Die Alternative aus der Kleinpartei

Der Grünliberale Textilunternehmer Ueli Fisch sorgt bei den Thurgauer Regierungsratswahlen für eine echte Auswahl. In der Politik ist der ehemalige FDP-Sympathisant ein Spätberufener. Die SP empfindet seine Kandidatur als Angriff.

Thomas Wunderlin
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Ueli Fisch kleidet Mitarbeiter von Banken und Luxushotel ebenso ein wie die Mitglieder von Musikgesellschaften. (Bild: Reto Martin)

Ueli Fisch kleidet Mitarbeiter von Banken und Luxushotel ebenso ein wie die Mitglieder von Musikgesellschaften. (Bild: Reto Martin)

FRAUENFELD. Ueli Fisch möchte in den Thurgauer Regierungsrat gewählt werden, «weil wir genug Gemeindepräsidenten haben». Bereits Jakob Stark und Cornelia Komposch seien ehemalige Gemeindevorsteher, Monika Knill sei Vizegemeindeammann gewesen. Und jetzt noch FDP-Kandidat Walter Schönholzer, Gemeindepräsident von Kradolf-Schönenberg, sagt Fisch: «Das ist einfach too much.»

Die Macht der Gemeindepräsidenten hat er bei seinen Vorstössen im Grossen Rat gespürt. Ihre Lobby trug dazu bei, dass der Thurgau das Öffentlichkeitsprinzip in der Verwaltung nicht eingeführt hat und die Quellensteuer nicht zentral abrechnet. Hängig ist ein Antrag für eine Überprüfung der Gemeindelandschaft. Daraus könnten Gemeindefusionen folgen.

Spezialist für Firmenkleidung

Freundlich und zuvorkommend empfängt Fisch den Interviewer in seinem Kleinbetrieb, der in einem unauffälligen Geschäftshaus im Frauenfelder Westen untergebracht ist. Die sechs Mitarbeiter der Weder-undgut AG entwickeln Firmenbekleidung. Ihr wichtigster Kunde ist eine Bank; auch Musikgesellschaften lassen sich von ihr einkleiden. Genäht werden die Ziviluniformen in Tieflohnländern wie der Slowakei.

Schon als CEO der Greuter-Jersey AG in Sulgen hatte Fisch erfahren, dass die Schweizer Textilbranche nur in Nischen mit hoher Wertschöpfung überleben

kann. Von 1984 bis 2003 hatte er sich vom Praktikanten zum potenziellen Nachfolger des Patrons Edy Greuter hochgearbeitet. Nach einem Wechsel zu Schiesser kam er ein Jahr später in dieselbe Funktion zurück nach Sulgen, da Schiesser Greuter-Jersey übernommen hatte. 2007 sah Fisch keine andere Lösung, als die Greuter-Produktion nach Tschechien zu verlegen. Gleich nachdem er 2011 die Wederundgut AG den Gründerinnen abgekauft hatte, ging die Fluggesellschaft Hello Konkurs. Fisch geriet in eine Krise: «Ich hatte eine Halle voller Hello-Uniformen.» Inzwischen gehen die Geschäfte besser. Vom Frankenschock hat Fisch profitiert, da er im Ausland produziert. Mit einem Lächeln sagt er: «Die Kunden haben es auch gemerkt; sie haben Preisnachlässe verlangt.»

In die Politik ging er als Spätberufener: «Ich wollte weg von der Zuschauerbank.» 2012 wurde er auf Anhieb in den Grossen Rat gewählt. Früher hatte er sich der FDP zugehörig gefühlt, zu der er persönliche Verbindungen hatte: Sein Chef Edy Greuter war FDP-Kantonsrat. Doch die FDP war für Fisch zu wenig grün. «In der Textilindustrie sind ökologische Themen schon lange wichtig. Man muss Zertifizierungsstandards nachweisen. Das hat mich geprägt.» Er sei aber «nicht durch alle Böden hindurch grün». Er achte darauf, wie weit die Wirtschaft eine Regulierung ertrage.

Bisher in der Opposition

«Bisher ist er eher als Oppositionspolitiker in Erscheinung getreten», sagt Daniel Wittwer (EDU, Romanshorn) über Fisch. «Für mich stellt sich die Frage, ob er den Wechsel in die Regierung als Kollegialbehörde schaffen würde.» In vielen Geschäften sei er nicht Opposition, sagt Fisch. So trage er die Finanzpolitik grundsätzlich mit. Bei der Pensionskassensanierung sei von ihm der erfolgreiche Antrag gekommen, den Sanierungsbeitrag flexibel zu gestalten.

Bei der SP durfte sich Fisch nicht vorstellen, da sie seine Kandidatur als Angriff auf ihre Regierungsrätin auffasst. SP-Präsidentin Barbara Kern sagt über Fisch nur: «Er ist ein kompetenter bürgerlicher Politiker mit Affinität zu grünen Themen.» Fisch sieht seine Kandidatur «grundsätzlich als Alternative zur FDP».

Da sich die Regierungsparteien gegenseitig unterstützen, empfiehlt ihn keine zur Wahl. Doch ohne Fisch gäbe es nur fünf Kandidaten für fünf Sitze. Die Wähler hätten keine Auswahl – eine ideale Ausgangslage für exotische Kandidaten.

Da die Grünliberalen bei den Nationalratswahlen die fünftstärkste Partei waren, hält Fisch seine Kandidatur für legitim. Von den Kleinparteien unterstützen ihn aber nur die Grünen. Die EVP empfiehlt den FDP-Kandidaten. Die BDP hält sowohl den Kandidaten der FDP als auch jenen der GLP für wählbar.

Bild: THOMAS WUNDERLIN

Bild: THOMAS WUNDERLIN

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