Dem Mars eine Runde näher

FRAUENFELD. One-Way-Ticket zum Roten Planeten im 2024: Der Thurgauer Steve Schild hat es unter die letzten hundert Kandidaten weltweit geschafft. Nun muss er beweisen, dass er nicht nur fit, sondern auch teamfähig ist.

Ida Sandl
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Die Katzen bleiben schön auf der Erde, sollten sie noch leben, wenn Steve Schild abhebt zur Mars-Besiedelung. Falls er die nächsten Runden schafft, könnte er in neun Jahren starten. (Bild: Reto Martin)

Die Katzen bleiben schön auf der Erde, sollten sie noch leben, wenn Steve Schild abhebt zur Mars-Besiedelung. Falls er die nächsten Runden schafft, könnte er in neun Jahren starten. (Bild: Reto Martin)

Jetzt wird es ernst: Die Badeferien sind dieses Jahr gestrichen, freie Abende werden rar sein, und in der Mittagspause wird trainiert. Gestern stand Steve Schild schon morgens um 6.30 Uhr im Fitnessstudio auf dem Laufband. Doch das alles stört ihn nicht. «Es ist ja mein Hobby», sagt er und strahlt.

Der gebürtige Balterswiler hat die dritte Runde von Mars One erreicht. Das Projekt will ab 2024 Viererteams zum Roten Planeten schicken. Die Reise dauert ein Jahr, eine Rückkehr ist nicht geplant. Die Auserkorenen sollen den Mars besiedeln. Für das gewagte Experiment des Holländers Bas Landsdorp haben sich weltweit 200 000 Menschen beworben. Nach zwei Auswahlrunden sind noch 50 Frauen und 50 Männer übrig. Der 30jährige Steve Schild ist der einzige Schweizer, der noch im Rennen ist.

Es wird noch härter

Dass er weiter ist, hat er letzten Freitag per Mail erfahren. «Freitag, der 13., ist jetzt mein Glückstag», sagt Steve Schild. Lange Zeit war er zuversichtlich, dann – kurz bevor das Mail eintraf – sei er aber «total nervös» geworden.

Steve Schild arbeitet konsequent auf sein Ziel hin: Bis zu drei Stunden Sport stehen auf seinem Tagesprogramm, er ernährt sich gesund und nimmt Englisch-Stunden. Englisch ist die Sprache der zukünftigen Marsmenschen.

Die dritte Runde dauert bis Ende 2015 und wird noch härter. Die Kandidaten müssen im Team Herausforderungen meistern. Denn die Marsmission ist nichts für Einzelkämpfer. Zum Teil werden die potenziellen Marsianer in einem Umfeld trainieren, das den Bedingungen auf dem Mars nahe kommt. «Das kann zum Beispiel die Wüste sein», sagt Steve Schild. Wo die Camps stattfinden, stehe noch nicht fest. In der Schweiz aber wohl kaum.

Er braucht einen Sponsor

Für Steve Schild bedeutet es: Reisen ist angesagt. Bezahlen muss er das alles aus eigener Tasche. Für ihn kommt damit langsam der Zeitpunkt, wo er sich nach einem Sponsor umsehen muss.

Corinna Küttel, die Verlobte, freut sich nicht nur über den Erfolg ihres Liebsten. Mit jeder Hürde, die er überwindet, wird die Mission Mars wahrscheinlicher. Aber bis 2024 kann noch viel passieren. Dass Steve Schild es sich anders überlegt und plötzlich doch auf der Erde bleiben will, ist nicht sehr wahrscheinlich. Er sei sehr zielstrebig, sagt er über sich. «Wenn ich ein Ziel habe, dann lasse ich mich nicht davon abbringen.»

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