HAUPTWIL: Wachteleier-Skandal: Thurgauer Produzent angezeigt

Die falsch deklarierten Wachteleier aus dem Thurgau haben umfangreiche Untersuchungen ausgelöst: Das Kantonale Laboratorium und die Staatsanwaltschaft durchleuchten derzeit den Betrieb. Abnehmer haben einen Lieferstop verhängt.

Inge Staub
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Martin und Susanne Rusch mit ihren Wachteln im März 2015. (Bild: Reto Martin)

Martin und Susanne Rusch mit ihren Wachteln im März 2015. (Bild: Reto Martin)

HAUPTWIL. Der Eierproduzent Martin Rusch wird sich wahrscheinlich vor Gericht verantworten müssen. Generalstaatsanwalt Hans-Ruedi Graf bestätigt, dass Anzeige gegen den Hauptwiler erstattet worden ist.

Vor zwei Wochen hatte der Kassensturz berichtet, dass der grösste Schweizer Wachteleier-Produzent seine Kunden getäuscht habe. Er hat Importeier aus Spanien als Bodenhaltungs-Eier von seinem eigenen Betrieb im Thurgau gekennzeichnet. Betroffen sind Kunden von Migros, Coop und anderer Läden. Gegenüber unserer Zeitung gibt Martin Rusch zu, dass er Wachteleier zugekauft hat. Die Nachfrage sei gestiegen, so dass er mit der Produktion nicht mehr nachgekommen sei. «Das war ein Fehler, und dafür entschuldige ich mich», sagt Rusch.

Ausmass noch unklar

Derzeit durchleuchten Strafverfolgungs- und Kontrollbehörden Ruschs Betrieb in Hauptwil. Das Ausmass des Falls kann, solange die Ermittlungen laufen, noch nicht abgeschätzt werden. Generalstaatsanwalt Graf betont: «Bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens gilt die Unschuldsvermutung.» Wegen folgender Vergehen könnte Rusch belangt werden: Betrug, Urkundenfälschung, Verstoss gegen das Lebensmittelgesetz.

Auch der Kanton ermittelt

Nebst der Staatsanwaltschaft befasst sich das Kantonale Laboratorium, das für die Lebensmittelkontrolle zuständig ist, mit dem Wachteleier-Skandal. «Wir überprüfen die Vorwürfe», sagt Kantonschemiker Christoph Spinner. Seine Mitarbeiter werden in den nächsten Wochen Unterlagen des Hauptwiler Betriebes sichten. «Sollten sich die Vorwürfe erhärten, werden wir Anzeige erstatten», kündigt Spinner an.

Martin Rusch betont, dass er seinen Fehler bereue, er sei bereit, mit den Behörden zu kooperieren. «Ich habe gegenüber den Behörden meine Buchhaltung offengelegt.» Er habe aus einer Not heraus gehandelt, er habe sich nicht bereichern wollen.

Nicht nur die juristischen Folgen seines Handelns bereiten Martin Rusch derzeit Bauchweh. Seine Existenz steht auf dem Spiel. Seine Abnehmer haben ihre Bestellungen storniert und einen Lieferstop verhängt. Rusch bleibt täglich auf Tausenden Wachteleiern sitzen. Diese entsorgt er oder verschenkt sie an soziale Einrichtungen. Derzeit verhandelt der Eierproduzent mit seinen Abnehmern. «Ich habe angeboten, eine externe Firma mit der Warenausgangskontrolle zu beauftragen.»

8000 Wachteln legen Eier

Rusch hofft sehr, dass seine Kunden zurückkehren und er seinen Betrieb weiterführen kann. Denn er sorgt sich nicht nur um seine eigene Existenz, sondern auch um jene seiner sechs Mitarbeiter. «Im Moment hängen wir in der Luft. Alles hängt von den Entscheidungen unserer Abnehmer ab», sagt Rusch. Der Eierhof gehört zu den grösseren Eier-Produzenten im Thurgau. Er hält 8000 Wachteln und 12 000 Hühner.

Und dabei hatte alles so gut angefangen: Rusch entwickelte ein eigenes System, das die Wachteln in ihrem natürlichen Legeverhalten unterstützt.