FRAUENFELD: Ein gutes Resultat für den Moment

Bei den Thurgauer Regierungsratswahlen hat Carmen Haag (CVP) am besten abgeschnitten. Auch Ueli Fisch (GLP) hat überrascht. Doch ihre Parteien können nicht mit demselben Erfolg in den Grossratswahlen rechnen.

Thomas Wunderlin
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Die Sympathieträgerin ihrer Partei: Regierungsrätin Carmen Haag am Sonntag im Regierungsgebäude. (Bild: Reto Martin)

Die Sympathieträgerin ihrer Partei: Regierungsrätin Carmen Haag am Sonntag im Regierungsgebäude. (Bild: Reto Martin)

FRAUENFELD. Für Armin Menzi war schon vor dem Wahlsonntag klar, dass sie die grosse Sympathieträgerin der CVP ist. In der Wahlzeitung für die Grossratswahlen, die bereits fertig ist, hat der CVP-Werber als Blickfang Regierungsrätin Carmen Haag verwendet. Dass sie in den Regierungsratswahlen mit 53 967 Stimmen das beste Resultat erzielt hat, wirkt für ihn nun als Bestätigung. «Sie ist eine tragende Figur der Partei», sagt Menzi. «Wir haben uns natürlich gefreut, dass sie gut abgeschnitten hat.» Erstaunt zeigt er sich, dass Haag auch im Oberthurgau viele Stimmen geholt habe, obwohl einige der grössten Baustellen der Raumplanung dort lägen.

Haags «soziale und fachliche Kompetenz» habe sich ausgewirkt, meint der interimistische Co-Präsident der Thurgauer Grünliberalen, Robert Meyer. Auch er weist daraufhin, dass die CVP-Regierungsrätin mit dem Baudepartement schwierige Dossiers zu führen hat. Er habe mit ihr besonders nach seiner Wahl in den Grossen Rat vor acht Jahren zu tun gehabt. Die beiden neugewählten Grünliberalen seien damals in der CVP-Fraktion willkommen geheissen worden. Als CVP-Fraktionspräsidentin habe Haag ihre Arbeit gut gemacht.

Guter sechster Rang

Obwohl nicht gewählt, so hat auch der Grünliberale Kandidat Ueli Fisch gut abgeschnitten. Fisch übertraf das absolute Mehr, was dem jeweils sechstplazierten Kandidaten der Thurgauer Regierungsratswahlen 2008 (Daniel Wittwer, EDU) und 2012 (Willy Schmidhauser, SD) nicht gelungen war.

Der CVP-Werber Menzi bezeichnet Fischs Resultat als «Warnschuss»; offensichtlich passe vielen Leuten die jetzige Zusammensetzung des Regierungsrats mit vier alt Gemeindeammännern nicht. GLP-Co-Präsident Meyer würdigt das grosse Engagement Fischs, der von seiner Familie und seinen Kollegen stark unterstützt worden sei. Das Resultat sei erfreulich. Im Wahlkampf seien jedoch die Hoffnungen gewachsen, dass es doch noch zur Wahl reiche. Nun herrsche auch «ein gewisser Frust».

Als Dämpfer wirkt auf die Thurgauer Grünliberalen auch das Resultat der St. Galler Sektion, die am Sonntag drei von fünf Sitzen verloren hat. «Das Umfeld ist für die Grünliberalen nicht das ideale», sagt Meyer.

Im Hinblick auf die Grossratswahlen vom 10. April hofft Meyer, dass die Thurgauer Grünliberalen ihre fünf Sitze halten können. Während sie 2012 vom Fukushima-Effekt profitierten, dominiert heute die Flüchtlingswelle die politische Diskussion. «Da hat im Moment niemand eine gescheite Lösung», sagt Meyer.

Weder Menzi noch Meyer glauben, dass ihre Parteien von den guten Resultaten von Haag und Fisch in den Grossratswahlen viel profitieren werden.

«Regierungsratswahlen sind Personenwahlen», sagt Meyer. Nur in Fischs Heimatbezirk Weinfelden würden die Grünliberalen von dessen guten Abschneiden in den Regierungsratswahlen profitieren. «Man hat ihn bewusst wahrgenommen», sagt Meyer. «Dank ihm sind einige Podien zustande gekommen, an denen sich die bisherigen Regierungsräte und der FDP-Kandidat präsentieren mussten.»

«Regierungs- und Grossratswahlen kann man nicht vergleichen», sagt Menzi. Die CVP habe es als Mittepartei schwer, Profil zu entwickeln. Auch habe sie nicht mehr viele Wirtschaftsvertreter auf ihren Wahllisten. Wie bei den Grünliberalen geht es bei der CVP vor allem darum, die derzeit 21 Sitze zu halten.

Absturz nach Spitzenplatz

In den letzten Wahljahren verhalf der Spitzenplatz in der Regierungswahl nicht zum Wahlsieg in den Grossratswahlen. 2004 war Kaspar Schläpfer (FDP) der am besten gewählte Regierungsrat; die FDP verlor zwei ihrer 20 Sitze. 2012 erhielt SVP-Regierungsrätin Monika Knill (SVP) am meisten Stimmen – die SVP verlor 10 ihrer 51 Sitze.

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