Hochdeutsch-Pflicht bei Facebook?

FRAUENFELD. Die Organisatoren des Open Airs Frauenfeld wollen schweizerdeutsche Facebook-Kommentare von der Seite löschen. Unter den Usern ist eine heftige Diskussion entbrannt.

Anna Miller
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Nationen friedlich vereint am Open Air Frauenfeld. (Bild: Nana do Carmo)

Nationen friedlich vereint am Open Air Frauenfeld. (Bild: Nana do Carmo)

«Nur noch Schriftdeutsch, o. k.? Sonst beginne ich mit dem Löschen von Dialekt-Posts…» Die Begründung: «Unsere Freunde in Deutschland und Österreich und Südtirol können die Posts nicht verstehen.»

Diese Ansage seitens der Betreiber der offiziellen Facebook-Seite des Open Airs Frauenfeld löste gestern heftigste Diskussionen aus. Mehrere hundert Fans machten ihrem Ärger über diese Forderung Luft. Vielfach patriotisch und unter der Gürtellinie. «Mir sind i de Schwiiz, es wird Schwyzerdütsch gredet», schreibt ein User. Die Diskussion mündet in rassistischen Attacken gegen Deutsche. Es fallen Wörter wie Endlösung, Ausrotten und Hitler. Bei den Hochdeutsch-Befürwortern geht es weitaus sachlicher zu: «Schriftdeutsch verstehen mehr Open-Air- Besucher», so ein User.

Joachim Bodmer, Sprecher des Festivals, begründet das Durchgreifen mit Reklamationen von deutschen Festivalgängern. Und meint: «Wir sind kein Schweizer Open Air, wir sind international. Unsere Landessprache ist Hochdeutsch. Wir als Schweizer haben manchmal selbst nicht verstanden, was da geschrieben wurde.» Die Organisatoren haben mittlerweile zur Abstimmung aufgerufen. Mit mehr als tausend «Likes» bekennen sich die Festivalgänger klar zum Schweizerdeutschen – die Gruppe hat doppelt so viele Befürworter wie die Hochdeutsch-Befürworter. Und einen Schweiz-Deutschland-Konflikt mehr.