Den Biber aus der Schusslinie nehmen

LOMMIS. Das kantonale Biberkonzept lässt weiter auf sich warten. Deshalb spannen nun WWF und Pro Natura Thurgau zusammen, damit dem Biber das positive Image nicht abhanden kommt und der Thurgau ein Eldorado für die pelzigen Nager bleibt.

Mathias Frei
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Im Thurgau wurde der Biber vom WWF 1964 wieder angesiedelt. (Bild: Daniel Hubacher)

Im Thurgau wurde der Biber vom WWF 1964 wieder angesiedelt. (Bild: Daniel Hubacher)

Und es fehlt immer noch: das Biberkonzept des Kantons. Deshalb nehmen die Thurgauer Sektionen von Hallo Biber/Pro Natura und WWF die Sache nun selber in die Hand. Die beiden Organisationen haben eine Biber-Task-Force gegründet und bieten eine Biber-Hotline an. «Wir wollen die positive Grundstimmung gegenüber dem Biber erhalten.» Das sagt Jost Rüegg, der von Seiten des WWF zusammen mit Philip Taxböck (Hallo Biber/Pro Natura) die Task Force bildet.

Es sei eine Tatsache, dass der Mensch gewisse Lebensräume mit dem Biber teilen müsse, stellt Maya Iseli, WWF-Sektionspräsidentin, fest. Dieses Zusammenleben gestalte sich zumeist problemlos. «Wo aber Probleme auftreten, da wollen wir Unterstützung anbieten.» Konflikte mit dem Biber entstehen beispielsweise aufgrund von Frassschäden im Kulturland oder Infrastrukturschäden an Uferpartien oder Schutzdämmen. Auch können Biber mit ihren Wasserbauten Überschwemmungen hervorrufen.

Biberkanton ohne Biberkonzept

Der Thurgau gilt neben dem Aargau als der Deutschschweizer Biberkanton. 1964 siedelte der WWF den Biber zwischen Bodensee und Hörnli wieder an. Mittlerweile ist die Thurgauer Population rund 400 Tiere stark. Seit Frühling 2010 liegt der Entwurf für ein kantonales Biberkonzept vor. Toni Kappeler, Präsident von Pro Natura und grüner Kantonsrat, hatte sich diesen Frühling in einer Einfachen Anfrage nach dem Inkrafttreten des Konzepts erkundigt. Ihm wurde vom Regierungsrat beschieden, dass es im Sommer soweit sei.

«Dieses Konzept liegt aber immer noch nicht vor», ärgert sich Kappeler. Mehr als drei Jahre warte man schon darauf. In dieser Zeit hätten sich Fälle von falschen oder sogar illegalen «Konfliktlösungen» gehäuft. Ein Biber lasse sich beispielsweise nicht vertreiben, indem man seinen Damm zerstöre. Ein Biberkonzept indes würde den Akteuren mehr Sicherheit geben, in heiklen Situationen das Richtige zu tun, meint Kappeler. Und es sei ja nicht so, dass die Population explosionsartig ansteige. Kappeler geht von einer Abflachung aus.

Viele einfache Massnahmen

Für Taxböck steht fest, dass es viele Massnahmen gibt, die den Biber lokal begrenzen und gleichwohl einfach zu realisieren sind: Von Elektrodrähten auf der richtigen Höhe, um Landwirtschaftskulturen zu schützen, bis zu Abflussrohren im Biberdamm, um den Wasserstand zu senken. Die Task Force mit dem Personal- und Materialeinsatz der Umweltverbände sei auch ein Angebot an den Kanton, sagt Rüegg. «Wir hoffen, dass er bei uns aufspringt», meint er versöhnlich.

Biber-Hotline: 071 622 79 66 oder 071 422 48 23

Für den Biber: Philip Taxböck, Toni Kappeler (beide Pro Natura), Maya Iseli und Jost Rüegg (beide WWF). (Bild: Nana do Carmo)

Für den Biber: Philip Taxböck, Toni Kappeler (beide Pro Natura), Maya Iseli und Jost Rüegg (beide WWF). (Bild: Nana do Carmo)