Wende im Namensstreit akzeptiert

Die kleinen Thurgauer Siedlungen und Weiler werden bald ihre ungeliebten Mundartnamen los. Die Gemeinden unterstützen die meisten Vorschläge des Kantons, wie die 2400 Lokalnamen künftig geschrieben werden sollen: In der gewohnten schriftsprachlichen Variante.

Christof Widmer
Drucken
Teilen
Der Wegweiser bleibt: Die noch offiziellen Namen «Tuurbärg» und «Stelzehof» sollen zugunsten der gebräuchlichen Form verschwinden. (Archivbild: sb)

Der Wegweiser bleibt: Die noch offiziellen Namen «Tuurbärg» und «Stelzehof» sollen zugunsten der gebräuchlichen Form verschwinden. (Archivbild: sb)

Frauenfeld. Die Landkarten sind druckfrisch, aber schon veraltet: Die aktualisierten Ostschweizer Blätter der Landeskarte zeigen zwar den neusten Stand der Siedlungsausdehnung. Auf den Thurgauer Kartenblättern sind aber die kleinen Dörfer, Weiler und wichtigen geographischen Punkte nach wie vor in der extremen Mundartschreibweise aufgeführt, die der Kanton derzeit rückgängig macht (Kasten). Die Karte ist übersät mit Namen wie «Holpmishus» (Holzmannshaus), «Sunebärg» (Sonnenberg) oder Äppeste (Eppenstein)

Das Bundesamt für Landestopographie hat die theoretisch noch gültige Mundartschreibweise aus den amtlichen Plänen übernommen.

In den Datenbanken des kantonalen Amts für Geoinformation wird sich die Kehrtwende hin zu einem an die Schriftsprache angelehnten Namen erst in den nächsten Monaten niederschlagen. Die Gemeinden hatten bis Ende Januar Zeit, zu prüfen, ob sie mit der vom Kanton vorgeschlagenen neuen Schreibweise für die Namen der 2400 kleinen Siedlungen und Weiler zufrieden sind.

Am Grundsatz nicht gerüttelt

Sie sind es weitgehend: Die Gemeinden haben 80 bis 90 Prozent der vorgeschlagenen Namen bestätigt. Das sagt Andreas Keller, Generalsekretär des zuständigen Departements für Inneres und Volkswirtschaft, nach einer ersten Sichtung der Antworten: «Die Kehrtwende wird akzeptiert.» Keine einzige Gemeinde rüttelt demnach am Grundsatz, dass Siedlungsnamen wieder in gewohnter Schriftsprache geschrieben werden.

Nur in Einzelfällen gebe es Änderungswünsche, sagt Keller – zum Beispiel, wenn die Arbeitsgruppe eine Schreibweise vorgeschlagen habe, die vor Ort unüblich sei, wie «Reute» statt «Rüti».

Geantwortet haben allerdings nur 65 der 80 Gemeinden. Einige hätten eine Fristverlängerung beantragt, sagt Keller. Auf die anderen werde er zugehen. «Möglicherweise sind sie einfach zufrieden mit den Vorschlägen.»

Die Antworten der Gemeinden gehen jetzt ans Amt für Geoinformation. Es wird überprüfen, ob die Änderungswünsche plausibel sind. Anschliessend überträgt das Amt die neuen Namen in seine offiziellen Pläne.

«Jetzt ist Frieden»

«Hochzufrieden» mit der Entwicklung ist Kantonsrat Thomas Merz-Abt, der vor zwei Jahren die Welle der Empörung über die extremen Mundartnamen in einem politischen Vorstoss aufgenommen hatte. «Jetzt ist Frieden», sagt Merz-Abt. Es sei richtig, dass Gemeinden in die Entscheide einbezogen worden sind.

Sie wüssten, ob eine Schreibweise vor Ort akzeptiert wird oder nicht.

Aus Sicht der Gemeinden sei die Übung gut gelaufen, sagt Roland Kuttruff, Präsident des Verbands Thurgauer Gemeinden. Es sei ruhig ums Thema geworden.

Neue Karten 2016

Bis die neuen Namen auf den Landkarten erscheinen, wird es einige Jahre dauern. Das Bundesamt für Landestopographie (Swisstopo) will auch im Sonderfall Thurgau am normalen Aktualisierungsturnus festhalten.

«Die nächsten nachgeführten Karten sind im Jahr 2016 vorgesehen», sagt Swisstopo-Sprecherin Sandrine Klötzli.