Er war alt, hat aber noch geschnurrt

ROMANSHORN. Der Tierschutzverein hat vor einer Woche den Kater Garfield einschläfern lassen. Die Verantwortlichen dachten, das Tier sei alt und herrenlos und krank gewesen. Doch es war das Heimbüsi des Alters- und Pflegeheims Egnach. Dort ist die Trauer nun gross.

Michèle Vaterlaus
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Kater Garfield – als er noch lebte. (Bild: pd)

Kater Garfield – als er noch lebte. (Bild: pd)

Auf der Facebook-Seite des Tierschutzvereins Romanshorn gehen derzeit die Emotionen hoch. Thema ist der Kater Garfield. Er wurde letzten Freitag eingeschläfert, nachdem ihn eine Frau mitten in der Nacht bei der Katzenstation des Tierschutzvereins abgegeben hat. Die Verantwortlichen gingen mit der Katze zum Tierarzt, der sie eingeschläfert hat – ohne Wissen der Besitzer. Der Kater war das Heimbüsi des Alters- und Pflegeheims Egnach. Dort ist die Trauer über den Verlust gross.

Über 20 Jahre im Heim

Garfield lebte seit etwa 20 Jahren in dem Altersheim. «Etwa so lange wie ich dort arbeite», sagt Heimleiter Heinz Gross. Er habe die Katze alt werden sehen. «Ja, er war etwas struppig, er war langsam, er war halt alt und passte ganz gut hierher», sagt Gross und schmunzelt. Der Kater habe dreimal am Tag gefressen und geschnurrt. Alles sei in Ordnung gewesen. Vor einer Woche feierten einige Gäste im Altersheim ein Fest. «Garfield hat das Fest besucht und ist dann davongezogen.» Doch dabei ist er wohl falsch abgebogen Richtung Strasse. «Er ging eigentlich nicht mehr zur Strasse, weil er schnell müde wurde.» Müde wurde das Tier auch an diesem Freitag. Deshalb hat sich Garfield auf das Trottoir gelegt. Eine Frau hat die Katze gesehen und sie der Katzenstation des Tierschutzvereins Romanshorn übergeben. Der Rest ist Geschichte.

«Wir wurden am Samstag vom Tierschutzverein über die Geschehnisse in Kenntnis gesetzt», sagt Gross. Er habe nachgeforscht und die Geschichte rekonstruiert. Er war entsetzt, habe sich vorwerfen lassen müssen, dass zu dem Tier nicht gut geschaut wurde. «Eine Katze wird doch nicht über 20 Jahre alt, wenn sie vernachlässigt wird», sagt er.

Ronny Eichhorst, Präsident des Tierschutzvereins, räumt ein, dass die Aktion schief gelaufen ist. Ihm tut es leid, was passiert ist. «Doch laut unserer Kenntnis war das Tier herrenlos, sehr alt und offenbar krank.» Es sei Standard, dass man mit zugelaufenen oder abgegebenen Tieren erst zum Arzt gehe. «Nicht, dass uns diese noch Krankheiten in die Station bringen», sagt er. Der Tierarzt in Altnau, mit welchem der Tierschutzverein Romanshorn regelmässig zusammenarbeitet, hatte in dieser Nacht Notfalldienst.

Chip für Katzen

«Wir sind nicht böse, nur traurig», sagt Heinz Gross. Mit dem Tierschutzverein hatte er in den letzten Tagen deswegen intensiv Kontakt. «Im Grunde haben wir das gleiche Ziel: So etwas soll nicht noch einmal passieren.» Das ist mit ein Grund – nebst dem, dass er eine transparente Kommunikation will – weshalb sich Ronny Eichhorst selbst wegen der Geschichte an die Thurgauer Zeitung gewandt hat. Wie eine Wiederholung des Vorfalls verhindert soll, davon haben Eichhorst und Gross aber unterschiedliche Vorstellungen.

«Katzen können mittlerweile wie Hunde gechipt werden», sagt Eichhorst. «Läuft dem Tierschutzverein eine Katze zu, können die Verantwortlichen dort mit einem Lesegerät überprüfen, ob die Katze herrenlos ist und wenn nicht, findet der Verein ohne Probleme heraus, wem sie gehört. Das Vorgehen ist am einfachsten.»

Heinz Gross findet, dass die Menschen sensibilisiert werden müssen. «Es kann doch nicht sein, dass ich eine Katze chipen muss, damit sie niemand einfach mitnimmt», sagt er und appelliert an die Vernunft der Passanten. «Wenn jemand ein Tier sieht und den Verdacht hat, dass es ihm nicht gut geht, kann er doch in der Umgebung fragen, wem es gehört oder ob jemand es kennt.»

Kater unterm Messer

Eine ähnliche Geschichte hat sich kürzlich in Engishofen zugetragen, wie in der Ostschweiz am Sonntag zu lesen war. Dort haben Tierschützer eine Katze eingefangen und sie zum Tierarzt gebracht. Sie sollte dort sterilisiert werden. Der Arzt hatte bereits den Bauch aufgeschnitten als er merkte, dass die Katze ein bereits kastrierter Kater ist.