LEHRER: PHTG stellt hohe Berufstreue fest

Mit einer Studie zu den Karrieren der eigenen Absolventen will die Pädagogische Hochschule Thurgau das Bild aktualisieren, das die Öffentlichkeit von Lehrern hat. Die Forscher haben Überraschendes festgestellt.

Larissa Flammer
Merken
Drucken
Teilen
Die Forscher Florian Schulz und Achim Brosziewski, Kommunikationschefin Monique Stäger und Rektorin Priska Sieber. (Bild: Reto Martin)

Die Forscher Florian Schulz und Achim Brosziewski, Kommunikationschefin Monique Stäger und Rektorin Priska Sieber. (Bild: Reto Martin)

Larissa Flammer

larissa.flammer@thurgauerzeitung.ch

Zehn Jahre sind vergangen, seit die ersten Absolventen der Pädagogischen Hochschule Thurgau (PHTG) ihr Bachelordiplom erhalten haben. Für den aktuellen Jahresbericht der Hochschule ist ein Forscherteam auf Spurensuche gegangen und hat den Werdegang der Kindergärtner und Primarlehrer untersucht. «Sie waren die ersten an einer Thurgauer Hochschule ausgebildeten Lehrpersonen. Uns war es wichtig herauszufinden, was unsere Berufsausbildung bringt», sagt Rektorin Priska Sieber.

Von gut 50 der 109 Absolventen hat das Team Kontaktdaten herausgefunden. 31 Personen haben einen detaillierten Fragebogen ausgefüllt, sechs haben sich zusätzlich für ein vertiefendes Gespräch bereiterklärt. «Wir wollten nicht nur eine Statistik erstellen, sondern auch die Biografien betrachten», sagt Florian Schulz vom Forscherteam. Das Ergebnis: Die durchschnittliche Lehrperson, die 2006 ihren Abschluss an der PHTG gemacht hat, ist Primarlehrerin, verheiratet und Mutter eines Kindes. Seit ihrem Berufseinstieg hat sie zweimal die Stelle gewechselt. In ihrem zehnten Berufsjahr ist sie mit einem Pensum von 85 Prozent beschäftigt.

Mobile Karrieren, aber hohe Berufstreue

«Sehr positiv überrascht» ist Priska Sieber von der hohen Berufstreue, die das Forscherteam festgestellt hat. «Nur wenige unserer Absolventen sind aus dem Beruf ausgestiegen», sagt Schulz. Laut seinem Kollegen Achim Brosziewski ist in der Öffentlichkeit lange das «Horrorbild» kursiert, laut dem viele Lehrpersonen den Beruf aufgeben. Das habe unter anderem dazu geführt, dass Stresstests für Lehrer gefordert wurden. Dabei seien diese Aussagen haltlos: «Schuld waren falsch gelesene Statistiken.»

Brosziewski erklärt, dass bisher Lehrer, welche den Kanton, die Zielstufe oder einfach die Schule gewechselt haben, als Berufsaussteiger gewertet wurden. «Kaum jemand verfolgte den Karriereverlauf über längere Zeit, es wurde vor allem die Anzahl Kündigungen an jeder Schule erfasst.» Lehrer hätten zwar mobile Karrieren, aber eine hohe Berufstreue. Die Forscher haben zusätzlich zur eigenen Befragung auch Daten des Bundesamts für Statistik beigezogen. «So können wir sagen, dass die Zahlen zur Berufstreue repräsentativ sind», sagt Schulz.

Lehrer sind ­weiterbildungsfreudig

«Wir wollen das Bild, das die Öffentlichkeit von Lehrpersonen hat, aktualisieren», sagt Sieber. Lehrer seien heute nicht mehr seminaristisch ausgebildet, sondern hätten einen Hochschulabschluss. «Sie besitzen ausserdem einen riesige Flexibilität innerhalb des Lehrberufs und sind weiterbildungsfreudig.»

Die Recherche hat auch Dinge ergeben, die für die Verantwortlichen weniger überraschend waren. «Unsere Absolvierenden haben alle den Berufseinstieg geschafft, sie waren also ausreichend vorbereitet», sagt Sieber. Vor allem sei auch der obligatorische Weiterbildungsblock an der PH nach zwei Berufsjahren geschätzt worden. «Dort können die Lehrpersonen die Fragen stellen, die erst nach dem Berufseinstieg auftauchen.» Im Nachhinein hätten die Absolventen auch den Theorieteil des Studiums zu schätzen gewusst. Die Rektorin sagt: «Die Studierenden beschweren sich jeweils über die Theorie. Es war schön, von den Lehrpersonen zu hören, dass sie deren Nutzen erkannt haben.»