Ein zweiter Stark und drei Senkrechtstarter

Ueli Fisch schwimmt dank seinem Regierungsratswahlkampf obenauf und der junge Romanshorner Alban Imeri erringt trotz Abwärtsstrudel der BDP souverän einen Kantonsratssitz. Und Hermann Lei schafft seine Wiederwahl auch, während er ein aktuelles Strafverfahren am Hals hat. Maag und Schlatter gehen leer aus.

Silvan Meile
Drucken
Teilen
Analyse der Zahlen: Im Wahlzentrum Frauenfeld trafen gestern nach und nach die Resultate aus den Gemeinden ein. (Bild: Reto Martin)

Analyse der Zahlen: Im Wahlzentrum Frauenfeld trafen gestern nach und nach die Resultate aus den Gemeinden ein. (Bild: Reto Martin)

FRAUENFELD. Der Überflieger der gestrigen Grossratswahlen hat einen Namen: Alban Imeri (BDP, Romanshorn). Obwohl sich seine Partei im Abwärtsstrudel befindet und zwei von fünf Sitzen verlor, schaffte der junge Mann mit mazedonischen Eltern gestern auf Anhieb den Sprung in den Grossen Rat. Imeri hängte dafür fleissig Plakate auf. Ausserdem fiel er zuvor dadurch auf, dass er die Wahl in die Romanshorner Einbürgerungskommission dreimal nicht schaffte. «Viele Leute haben mich genau deshalb unterstützt», sagt Imeri, der nun die Nachfolge von Markus Berner antritt. Imeri hat Jahrgang 1991 und ist damit das jüngste Mitglied des gestern gewählten Kantonsparlaments.

Vor zehn Tagen stand er wegen seiner Rolle in der Affäre Hildebrand noch vor dem Strafrichter des Bezirksgerichts Zürich. Trotz laufendem Strafverfahren gelang Hermann Lei (SVP, Frauenfeld) gestern seine Wiederwahl in den Grossen Rat des Kantons Thurgau problemlos. «Diesmal ist mein Resultat noch besser als vor vier Jahren. Das zeigt eben auch, dass der Wind im Fall Hildebrand gedreht hat», sagt Lei. Das bessere Wahlergebnis dürfte auch auf Leis engagiertes Politisieren im Grossen Rat zurückzuführen sein. «Obwohl ich im Rat zuhinterst sitze, bin ich kein Hinterbänkler.»

Ueli Fisch schwamm gestern obenaus. «Der Fisch-Effekt hat Wirkung gezeigt», sagt der Grünliberale mit Anspielung auf seinen anfangs Jahr intensiv geführten Wahlkampf um einen Regierungsratssitz. Dieser brachte ihm zwar keinen Erfolg, gestern fuhr Fisch aber die Ernte seiner damaligen Bemühungen ein. Der GLP-Kantonsrat aus Ottoberg schafft seine Wiederwahl mit riesigem Vorsprung auf seine Parteikollegen auf der Weinfelder GLP-Liste.

Ebenfalls aus dem Bezirk Weinfelden kommt SVP-Kandidat Hans Stark, Gemeinderat in Kradolf-Schönenberg. Der Bruder von Regierungsrat Jakob Stark schaffte den Sprung in den Grossen Rat. Oft habe er im Vorfeld der Wahlen gehört, ein Stark in der Thurgauer Politik genüge, sagt der Neugewählte. Die Wähler sind aber offensichtlich der Meinung, dass es noch einen zweiten Stark verträgt.

Das Feld von hinten aufgeräumt hat der Aadorfer Raiffeisen-Chef Peter Bühler. Ihm gelang im Bezirk Münchwilen der Einzug in den Grossen Rat vom CVP-Liste-Platz 12. Einen noch grösseren Senkrechtstarter hat die CVP im Bezirk Arbon. Dominik Diezi aus Stachen realisierte die Wahl in den Grossen Rat auf Anhieb vom Listenplatz 17. Diezi gewinnt für die Christdemokraten einen zusätzlichen Sitz und hält den Schaden durch die Sitzverluste im Bezirk Frauenfeld und Weinfelden in Grenzen.

Nicht ganz gereicht hat es für Josef Arnold (SVP, Uttwil). 28 Stimmen fehlen dem Carunternehmer für den Einzug in den Grossen Rat. Doch noch ist nicht aller Tage Abend. Arnold belegt den ersten Ersatzplatz auf der SVP-Liste des Bezirks Arbon und rückt in den Grossen Rat nach, falls Diana Gutjahr nach einem allfälligen Rücktritt von Nationalrat Hansjörg Walter ihren Kantonsratssitz räumt.

Der älteste Kantonsrat – er hat Jahrgang 1944 – heisst Armin Eugster (CVP, Bürglen). Die dienstältesten Kantonsräte sind jedoch Max Brunner und Max Vögeli. Beide wurden 1992 erstmals gewählt. Brunner amtete – weil er älter ist als Vögeli – vor vier Jahren als Alterspräsident. Diesem Ehrenamt fällt die Aufgabe zu, die Eröffnung der ersten Sitzung des neugewählten Parlaments zu leiten. Ob diese Ehre diesmal Vögeli zuteil wird, ist noch ungewiss.

Mit einem beachtlichen Resultat auf der FDP-Liste gibt Anders Stokholm sein Comeback im Grossen Rat. Der heutige Frauenfelder Stadtpräsident sass bereits einmal im Kantonsrat, bevor er 2008 Chef des kantonalen Amts für AHV/IV wurde. Gestern konnte auf der FDP-Liste nur sein Vorgänger als Frauenfelder Stadtpräsident, Carlo Parolari, mehr Stimmen auf sich zu vereinen.

Der Direktor der Industrie- und Handelskammer (IHK) lässt den Kopf hängen. Peter Maag (SVP, Mettendorf) schaffte trotz gewisser Prominenz auch beim vierten Anlauf den Sprung in den Grossen Rat nicht. «Das war meine letzte Kandidatur», sagt er enttäuscht.

Auch bei André Schlatter (CVP, Amriswil) wollte gestern die Wahl nicht gelingen. Der ehemalige CVP-Kantonalpräsident sass schon zweimal im Grossen Rat, wurde aber auch schon zweimal abgewählt. Aktuell liegt er auf dem dritten Ersatzplatz. Von diesem schaffte Schlatter den Sprung in den Grossen Rat auch schon, weil zwei vor ihm kandidierende auf ein Nachrücken verzichtet hatten.

Aktuelle Nachrichten