FASTENZEIT: Verzicht ist der neue Luxus

Mehr zu besitzen bedeutet in einer übersättigten Gesellschaft nicht mehr Glück: Die Trendforscherin Martina Kühne vom Gottlieb-Duttweiler-Institut über den Konsum der Zukunft. Heute ist Aschermittwoch, der Beginn der Fastenzeit.

Ida Sandl
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Stillleben mit Smartphone: Worauf wir bis Ostern vielleicht verzichten können. (Bild: Reto Martin)

Stillleben mit Smartphone: Worauf wir bis Ostern vielleicht verzichten können. (Bild: Reto Martin)

Die Konsumgesellschaft ist übersättigt. Materielle Güter sind jederzeit verfügbar. Und wer genug Geld hat, der muss irgendwann erkennen, dass ihn der dritte Porsche und die zehnte Louis-Vuitton-Tasche auch nicht glücklicher machen.

«Die Luxusmüdigkeit hat eingesetzt», sagt Martina Kühne, Trendforscherin beim Gottlieb-Duttweiler-Institut. Sie hat eine Luxusstudie erstellt. Die Erkenntnis daraus: Mehr zu besitzen, bringt ab einem gewissen Punkt nicht mehr Erfüllung. Gerade in den alternden Industriegesellschaften wird die Frage nach dem Sinn des Daseins wichtiger.

Zurück zum Einfachen

Der Konsum der Zukunft wird eine Art «demonstrativer Verzicht» sein, sagt Martina Kühne. Zurück zum Einfachen. Die Kräuter aus dem eigenen Garten, eine reife Tomate gelten mehr als die exotische Frucht, die Tausende von Meilen weit eingeflogen wird.

Der neue Luxus ist die Fähigkeit, dieses Einfache zu geniessen. Der Genuss wird zelebriert. Dabei zeigt sich durchaus eine gewisse Kennerschaft. Wer zum Beispiel wisse, wo die besten Pilze im Wald wachsen, ernte dafür Anerkennung.

Statussymbole wie die Rolex am Handgelenk haben ausgedient, nach dem Motto «Ich kann es mir leisten, darauf zu verzichten.» Oder, wie es in der Studie heisst: «Man zeigt, dass man nicht zeigen muss.» Die Konsequenz daraus ist das Verschwinden der Logos. Neu würden Skills zählen.

Zeit und Stille

Der grösste Luxus der Zukunft werde Zeit sein, über die man frei verfügen könne, erklärt Martina Kühne. Im Sinne einer «Auszeit», frei von Smartphones und Verpflichtungen. Auch die Stille, die in der heutigen Zeit rar und damit wertvoll ist, zähle zum Luxus.

Insofern passt die Fastenzeit gut zum Thema des zukünftigen Luxus. Denn es ist eine Zeit, in der man bewusst in sich kehrt und sich darauf besinnt, was möchte ich für mich, was gönne ich mir. Martina Kühne sagt: « In diesem Sinne könnte Verzicht nicht als Entbehrung, sondern als Luxus gesehen werden.»

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