Zurück in der Kantonspolitik

FRAUENFELD. Der ehemalige Präsident der SP Thurgau Markus Schär engagiert sich wieder aktiv in kantonalen Auseinandersetzungen. Sein alter Gegner Robert Fürer hat den «Weltwoche»-Journalisten aus der Reserve gelockt.

Thomas Wunderlin
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Markus Schär erzählt gut gelaunt von seinem Seitenwechsel von der SP zur SVP-nahen «Weltwoche». (Bild: Reto Martin)

Markus Schär erzählt gut gelaunt von seinem Seitenwechsel von der SP zur SVP-nahen «Weltwoche». (Bild: Reto Martin)

Markus Schär hat am 15. April vom Bundesgericht recht erhalten. Auf Antrag des Weinfelder Journalisten und einiger Mitstreiter verpflichtete es den Thurgauer Grossen Rat, das Volk über die Sanierung des Kunstmuseums entscheiden zu lassen. Schär stoppte damit das regierungsrätliche Projekt der Kunsthauserweiterung. 15 Jahre nach seinem Rücktritt aus dem Grossen Rat mischt er wieder in der kantonalen Politik mit.

Schon 1998 hatte er mit Mitstreitern einen Grossratsbeschluss vor dem Bundesgericht angefochten. Als Präsident der SP Thurgau wehrte er sich gegen die Bevorzugung der Hauseigentümer gegenüber den Mietern. Nach der Niederlage kaufte er sich selber ein Haus. Heute arbeitet der Ex-Genosse als Bundeshausredaktor der SVP-nahen «Weltwoche». Der Seitenwechsel folgt aus seiner Sicht einer steten Suche nach der besten Lösung, erklärt er beim Interview in einem Frauenfelder Café. Mit leiser, gelegentlich stockender Stimme erzählt er gutgelaunt von seinem früheren und jetzigen Leben. Er betont, dass er «abgesehen von ein paar Sachen, die mich im Thurgau immer noch aufregen», mit seinem Leben völlig zufrieden sei.

In den Siebzigerjahren, als Schär der Sektion Weinfelden beitrat, sei man als kritischer Geist nur in der SP willkommen gewesen. Als SP-Kantonalsekretär wurde Schär 1984 erstmals in den Grossen Rat gewählt. Sieben Monate später trat er bereits zurück, da er in die Ringier-Journalistenschule aufgenommen worden war. 1992 liess er sich wieder in den Grossen Rat wählen: «Mein erstes Comeback.»

Lied gegen Sonntagseinkauf

Zu den Forderungen gehörte eine gescheiterte Motion für Massnahmen gegen die Wirtschaftskrise. Mit seinem heutigen ökonomischen Wissen würde er seinen damaligen Gegnern, den Freisinnigen, zustimmen. Als eher peinlich empfindet er rückblickend seinen Einsatz gegen Ladenöffnungen an Sonntagen 1998. Schär dichtete dazu ein Lied, das an einer Demo gesungen wurde. Nicht mehr wohl fühlte er sich in der SP nach dem Ersatz Peter Bodenmanns als SP-Schweiz-Präsident durch die gentechnologiekritische Ursula Koch. Mühe hatte er auch mit den welschen Gewerkschaftern, denen es nur um Besitzstandwahrung gegangen sei. Im November 1999 nominierte ein laut Schär «illegitimes Grüppchen» eine neue SP-Ständeratskandidatin für den zweiten Wahlgang. SP-Nationalrat Jost Gross hatte im ersten Wahlgang miserabel abgeschnitten. Der Kantonalvorstand beschloss, im zweiten Wahlgang nicht mehr anzutreten. Von der neuen Kandidatur erfuhr Schär aus der Zeitung. Er legte den Parteivorsitz, den er seit 1996 innehatte, unter Protest nieder. Im Jahr darauf verliess er die Partei.

Nach dem Interview präzisiert Schär seine heutige politische Position per Mail: «Wenn es nicht gerade um das Kunstmuseum geht, steht mir Roland Eberle politisch am nächsten.» Anders als der Thurgauer SVP-Ständerat kritisiert Schär die eidgenössische Agrarpolitik grundsätzlich. So empfahl er kürzlich in der «Weltwoche» den Bauern: «Sie sollten sich ohne Staatskrücken wirklich einmal als Unternehmer versuchen.» Der Artikel brachte Schär die erste Todesdrohung seiner journalistischen Karriere ein.

Turmhof und Kunstmuseum

In der Thurgauer Öffentlichkeit meldete er sich 2002 mit seinem Kantonsführer «O Thurgau» zurück. Darin beschrieb er den Frauenfelder Anwalt Robert Fürer als «Spinne am Netz» der Macht. Zehn Jahre später war Fürer der Anlass, dass sich Schär wieder journalistisch im Thurgau einmischte. In einem Rückblick auf den Kampf der Gönnerin des Steckborner Turmhofs gegen ihre Entmündiger bezeichnete er Fürer als ««landesweit kaum bekannten mächtigsten Mann des Kantons». Fürer sei auch der Kopf hinter der Kunsthauserweiterung, die unter Umgehung eines Architektur-Wettbewerbs aufgegleist wurde, sagt Schär. «Ich überlasse es ihm, wie er mich sieht», sagt Fürer dazu auf Anfrage.

Mit einem «Weltwoche»-Artikel trug Schär dazu bei, dass der Regierungsrat das Kunstmuseum-Projekt Ende 2012 sistierte. Der 2014 erfolgte Rettungsversuch scheiterte nun vor Bundesgericht. Schär selber spielt seine Rolle bei den Bundesgerichtsbeschwerden 1998 und 2015 herunter. Beim ersten Mal hätten die Gerichtspräsidenten in der Fraktion die Feder geführt. Ebenso sei die Kunstmuseum-Beschwerde das Werk eines befreundeten Weinfelder Anwalts. Er habe nur den Kopf hingehalten; es habe einen Kulturschaffenden gebraucht, um sich gegen die Verwendung der Lotteriefondsgelder für den Museumsbau wehren zu können.