfinarium seien hoch «und sie wurden erst vor drei Jahren mit der neuen Tierschutzverordnung noch einmal verschärft». Gemäss dem zuständigen Thurgauer Kantonstierarzt erfülle das Connyland die Auflagen in jeder Beziehung, erklärte Wyss.

Grundsatzdebatte für alle Wildtiere
Die grundsätzliche Debatte über die artgerechte Haltung lasse sich im Übrigen auf viele Wildtiere übertragen, sagte der BVet- Direktor. Wer jede vom Zustand in der freien Natur abweichende Haltungsbedingung als nicht artgerecht ablehne, erachte es als generell nicht vertretbar, Wildtiere in Gefangenschaft zu halten - schon gar nicht anspruchsvolle Delfine.

«Die Mehrheit der Experten ist allerdings nicht dieser Auffassung», sagte Wyss weiter. In ihren Augen sei eine Haltung von Wildtieren möglich, sofern gewisse Kriterien erfüllt seien - beispielsweise zum Verhalten, der Gesundheit und der Fortpflanzung der Tiere.

Wenn die Politik sich nun mit einer Spezies befasse und ein Importverbot erwäge, müsse dies konsequenterweise auch bei anderen durchdacht werden. «Sonst macht man es sich zu einfach.»

Im Freizeitpark Connyland in Lipperswil war letzten Dienstag das achtjährige Delfinmännchen Shadow verendet. Für Tierschützer steht Shadows Tod in Zusammenhang mit einer Technoparty, die Ende Oktober im Connyland durchgeführt wurde. Für den Freizeitpark selbst kam Shadows Tod völlig unerwartet. Das tote Tier wurde vom Tierspital der Universitätsklinik Zürich seziert, die Todesursache konnte aber noch nicht bestimmt werden. (sda)

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