Denkmalpflege reagiert auf verdichtetes Bauen

Das Thurgauer Amt für Denkmalpflege bietet den Gemeinden neu eine Bestandesaufnahme von wichtigen Gebäude-Ensembles an. Diese Informationen sollen dafür sorgen, dass es keine Bausünden gibt, wenn ein neues Haus in eine Baulücke gestellt wird.

Christof Widmer
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Gebäudegruppen oder Quartiere wie hier in Arbon (Richtung Bergli-Quartier) sollen ihren Charakter behalten. (Bild: Max Eichenberger)

Gebäudegruppen oder Quartiere wie hier in Arbon (Richtung Bergli-Quartier) sollen ihren Charakter behalten. (Bild: Max Eichenberger)

FRAUENFELD. Die Bauwirtschaft interessiert sich vermehrt für Baulücken in Städten und Dörfern. Weil die Baulandreserven knapp werden, sind Architekten und Planer gehalten, auch innerhalb der bestehenden Siedlungen zu bauen. Das hilft zwar gegen die Zersiedlung, stellt aber die Denkmalpflege vor neue Herausforderungen: Ein Neubau hat Einfluss auf seine Umgebung. Das stellt die Siedlungsplaner vor ein Problem. Die einzelnen schützenswerten Gebäude sind zwar erfasst – über die Qualität von Baugruppen oder ganzen Siedlungsteilen ist aber wenig bekannt. Diese Lücke will das Amt für Denkmalpflege mit der Bestandesaufnahme von Gebäude-Ensembles schliessen.

Das Pilotprojekt in Arbon sei erfolgreich abgeschlossen worden, sagt die kantonale Denkmalpflegerin Beatrice Sendner. Nun sollen jährlich zwei bis drei weitere Bestandesaufnahmen folgen – dies aber nur auf Wunsch der Gemeinden. Sie sollen die Informationen als Entscheidgrundlage für die Ortsplanungen und für Baugesuche nutzen.

Nicht zum Verhindern gedacht

Die Ensemble-Bestandsaufnahme sei aber gerade nicht gedacht, um Neubauten zu verhindern, betont Sendner: «Das ist kein Instrument, um zu schützen. Das ist ein Instrument, um mit der Umgebung umzugehen.» Die Informationen können zum Beispiel der Bauverwaltung helfen, feiner zu definieren, was in einer bestehenden Ortsbildschutzzone oder Dorfzone möglich ist und was nicht.

«Hier ein bisschen denken» – das bedeute die Aufnahme einer Baugruppe in die neue Datenbank, sagt Sendner. Ein Neubau soll Bezug nehmen auf die bestehenden Gebäude. Das kann Proportionen, Fluchten und Abstände von der Strasse betreffen, aber auch Materialien und Farben. «Einen quietsch-gelben Verputz mag es nicht überall leiden», sagt Sendner, «eine Holzfassade je nachdem vielleicht schon.»

Als Beispiele für in Arbon aufgenommene Ensembles nennt das Amt für Denkmalpflege das Bergli-Quartier mit Wohnhäusern aus der Epoche zwischen 1880 und 1914 sowie den Weiler Kratzern mit typischen Bauernhäusern aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Für das Bergli-Quartier etwa empfiehlt der Beschrieb, die Bauabstände und die gleichmässige Anordnung der Häuser zu erhalten. Bei der Umgestaltung von Fassaden soll die bis heute bewahrte Einheitlichkeit berücksichtigt werden. Die Dachgestalt dürfe nicht verändert werden.

Nicht nur Denkmalpfleger und Bauverwaltungen sollen diese Informationen haben, sondern auch Eigentümer und Architekten. Darum ist geplant, die Bestandsaufnahme im Internet auf dem Geodatenportal thurgis.tg.ch aufzuschalten.

25 000 Franken vom Kanton

Die neuen Informationen allein sind nicht rechtsverbindlich. Sie werden es erst, wenn sie in die Ortsplanungen einfliessen. Vor allem für Gemeinden, die ihre Planung ohnehin überarbeiten, könnten solche Daten von Interesse sein. Wie stark die Nachfrage sein wird, kann Sendner noch nicht abschätzen. Für die Bestandesaufnahmen stehen vom Kanton ab 2013 jährlich 25 000 Franken zur Verfügung. Die Gemeinden, die eine Bestandesaufnahmen wünschen, müssen die Hälfte der Kosten übernehmen.