Römisches Fass und Kopfläuse

FRAUENFELD. Die Sammlung an römischen Holzgegenständen im Thurgauer Museum für Archäologie ist schweizweit einzigartig. In der neuen Publikation «Tasgetium II» sind über 300 Objekte aus Eschenz erfasst und kommentiert.

Katrin Zürcher
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2000 Jahre alte Panflöte.

2000 Jahre alte Panflöte.

Urs Leuzinger war sichtlich stolz. «Wir haben auf diesem Stockwerk mehr römisches Holz als das Britische Museum», sagte er zu den rund 50 Besucherinnen und Besuchern im Museum für Archäologie. «Sie müssen in Europa weit gehen, bis Sie so schönes und guterhaltenes Material finden wie hier.» Er präsentierte am Freitagabend das vom Amt für Archäologie publizierte Buch «Tasgetium II – die römischen Holzfunde». Darin sind 343 Holzobjekte vorgestellt, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten in Eschenz ausgegraben wurden.

Eiche aus dem Jahr 34 v. Chr.

Das Buch richte sich einerseits an wissenschaftlich Tätige und andererseits an interessierte Laien, sagte Kantonsarchäologe Hansjörg Brem. Im Zeitalter des Internet stelle der gedruckte Katalog eine Art Sicherheitskopie dar. «Angesichts der teilweise sehr fragilen Objekte ist er wohl bedeutender als die Auflistung von unverwüstlichen Keramikfunden.»

«Mein absoluter Liebling ist das Kapuzenmännchen, die Holzstatue dort in der Vitrine», sagte Projektleiter Urs Leuzinger. Die rund 60 Zentimeter hohe menschliche Figur mit Kapuzenmantel wurde 1977 in Eschenz ausgegraben und vor fünf Jahren mit modernsten Mitteln untersucht. Demnach stammt der letzte Jahrring der dafür verwendeten Eiche aus dem Jahr 34 vor Christus.

Einziger römischer Hocker

Interessant seien auch die Weinfässer: «Ihre Inschriften verraten einerseits den Küfer, andererseits den Fassbesitzer.» In einem der Fässer fanden die Archäologen eine Kruste. Die Analyse ergab, dass es sich dabei um Reste von Olivenöl handelt, das im Weinfass gelagert worden war. Als weitere aussergewöhnliche Funde stellte Urs Leuzinger ein Holzschloss, eine Panflöte und einen Dreibeinhocker aus Buchenholz vor. «Unser Hocker ist das einzige vollständige, unverkohlte Möbelstück aus dem ganzen römischen Reich.» Die Artefakte sind im Buch kommentiert und können im Museum bewundert werden.

Schreibtafeln, Körbe, Bürsten, Werkzeuggriffe: Viele der Funde aus dem feuchten Eschenzer Boden erzählen Geschichten aus dem Alltag der Römerinnen und Römer im vicus Tasgetium, der Siedlung Eschenz. Sie hatten zum Teil mit den gleichen Problemen zu kämpfen, die wir Menschen zweitausend Jahre später noch kennen.

Kämme mitsamt Kopfläusen

So förderten die archäologischen Grabungen fünf doppelreihige Kämme zutage, die heutigen Lauskämmen zum Verwechseln ähnlich sehen. Nur das Material ist anders: Vier der römischen Kämme sind aus Buchsbaumholz, einer aus Esche. «Ich sagte der Restauratorin im Scherz, sie solle die Läuse nicht wegrestaurieren», erzählte Urs Leuzinger. «Unter dem Binokular entdeckte sie dann zwischen den Zähnen eines Kamms tatsächlich Überreste römischer Kopfläuse.»

Römische Schreibtafeln – die Notepads der Antike.

Römische Schreibtafeln – die Notepads der Antike.

Grabungstechniker Daniel Steiner untersucht römische Holzproben. (Bilder: Amt für Archäologie Thurgau)

Grabungstechniker Daniel Steiner untersucht römische Holzproben. (Bilder: Amt für Archäologie Thurgau)

Römisches Schloss mit Riegel aus Holz.

Römisches Schloss mit Riegel aus Holz.

Römisches Weinfass.

Römisches Weinfass.