PÄDAGOGISCHE HOCHSCHULE THURGAU: Grosser Rat winkt Neubau durch

Die Pädagogische Hochschule Thurgau (PHTG) platzt aus allen Nähten und soll einen Neubau auf dem Campus in Kreuzlingen erhalten. Der Kredit von knapp 27 Millionen Franken wurde am Mittwoch im Grossen Rat klar genehmigt. Das letzte Wort haben die Stimmberechtigten.

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Der Platzmangel hat die Pädagogische Hochschule Thurgau in Kreuzlingen gezwungen, neben dem Hauptgebäude ein Provisorium zu erstellen. (Bild: Reto Martin)

Der Platzmangel hat die Pädagogische Hochschule Thurgau in Kreuzlingen gezwungen, neben dem Hauptgebäude ein Provisorium zu erstellen. (Bild: Reto Martin)

Rund 800 angehende Lehrpersonen studieren derzeit an der PHTG. Das aus dem Jahr 2008 stammende Schulgebäude ist aber nur auf 350 Studierende ausgelegt. Die PHTG mietet daher zusätzliche Räume und hat im Sommer 2015 ein Provisorium auf dem Sportplatz erstellt. Das Provisorium ist bis 2020 befristet, die anderen Mietverträge laufen aus, oder die Räume entsprechen nicht den Anforderungen eines zeitgemässen Hochschulbetriebs.

Durch die stark gestiegene Zahl der Studentinnen und Studenten herrschten teilweise prekäre Platzverhältnisse, sagte ein Vertreter der Grünen Partei. Beim Projekt handle es sich deshalb nicht um einen Erweiterungsbau, sondern um das Erstellen einer zeitgemässen Infrastruktur. Die PHTG sei ein Erfolgsmodell und solle dies dank der Verbesserung der Infrastruktur bleiben, sagte eine Vertreterin der FDP.

Eröffnung in drei Jahren

Das Projekt des Architekturbüros Beat Consoni SG, das als Sieger aus einem Wettbewerb hervor ging, soll ab 2018 auf dem Campus der PH realisiert werden. Die Eröffnung des Erweiterungsbaus ist Mitte 2020 geplant. Bauherr ist der Kanton. Die PHTG als selbständige Anstalt wird die Räume mieten.

Die PHTG bietet fünf Studiengänge an und bildet Lehrpersonen für Kindergärten, Primarschulen, Sekundarschulen und Gymnasien aus. Seit 2014 sei das Angebot komplett, deshalb rechne das Bildungsdepartement nicht mit weiter wachsenden Schülerzahlen.

Dank dem Erweiterungsbau soll die Ausbildung auf Sekundarschulstufe umfassend bleiben, das heisst auch Gestaltungsfächer wie technisches und textiles Gestalten und Hauswirtschaft enthalten. «Bieten wir diese Fächer nicht an, müssen die Studentinnen und Studenten an andere Hochschulen ausweichen», sagte Erziehungsdirektorin Monika Knill. Ziel des Kantons sei, seinen Bedarf an Lehrpersonen für die Volksschule weitgehend aus der eigenen Pädagogischen Hochschule zu decken.

Der Grosse Rat stimmte dem Objektkredit am Mittwoch nach eingehender Diskussion mit 95 zu 12 Stimmen zu. Das Parlament folgte der Vorberatenden Kommission und empfiehlt dem Regierungsrat, den Erweiterungsbau, der ans Fernwärmenetz angeschlossen wird, im Minergie A-Standard zu realisieren. Im Projekt ist ein Minergie P vorgesehen. Dieser erfordert eine stärkere Wärmedämmung und kostet deshalb mehr.

"Teurer Betontempel"

Andrea Vonlanthen vertrat als Kritiker eine Minderheit der SVP-Fraktion. Laut dem SVP-Vertreter erreicht die PH heute das Ziel nicht, Lehrpersonen für den Bedarf des Kantons auszubilden. Von 800 Absolventinnen und Absolventen der PHTG seien fünf Jahre nach der Diplomierung nur noch 48 Prozent der PH-Abgänger im Schuldienst tätig. Viele gäben den Beruf zudem später auf oder wanderten in andere Kantone ab.

Der geplante Betonbau verbrauche viel zu viel Land und sei mit einem Kubikmeterpreis von 857 Franken ein Drittel teurer als vergleichbare Bauten, sagte ein Vertreter der EDU, die den Kredit als einzige Fraktion ablehnte. Zudem fehlten Parkplätze. Die hohen Kosten, die teilweise auf den schwierigen Baugrund zurückzuführen sind, dürften laut den Kritikern bei der Volksabstimmung zum Knackpunkt werden. Die Abstimmung über den 27-Millionen-Kredit findet voraussichtlich im November statt. (sda)