BILDUNGSPOLITIK: Mehr Rückhalt für Frühfranzösisch

Bei den Thurgauer Lehrern herrscht grössere Einigkeit. Die Massnahmen von Erziehungsdirektorin Monika Knill finden Anklang. Ein grosses Fragezeichen bleibt: das Geld.

Sabrina Bächi
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Das Frühfranzösisch bleibt heiss diskutiertes Thema. (Bild: Mareycke Frehner (25. August 2014))

Das Frühfranzösisch bleibt heiss diskutiertes Thema. (Bild: Mareycke Frehner (25. August 2014))

Sabrina Bächi

sabrina.baechi@thurgauerzeitung.ch

Das Frühfranzösisch hält den Thurgau weiter in Atem. Nur eine Woche vor der zweiten Lesung im Grossen Rat zeigt sich Regierungsrätin Monika Knill kämpferisch – und die Lehrer wortkarg. Auf kontroverse Diskussionen zum Frühfranzösisch wartet man an der Delegiertenversammlung von Bildung Thurgau aber vergebens. «Das Geschäft wurde vorab gut diskutiert», sagt Anne Varenne, Präsidentin des Verbandes. Eine aktuelle Lehrerumfrage zeigt zudem: Die Meinungen gehen nicht mehr so weit auseinander wie noch im letzten Jahr.

Das freut Monika Knill, Chefin des Departementes für Erziehung und Kultur. «Das Thema ist schwierig, weil sich hier politische Entscheide mit pädagogischen Fragen vermischen», sagt Knill. Sie verweist auf die Massnahmen, die eingeleitet werden sollen, um den Französischunterricht auf der Primarstufe wieder attraktiver zu machen. Dabei geht es vor allem um vier Punkte: Die mögliche Dispensation von schwachen oder überforderten Schülern und den Halbklassenunterricht; zudem soll nun das lang ersehnte neue Lehrmittel eingeführt werden und der Französischunterricht wäre künftig nicht mehr promotionsrelevant. Knill hofft mit diesen Massnahmen auf ein Umlenken des Rates. «Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben», sagt sie, «denn ich will keine Gesetzesverankerung, dass erst ab der Sekundarstufe Französisch unterrichtet wird.»

Dabei stärken der Regierungsrätin nun auch die Lehrer den Rücken. Laut der aktuellsten Umfrage können sich zwei Drittel der Lehrerschaft eine Weiterführung des Frühfranzösisch mit den konkretisierten Massnahmen vorstellen. «1137 Lehrpersonen haben an der Umfrage teilgenommen», sagt Anne Varenne. Mit diesem Rücklauf ist der Verband zufrieden. «Wir haben die Umfrage nur digital verschickt und erst noch in den Ferien.» Es sei die dritthöchste Beteiligung seit der Einführung der Umfragen vor zweieinhalb Jahren. Neben einem Meinungstrend zeigen die Auswertungen auch, dass für die Lehrpersonen ein grosses Fragezeichen bleibt: das Geld. «Vor allem die Finanzierung des Halbklassenunterrichts liegt vielen auf dem Magen.»

Schulgemeindeverband fordert weitere Massnahmen

Stellungnahme Der Verband Thurgauer Schulgemeinden äussert sich ebenfalls zur Debatte rund ums Frühfranzösisch. Dabei will er jedoch keine konkrete Stellung nehmen – weder für noch gegen das Frühfranzösisch. «Wesentlich erscheint es dem Vorstand, dass den Thurgauer Schulen gute Bedingungen in den Klassenzimmern für das Erteilen des Fremdsprachenunterrichts zugestanden werden», schreibt der Verband in einer Mitteilung. Wie auch immer die Entscheidung ausfällt, es sei wichtig, dass Regierung und Parlament für eine Verbesserung die notwendigen Mittel sprechen. Die derzeit vorliegenden Massnahmen genügten dafür nicht. Sie würden im Gegenteil noch mehr Probleme schaffen. Eine nachhaltige Lösung würde zusätzliche Lektionen für den Französischunterricht erfordern. (sba)