Wie die Thurgauer Orte heissen

FRAUENFELD. Gestern ist das neue Ortschaften- und Siedlungsverzeichnis erschienen. Es ist detaillierter und umfasst 1000 Siedlungsnamen mehr als das alte. Das ist eine Folge des Streits um die Schreibweise der Siedlungs- und Flurnamen.

Christof Widmer
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Wer wissen will, in welchen Gemeinden Landsiedeln oder Ringenzeichen liegen oder wie viele Menschen in Eschenbuck oder in Unterisenegg wohnen, dem hilft das neue Ortschaften- und Siedlungsverzeichnis. Landsiedeln gehört zur Politischen Gemeinde Fischingen, Ringenzeichen liegt bei Egnach. Unterisenegg (Affeltrangen) hat neun Einwohner, Eschenbuck (Basadingen) fünf. Seit gestern ist das völlig überarbeitete Verzeichnis erhältlich.

Nicht nur optisch unterscheidet sich das Verzeichnis deutlich vom Vorgänger aus dem Jahr 2005. Auch inhaltlich ist das Nachschlagewerk umfassender geworden. 2266 Dörfer, Weiler, Höfe oder Stadtteile nennt das Werk – 1000 mehr als im alten Verzeichnis. Dass liegt nicht daran, dass neue Siedlungen gegründet worden wären. Die Erfassung ist feiner geworden. «Wir haben den Siedlungsbegriff erstmals einheitlich definiert», sagt Kantonsstatistikerin Ulrike Baldenweg. Bisher hatten die Gemeinden nach eigenem Gusto gemeldet, was sie als Siedlung verstehen. Die einen waren dabei detaillierter als die anderen.

Eine neue Siedlungskarte

Jetzt hat die Dienststelle für Statistik alle Wohnhäuser zu einer Siedlung zusammengefasst, wenn sie weniger als 100 bis 150 Meter von einander entfernt liegen und nicht zum Beispiel durch einen steilen Abhang voneinander getrennt sind. So kamen auch isolierte Einzelhöfe neu ins Siedlungsverzeichnis. Das Resultat ist eine eindrückliche Siedlungskarte des Thurgaus (Grafik).

Das Verzeichnis sagt auch, zu welcher Politischen Gemeinde, zu welcher Schul- oder Kirchgemeinde ein Weiler gehört. Auch nennt es die Einwohnerzahl. Die Internet-Version kann nachgeführt werden, wenn jährlich die neuen Einwohnerzahlen gemeldet werden, sagt Baldenweg.

Dass der Kanton das Ortschaften- und Siedlungsverzeichnis komplett überarbeitet hat, ist eine Folge des Streits um die Schreibweise der Thurgauer Lokalnamen. Um ihn zu lösen, hat der Regierungsrat 2010 angeordnet, dass die Siedlungsnamen nur noch in der traditionellen schriftsprachlichen Version erfasst werden dürfen. Zuvor hatte die kantonale Nomenklaturkommission die meisten Thurgauer Lokalnamen schon in einer extremen Mundartschreibweise festgelegt. Als die Thurgauer Zeitung 2009 begann drüber zu berichten, löste das eine Welle der Empörung aus.

Fast durchweg schriftsprachlich

Bei der anschliessenden Festlegung der Namen hat die zuständige kantonale Arbeitsgruppe alle Orte, wo Menschen wohnen, erfasst und definiert, wie sie geschrieben werden. «Das Ortschaften- und Siedlungsverzeichnis macht diese Arbeit zum erstenmal sichtbar», sagt Andreas Keller, Generalsekretär des Departements für Inneres und Volkswirtschaft. Tatsächlich sind die Namen dort fast durchweg in der traditionellen schriftdeutschen Schreibweise aufgeführt. Nur bei vereinzelten Kleinsiedlungen hat der Kanton ein Auge zugedrückt.

Das neue Verzeichnis hat offiziellen Charakter. «Die Idee ist, dass sich die kantonale Verwaltung daran hält», sagt Keller. Die Siedlungsnamen werden auch in den Vermessungsplänen der Gemeinden nachgeführt. Diese Arbeit beginnt laut Keller nächsten Herbst und sollte bis Ende 2014 abgeschlossen sein.