Patientenschutz auch für Tiere

Immer häufiger haben sich Personen beim Tierschutz gemeldet, deren Tiere Opfer von Behandlungsfehlern wurden. Darauf hat der Thurgauer Tierschutzverband (TTSV) reagiert und eine Beratungsstelle zum Tierpatientenschutz eingerichtet.

Stefan Borkert
Drucken
Teilen
Der Ausschuss: Eva Sturm, Reinhold Zepf und Rico Schneider bilden die Tierpatientenschutzstelle beim Thurgauischen Tierschutzverband. (Bild: Stefan Borkert)

Der Ausschuss: Eva Sturm, Reinhold Zepf und Rico Schneider bilden die Tierpatientenschutzstelle beim Thurgauischen Tierschutzverband. (Bild: Stefan Borkert)

Frauenfeld. Fehldiagnose bei einem gesunden Hund: Eine Hundehalterin war mit ihrem Hund in der Sprechstunde bei einem Thurgauer Tierarzt. Der Mediziner röntgte das Tier. Er diagnostizierte Wasser in der Lunge und Probleme mit dem Herz. Die besorgte Hundehalterin liess einige Zeit später ihren Hund im Tierspital an der Universität Zürich noch einmal untersuchen. Dort schüttelte man den Kopf und stellte fest, dass der Hund gesund war, kein Wasser in der Lunge hatte und auch das Herz richtig arbeitete. Die Hundehalterin hatte also viel Geld für eine Behandlung ausgegeben, die gar nicht notwendig gewesen wäre.

Schweizweit einmalig

Das ist eines der Beispiele, die der Präsident des TTSV, Reinhold Zepf, gestern an einer Medienkonferenz nannte. Wegen solcher Fälle hat der Vorstand des TTSV nun eine schweizweit bisher einmalige Beratungs- und Anlaufstelle eingerichtet. Im Thurgau wohnhafte Privatpersonen können sich künftig, wenn es Probleme mit Behandlungen ihrer Tiere beim Tierarzt gibt, an diese Stelle wenden. «Das Angebot ist kostenlos», sagt Reinhold Zepf. Zugleich verweist er auf ein eigens dafür eingerichtetes Spendenkonto bei der Thurgauer Kantonalbank (Konto: 0125.3846.2002; Stichwort: Tierpatientenschutz). Der TTSV hat auf dieses Konto bereits eine fünfstellige Summe eingezahlt. Die Beratungsstelle zum Tierpatientenschutz wird von einem dreiköpfigen Ausschuss gemanagt. Dieses Gremium entscheidet, wie im Einzelfall vorgegangen wird. Wie viele Anfragen kommen werden, das weiss Zepf auch nicht. Er kann nur vermuten. So über den Daumen gepeilt hatte der TTSV in den letzten Jahren fünf bis zehn Anfragen zu diesem Thema. Es gab auch schon Fälle im Thurgau, die gerichtlich entschieden wurden. Die Meldungen könnten jetzt aber ansteigen.

Zepf hofft auch auf eine Signalwirkung für andere Kantone und dass bald weitere Tierpatientenschutz-Stellen folgen werden. Rico Schneider, der zusammen mit Eva Sturm und Reinhold Zepf die Anlaufstelle betreibt, sagt, dass er allein für Amriswil jetzt schon acht bis neun Fälle in dieser Richtung habe. Deshalb sei er froh, dass es nun eine solche Anlaufstelle gebe. Die Tierhalter kämen zu ihnen mit ganz konkreten Fragen zur tierärztlichen Behandlung. Und eine kleine Sektion wie Amriswil stosse da schnell an ihre Grenzen. Auch er hat einen Anstieg solcher Fälle in den letzten Jahren beobachtet.

Vertrauenstierarzt

Reinhold Zepf sagt, dass der TTSV bisher Meldungen an den Kantonstierarzt oder die Justiz weitergeleitet habe. Die Anfragen an den TTSV seien einerseits juristischer Natur gewesen. Andererseits wurde auch wegen Kostenbeteiligung nachgefragt oder dass der TTSV vor dem einen oder anderen Tierarzt warnen solle. Jetzt entscheidet der Ausschuss für Tierpatientenschutz. Jeder Fall werde aber sauber abgeklärt, versichert Zepf. Man habe einen Vertrauenstierarzt und auch einen Rechtsanwalt für die juristischen Fragen. Weiter hat sich auch ein Tierheilpraktiker zur Verfügung gestellt. Der TTSV werde sich in berechtigten Fällen auch an Kosten für Gutachten, Nachbehandlungen oder juristische Auseinandersetzungen beteiligen.

Nein, betont Zepf, er wolle sich nicht mit den Tierärzten anlegen. Aber überall würden Fehler gemacht, wo Menschen arbeiteten, also auch bei Tierärzten.