MIGRATION: Bund plant Container-Anlage für Flüchtlinge in Kreuzlingen

Der Bund plant beim Autobahnzoll Kreuzlingen eine Container-Anlage als Anlaufstelle für Flüchtlinge. Bei einem plötzlichen Ansturm von Asylsuchenden werden darin die Ankommenden registriert.

Silvan Meile
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Am Autobahnzoll Kreuzlingen plant der Bund eine Container-Anlage, um Flüchtlinge bei einem Ansturm registrieren zu können. (Bild: Donato Caspari)

Am Autobahnzoll Kreuzlingen plant der Bund eine Container-Anlage, um Flüchtlinge bei einem Ansturm registrieren zu können. (Bild: Donato Caspari)

Der Bund wappnet sich für einen ausserordentlichen Flüchtlingsstrom auf die Schweiz. In einer Notfallplanung bereitet sich das Staatssekretariat für Migration (SEM) auf Szenarien vor, in denen sich plötzliche Tausende von Flüchtlingen auf die Schweiz zubewegen. Auch in einem solchen Fall sollen sämtliche Asylsuchende noch in Grenznähe registriert und einer Identitäts- und Gesundheitskontrolle unterzogen werden, heisst es in einem Dokument des SEM. Dieses gehört zum Baugesuch, das seit heute auf der Bauverwaltung der Stadt Kreuzlingen aufliegt. Demnach erweitert das SEM gemeinsam mit dem Grenzwachtkorps die bestehenden Gebäude der Schweizer Zollverwaltung am Autobahnzoll Kreuzlingen mit rund einem Dutzend Containern. Das Areal mit Bürocontainern, Warteräumen und Toiletten wird gemäss Baugesuch mit einem 2,8 Meter hohen Zaun umzäunt.

Der Bund will die Leute rasch auf Kantone verteilen

«Auf diese Weise ist die Sicherstellung einer geordneten Situation an der Grenze und einer durchgehenden Registrierung der Ankommenden gewährleistet», schreibt das SEM. 150 Asylsuchende pro Tag sollen in der Anlaufstelle auf Kreuzlinger Boden registriert werden können. Die Container kommen auf dem Parkplatz neben dem Gebäude, in dem die Deutschen Zollbehörden tätig sind, zu stehen.

Erst im Falle eines starken Anstiegs an Asylgesuchen nimmt der Bund die Container am Kreuzlinger Zoll in Betrieb. In diesen sollen sich die Asylsuchenden aber nur kurz aufhalten. Sobald sie registriert sind, kommen sie nach Steckborn. Dort wird in dieser Notfallplanung zur Kreuzlinger Anlaufstelle ein provisorisches Aufnahmezentrum bereitstehen, wo 300 Asylbewerber kurzerhand Platz finden (unsere Zeitung berichtete).

Solche Erstaufnahmezentren werden auch in Schaffhausen und Chiasso aufgebaut. «Ein vierter Standort wird derzeit noch evaluiert», sagt Martin Reichlin, stellvertretender Leiter Information und Kommunikation beim SEM. «Die Aufenthaltsdauer soll in der Regel 36 Stunden nicht überschreiten.» Möglichst rasch will der Bund die Asylsuchenden von diesen Anlaufstellen aus auf die Kantone verteilen.

Asylgesuche könnten deutlich ansteigen

Die Container-Anlage beim Autobahnzoll nach Konstanz ist gemäss Baugesuch nur provisorisch und auf ein Jahr beschränkt. Eine Prognose zur Entwicklung im Asylbereich sei über das Jahr 2017 hinaus nicht möglich, sagt Reichlin. Deshalb sei mit den beiden Standortgemeinden Steckborn und Kreuzlingen vereinbart worden, dass der Betrieb der Anlaufstelle «bei Bedarf» verlängert werden kann.

Allein über die Balkanroute gelangten im vergangenen Jahr knapp 900 000 Migranten nach Europa. In der Schweiz seien 39 000 Asylgesuche gestellt worden, rund 15 000 mehr als 2014. «Weil die Migrationslage sehr volatil und schwer voraussehbar ist, müssen Bund und Kantone in Betracht ziehen, dass sich die Migrationsrouten verschieben und die Schweiz mit einer deutlich grösseren Zahl von Asylgesuchen konfrontiert ist als letztes Jahr», begründet das SEM die Notfallplanung. Denkbar sei, dass die Gesuche innert weniger Tage stark ansteigen, wie dies beispielsweise Österreich im vergangenen Jahr erlebt habe. Auf ein solches Szenario bereiten sich die Schweizer Behörden mit diesem Notfallplan vor.

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