Geothermiekraftwerk bis 2022

FRAUENFELD. Der Thurgau macht Ernst mit der Geothermie. Investoren sollen die Erdwärme einfacher anzapfen können, um etwa Stromkraftwerke oder Heizzentralen zu betreiben. Dafür will der Regierungsrat mit einem Massnahmenpaket sorgen.

Christof Widmer
Drucken
Teilen
Geothermie-Bohrungen wie hier in Schlattingen sollen künftig nach standardisierten Regeln bewilligt werden. (Archivbild: Donato Caspari)

Geothermie-Bohrungen wie hier in Schlattingen sollen künftig nach standardisierten Regeln bewilligt werden. (Archivbild: Donato Caspari)

«Die Bündner haben Wasserkraft, wir haben Geothermie», sagt Volkswirtschaftsdirektor Kaspar Schläpfer. Und diese Energiequelle will die Regierung konsequent anzapfen. Dazu veröffentlichte sie gestern ein Nutzungskonzept. Darin enthalten ist unter anderem die Vision, dass im Thurgau in zehn Jahren mindestens ein Geothermiekraftwerk steht, das Strom produziert.

Die Geothermie soll aber auf allen Ebenen gefördert werden: Dazu zählt die Erdsonde fürs Einfamilienhaus genauso wie die Tiefenbohrung, die ein ganzes Quartier mit Wärme versorgen könnte.

Kanton setzt auf Investoren

Der Kanton will selber keine Anlagen bauen. Er setzt auf Investoren – im Fall des angestrebten Kraftwerks kommen dafür etwa das EKT oder die Axpo in Frage. «Wir wollen für Investoren optimale Bedingungen schaffen», sagt Andrea Paoli, Leiter der kantonalen Abteilung Energie. Dazu dient ein Bündel von 16 Massnahmen (Kasten). Grob gesagt zielen sie in drei Richtungen: Rechtssicherheit, Information und Förderung.

Konkret soll ein Investor wissen, zu welchen Bedingungen er bohren darf – dafür braucht er eine Konzession des Kantons. Zudem sind zu tiefe Bohrungen stellenweise nicht angezeigt, etwa im Bereich eines radioaktiven Endlagers. Zum anderen soll der Kanton dem Investor geologische Daten zur Verfügung stellen, damit dieser weiss, wo sich ein Projekt lohnt. Und drittens soll der Kanton Anreize geben, dass ein Projekt überhaupt begonnen wird.

Die Förderung von Erdsonden für Einfamilienhäuser oder von Sondenfeldern für grössere Objekte erachtet das Nutzungskonzept als gut. Es sieht aber vor, dass die Einschränkungen bei Grundwasserzonen überarbeitet werden. Ungenutzte Randzonen könnten für die Erdwärmenutzung freigegeben werden.

Grösserer Handlungsbedarf besteht für die tiefe Geothermie mit Bohrungen bis 5 Kilometer in den Untergrund. Vor allem hier kommt das Massnahmenpaket zum Tragen. In diese Kategorie fällt nicht nur ein Stromkraftwerk, sondern auch die erfolgreiche Bohrung in Schlattingen, wo ein Gemüsebauer seine Treibhäuser mit Erdwärme heizen will. In diesem Fall musste der Kanton eine Risikogarantie noch in einem Ausnahmeverfahren gewähren.

Vorbehalt zur Finanzierbarkeit

Werden alle Massnahmen umgesetzt, hat das einmalige Kosten von 3,4 Millionen Franken und wiederkehrende von 1 Million Franken zur Folge. Angesichts der Sparanstrengungen macht der Regierungsrat deshalb einen Vorbehalt bei der Finanzierbarkeit.

Auf Schätzungen, wie viel Energie sich im Thurgau aus der Erdwärme holen lässt, will sich Paoli nicht einlassen. Das hänge von der Wirtschaftlichkeit ab.

Erfreut zeigt sich CVP-Kantonsrat Josef Gemperle. Der Präsident des Vereins Geothermie Thurgau war Miturheber des parlamentarischen Auftrags für das Geothermiekonzept. Die Regierung habe die Anregungen übernommen. Der Thurgau werde mit diesem Konzept ein Vorbild.