Bauern stinkt der Schleppschlauch

FRAUENFELD. Ein Pilotprojekt machte den Thurgau zum Vorreiter eines umweltfreundlicheren Güllens. Doch soll man dafür eine noch stärkere Düngung der Böden erlauben? Ja, findet Kantonsrat und Bauer Moritz Tanner, sonst blieben die Bauern auf überschüssiger Gülle sitzen.

Silvan Meile
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Mit Schleppschläuchen wird im Vergleich zum herkömmlichen Güllen deutlich weniger Ammoniak in die Luft abgegeben. (Bild: Nana do Carmo)

Mit Schleppschläuchen wird im Vergleich zum herkömmlichen Güllen deutlich weniger Ammoniak in die Luft abgegeben. (Bild: Nana do Carmo)

«Diese Bestrafung müsste nicht sein», sagt SVP-Kantonsrat Moritz Tanner. Der Landwirt aus Winden sieht jene Thurgauer Bauern benachteiligt, die ihren Hofdünger mit Schleppschläuchen austragen und damit eine gegenüber dem konventionellen Güllen umweltfreundlichere und weniger stinkende Variante wählen. Denn im Vergleich zum herkömmlichen Güllen dürfen sie zehn Prozent weniger Hofdünger austragen. Sie blieben deshalb auf überschüssiger Gülle sitzen und müssten sogar noch dafür bezahlen, dass jemand diese abnimmt, sagt Tanner. Deshalb richtet er bereits zum zweitenmal eine Anfrage an die Kantonsregierung.

Umweltfreundlichere Variante

In seiner Interpellation «Fragwürdige Weisung bezüglich Schleppschlaucheinsatz» will Tanner vom Regierungsrat wissen, ob dieser gewillt sei, beim Bundesamt für Landwirtschaft wegen der negativen Entwicklung bezüglich Schleppschlauchförderung vorstellig zu werden. Grund für Tanners Unmut sind die verschärften Vorschriften. Im einstigen Pilotkanton Thurgau wurde der Ausstoss von Ammoniak in der Landwirtschaft durch die Förderung von Schleppschläuchen verringert. Statt in die Luft zu spritzen, wird dabei die Gülle durch Schläuche direkt in den Boden ausgetragen. Das ist effizienter und damit umweltfreundlicher. Ausserdem stinkt das Güllen dadurch deutlich weniger.

Geänderte Spielregeln

Doch das Thurgauer Pilotprojekt ging nach sechs Jahren in ein schliesslich für alle Kantone geltendes Bundesprojekt über. Dadurch änderten die Bedingungen für die Thurgauer Bauern. Die Fördergelder sanken, wie auch die erlaubte Menge auszutragender Gülle. Denn weil beim Düngen mit Schleppschlauch deutlich weniger Stickstoff in die Luft abgeht und es dadurch den Boden stärker düngt, senkte der Bund die zulässige Menge auszutragender Gülle im Vergleich zum herkömmlichen Düngen um rund zehn Prozent.

Während für Kantonsrat Moritz Tanner die Reduktion der Fördergelder von 45 auf 30 Franken pro Hektare «einigermassen verständlich ist», ist für ihn die Mengenreduktion «völlig unlogisch» und inakzeptabel. Nicht nur Tanner stört sich offensichtlich an den geänderten Bedingungen. Ein Drittel der Bauern, die noch 2013 am Pilotprojekt teilnahmen, würden heute wieder mit der umweltschädlichen und geruchsintensiven Variante ihre Gülle ausbringen, schreibt der Kantonsrat.

Christoph Högger vom Landwirtschaftsamt Thurgau bestätigt diesen Einbruch an Landwirten, die Gülle mit Schleppschläuchen austragen oder von Lohnunternehmern austragen lassen. Auf rund einem Viertel der Fläche werde im Thurgau derzeit mit der umweltfreundlichen Variante gegüllt, während es im Jahr 2013 noch knapp die Hälfte war. Nach dem Abschluss des Pilotprojekts seien die Zahlen zwar deutlich zurückgegangen, für das laufende Jahr sei aber bereits wieder eine Zunahme an Teilnehmern des Schleppschlauch-Programms auszumachen, sagt Högger.

Tanner will in seiner Interpellation vom Regierungsrat wissen, ob dieser gewillt sei, beim Bundesamt für Landwirtschaft vorstellig zu werden, um nach Lösungen zu suchen. Will man mehr Ammoniak in der Luft oder erlaubt man eine noch stärkere Düngung des Bodens, lautet letztlich die Frage in seiner Überlegung. Doch bereits in der Beantwortung einer früheren Anfrage Tanners schätzte es die Regierung aufgrund der Sach- und Rechtslage als aussichtslos ein, die Regeln für die ganze Schweiz ändern zu können.