Auf der Suche nach dem Glück

Die Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon (ART) gilt als nationales Kompetenzzentrum für Emotionenforschung bei Nutztieren. Wie man Schafen Wohlbefinden anmerkt, erforscht die Biologin Sabine Vögeli.

Mathias Frei
Drucken
Teilen
In guter Stimmung: Biologin Sabine Vögeli und Schaf Esmeralda mit positivem Stimulus an der Brust. (Bild: Reto Martin)

In guter Stimmung: Biologin Sabine Vögeli und Schaf Esmeralda mit positivem Stimulus an der Brust. (Bild: Reto Martin)

TÄNIKON. Sie würden wohl glücklich zurückstrahlen, wenn sie «ihre» Biologin Sabine Vögeli lächeln sehen. Die 15 Milchschafe, welche seit rund einem Jahr in positiver Grundstimmung verweilen dürfen.

Schafe jedoch sind aufgrund ihrer Verhaltensweisen schlecht affektiv, also auf ihre Gemütserregungen hin entschlüsselbar. Sie erröten nicht, wenn sie sich schämen, und lachen nicht, wenn sie sich freuen. Sie stehen einfach da und käuen. Genau deshalb eignen sie sich vorzüglich, wenn es darum geht, herausfinden zu wollen, welche Indikatoren es für ihr Wohlbefinden gibt.

Projekt beim Nationalfonds

Das Doktoratsforschungsprojekt «Interplay of mood and stimulus valence on emotional cortical activation» der Biologin aus Uster trägt beim Schweizerischen Nationalfonds die Nummer 132 435. Weitere Projektpartner der auf drei Jahre ausgelegten Studie sind das in Tänikon beheimatete Zentrum für tiergerechte Haltung (Wiederkäuer und Schweine) des Bundesamtes für Veterinärwesen und die Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART selber.

«Was wir hier machen, ist grossteils Grundlagenforschung», erklärt die Doktorandin im Bereich «Animal welfare». Das heisst: Auf dieser Ebene spielt der direkte wirtschaftliche Nutzen noch eine untergeordnete Rolle. «Wir wollen alle, dass es den Tieren gutgeht, sehen ihnen aber nicht an, ob sie glücklich sind.» Schön wäre es, durch die Lokalisierung der Neuroaktivitäten herauszufinden, wie glücklich ein Schaf sei, sagt Sabine Vögeli. Vorerst geht es aber um die mittels Nah-Infrarot gemessene Veränderung der Hämoglobinkonzentration im Kopf des Tieres und um die Stellung der Ohren, welche aufgezeichnet wird. Dies geschieht, während die Schafe in einer Einzelbox einen positiven (Kraulen), neutralen (leichter Druck) und negativen (Klemmen) Stimulus erhalten.

In der Folge von Vögelis Forschung werden ihre Erkenntnisse gleichwohl wirtschaftlich relevant werden, wenn es um glücklichen Ziegenkäse oder zufriedenes Lammfleisch geht. Oder um die Ausschüttung von Stresshormonen, die das Rindfleisch zäh machen, wie aus einer früheren Täniker Studie resultierte.

Um aussagekräftige Resultate zu erhalten, hat die Biologin die insgesamt 30 knapp anderthalbjährigen Schafe in zwei Gruppen geteilt. In einem grossen, halboffenen Stallbau herrscht positive Grundstimmung.

Die einen Schafe im Stress

Diese Tiere haben Zugang zu Wasser, werden regelmässig gefüttert, kommen täglich auf die Weide. Nebenan in einem 2,4mal kleineren geschlossenen Stall mit unregelmässigen Futter- sowie Hell-/Dunkel-Zeiten leben die anderen 14 Schafe. Eines ist während des Versuchs aufgrund eines schwerwiegenden Knochenbruchs verstorben, was aber in keinem Zusammenhang mit der Anordnung stand.

«Die negativ gestimmten Schafe tun mir schon ein wenig leid», sagt Sabine Vögeli. Umso mehr, weil ihr Lieblingsschaf – Wally – durch Zufall im kleinen Stall gelandet ist, der aber immer noch grösser ist, als es die Tierhaltevorschriften verlangen. Zudem wurde der Versuch von einer Ethikkommission abgesegnet.

Mehr Gelassenheit im Stall

Aufgrund einer Vorgängerstudie geht die Biologin davon aus, dass die positiven Schafe weniger stark auf die Stimuli reagieren, gelassener geworden sind. So oder so: Wenn Vögelis Projekt in anderthalb Jahren fertig sein wird, sollen alle Schafe einen glücklichen Lebensabend bei einem privaten Züchter frönen.

Aktuelle Nachrichten