Hypnobirthing: So entspannt gebären wie Herzogin Kate

ERMATINGEN. Jeder hat sie gesehen: Herzogin Kate, strahlend schön, kaum dass die kleine Charlotte das Licht der Welt erblickt hatte. Seitdem reden alle von Hypnobirthing, denn nach dieser Methode soll Kate geboren haben.

Ida Sandl
Merken
Drucken
Teilen
So schön, so strahlend, so entspannt: Herzogin Kate nach der Geburt ihrer Tochter. Neben ihr der glückliche Vater, Prinz William. (Bild: ky/Kirsty Wigglesworth)

So schön, so strahlend, so entspannt: Herzogin Kate nach der Geburt ihrer Tochter. Neben ihr der glückliche Vater, Prinz William. (Bild: ky/Kirsty Wigglesworth)

ERMATINGEN. Jeder hat sie gesehen: Herzogin Kate, strahlend schön, kaum dass die kleine Charlotte das Licht der Welt erblickt hatte. Seitdem reden alle von Hypnobirthing, denn nach dieser Methode soll Kate geboren haben.

Marianne Schuppli aus Ermatingen arbeitet als freischaffende Hebamme. Sie ist Beleghebamme am Kantonsspital Frauenfeld. 28 Frauen haben dieses Jahr mit ihrer Hilfe ein Kind zur Welt gebracht, davon etwa die Hälfte mit der Hypnobirthing-Methode. «Diese Frauen sind sehr viel entspannter und ruhiger», sagt Marianne Schuppli.

Weniger Angst und Schmerz

Der grösste Vorteil der Methode: weniger Schmerzen, also auch weniger Schmerzmittel. Klingt gut, aber wie soll das gehen? «Hypnobirthing ist eine Art Tiefenentspannung», erklärt Marianne Schuppli. Die angehenden Mütter und Väter lernen in einem Kurs, Teile ihres Körpers so zu entspannen, dass sie fast unempfindlich gegen Schmerz werden. Zum Teil werden dabei Techniken angewendet, die auch in der Hypnose vorkommen. Denn der Geist regiert den Körper. Marianne Schuppli sagt: «Angst führt zu Verspannung und Verspannung führt zu Schmerz.»

Frauen, die Hypnobirthing gelernt haben, seien anders eingestellt. «Sie haben keine Angst mehr, sondern freuen sich auf die Geburt», sagt Marianne Schuppli. Die Tiefenentspannung setze Endorphine frei, auch bekannt als Glückshormone.

Marianne Schuppli arbeitet seit zwei Jahrzehnten als Hebamme. Von Hypnobirthing erfuhr sie vor vier Jahren. Da betreute sie eine Frau, die sich mit der Tiefenentspannung auf die Geburt vorbereitet hatte. Zuerst sei sie eher skeptisch gewesen, aber dann «baff erstaunt», wie gut das lief. Die Hebamme war so beeindruckt, dass sie begann, sich mit der neuen Methode zu beschäftigen. Seit 2012 gibt sie selber Kurse in Hypnobirthing.

Trotz Komplikationen

Auch Corinne Hänseler aus Rothenhausen hat vor der Geburt von Tochter Ellie den Hypnobirthing-Kurs besucht. Sie hatte viele Horrorgeschichten über Geburten gehört. So will ich das nicht, sagte sie sich. Als ihre kleine Tochter zur Welt kam, gab es Komplikationen: Die Geburt von Ellie musste wegen einer Schwangerschaftsdiabetes eingeleitet werden. Während der Geburt drehte sich das Baby um 180 Grad, ein Sternguckerkind. Es musste mit der Saugglocke geholt werden. Dann löste sich die Plazenta nicht. Corinne Hänseler wurde operiert.

Trotzdem hat die junge Mutter die Geburt als schön erlebt. «Ich war völlig entspannt», sagt Corinne Hänseler, «ich hatte das tiefe Vertrauen in mir, dass alles gut wird.» Sie habe zwar Schmerzen gehabt, aber nie das Gefühl, es sei nicht mehr auszuhalten.

Marianna Garten aus Kreuzlingen hat zwei Kinder zur Welt gebracht. Auf die zweite Geburt bereitete sie sich mit der Hypnobirthing-Methode vor. Sie sei viel gelassener gewesen, erzählt sie. «Man weiss, wie man sich verhalten soll, wenn man an seine Grenzen stösst und fühlt sich nicht so ausgeliefert.» Die Schmerzen habe sie als weniger stark empfunden. Marianna Garten sagt: «Es läuft alles viel ruhiger ab, das ist auch gut fürs Kind.»

Hypnobrithing-Kurse für Paare (fünfmal 2,5 Stunden) kosten um die 750 Franken.

Marianne Schuppli Hebamme, Ermatingen (Bild: pd)

Marianne Schuppli Hebamme, Ermatingen (Bild: pd)