Die Unterschiede liegen im Detail

FRAUENFELD. Gestern abend haben sich die drei Kandidaten fürs Frauenfelder Stadtpräsidium am Podium der TZ präsentiert. Dabei hat sich gezeigt, dass sich Roland A. Huber, Anders Stokholm und Andreas Wirth politisch oftmals nahestehen.

Markus Zahnd
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Andreas Wirth, Anders Stokholm und Roland A. Huber kandidieren fürs Frauenfelder Stadtpräsidium und stellten sich am Podium auch den Fragen aus dem Publikum. (Bilder: Reto Martin)

Andreas Wirth, Anders Stokholm und Roland A. Huber kandidieren fürs Frauenfelder Stadtpräsidium und stellten sich am Podium auch den Fragen aus dem Publikum. (Bilder: Reto Martin)

Es gibt sie schon, die Unterschiede zwischen Roland A. Huber (BDP), Anders Stokholm (FDP) und Andreas Wirth (SVP). Allerdings gibt es noch mehr Gemeinsamkeiten, zumindest in ihren politischen Vorstellungen. Alle drei Kandidaten fürs Frauenfelder Stadtpräsidium sehen den Verkehr als eine der grössten Herausforderungen der kommenden Jahre, alle wollen die Steuern nur im Notfall erhöhen, und alle drei erachten eine gute Kommunikation als eine der wichtigsten Eigenschaften für das Amt.

Wirth will sparen

Die Unterschiede zwischen den drei Kandidaten liegen daher oft im Detail. Das haben gestern abend auch die rund 250 Besucher im grossen Bürgersaal erkannt. Huber, Stokholm und Wirth stellten sich den Fragen von David Angst, Redaktionsleiter der Thurgauer Zeitung, und Stefan Hilzinger, Ressortleiter Frauenfeld & Untersee.

In der Finanzpolitik sind sie sich einig, dass bei der Stadt Frauenfeld höchstens ein Schnupfen diagnostiziert werden muss. «Aber wir müssen aufpassen, dass Frauenfeld nicht in ein strukturelles Defizit läuft», sagte Wirth. Daher brauche es Sparanstrengungen. Auch Stokholm würde bei einer Wahl die Ausgaben überprüfen. «Aber man muss schauen, dass sich Industrie und Gewerbe dennoch entwickeln können.» Und Huber betonte, dass wegen des Defizits im Budget die Ausgaben zwar angeschaut werden müssen, nun aber keine «Sparhysterie» aufkommen sollte.

Für Stokholm geht es ums «Wie»

Auch die Fragen aus dem Publikum haben gezeigt, dass der Verkehr ein Thema ist, das die Bevölkerung stark beschäftigt. Die Entlastung der Innenstadt geniesst daher auch bei den Kandidaten Priorität. Hubers Rezept enthält vor allem eine Temporeduktion: «Ein Einbahnsystem sehe ich kaum als Lösung. Wichtiger wäre es, den Verkehr zu verlangsamen, daher begrüsse ich die Absicht, in der Altstadt eine Begegnungszone mit Tempo 20 einzuführen.» Wirth hingegen hält die derzeit im Raum stehende Einbahnring-Idee für prüfenswert. «Letztlich würde aber eine Umfahrung oder ein Tunnel die Innenstadt am besten entlasten.» Für Stokholm ist es wichtig, dass jetzt nicht einfach kleine Massnahmen ergriffen werden. Vielmehr sieht er einen äusseren Ring als Möglichkeit. «Zuerst geht es jetzt aber nicht um das Was, sondern um das Wie.»

Um das «Wie weiter?» geht es in den kommenden Jahren auch auf dem Kasernenareal mitten in der Stadt. Dieses wird bald frei, was für Frauenfeld eine grosse Chance bietet – soweit sind sich die Kandidaten ebenfalls einig. Leicht unterschiedliche Vorstellungen bestehen aber in der Frage, was genau mit dem Areal geschehen soll. Stokholm will eine Mischung von Gewerbe, Wohnen und Kultur. «Wichtig ist aber, dass nicht sofort das ganze Areal verplant wird, sondern dass auch Räume freigehalten werden.» Wirths Vision geht in eine ähnliche Richtung. Er betonte aber, dass man das Areal zusammen mit dem Bahnhof und der Altstadt entwickeln muss. Hubers Vorstellungen waren etwas konkreter: «Nebst Wohnen und Arbeiten sehe ich vor allem auch Begegnungsräume sowie Proberäume für Chöre oder Theatergruppen.»

Huber für einen Wohnbaufonds

Huber präsentierte sich eingangs als Mann der Mitte, dessen «Wege nach links und nach rechts gleich weit» sind. Speziell in einer Frage wurde das gestern abend deutlich. Die linksgrüne Gruppierung Chrampfe & Hirne hat eine Initiative lanciert, mit der die Stadt zu sozialem Wohnungsbau verpflichtet werden soll. Für den BDP-Kandidaten ist der geforderte Fonds durchaus eine Option, «in anderen Städten funktioniert das gut». Die anderen beiden sprachen sich indes gegen den Fonds und damit gegen die Initiative aus. «Die Stadt kann auch über das Landkreditkonto aktiv werden», fand FDP-Mann Stokholm. Und Wirth (SVP) sagte, dass die Stadt vielmehr bei konkreten Projekten einsteigen sollte oder über die Zonenpolitik eingreifen könne.

Gewählt wird auch in Frauenfeld am 8. März. Sowohl Stokholm als auch Huber und Wirth betonten, das sie bei einer Wahl mindestens drei Legislaturen im Amt bleiben wollen. Alle drei beschrieben sich als Personen, die anpacken und die Stadt vorwärts bringen wollen. Denn Frauenfeld sei lebenswert und solle es auch bleiben. Dass in dieser Frage Einigkeit bestand, war beinahe selbstverständlich.

Wer zieht am 1. Juni als Nachfolger von Carlo Parolari ins Frauenfelder Rathaus ein? (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Wer zieht am 1. Juni als Nachfolger von Carlo Parolari ins Frauenfelder Rathaus ein? (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Rund 250 Personen besuchten das gestrige Podium im grossen Bürgersaal. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Rund 250 Personen besuchten das gestrige Podium im grossen Bürgersaal. (Bild: Reto Martin (Reto Martin))