BISCHOFSZELL: Einsprache gegen Wasserkraftwerk

Umwelt- und Fischereiorganisationen kritisieren auch das zweite Projekt für einen Neubau des Wasserkraftwerks Tuurau. Der Projektleiter hält dagegen: Man habe sowohl die Fische als auch die Natur bedacht.

Larissa Flammer
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Das bestehende Wasserkraftwerk in Bischofszell rentiert nicht mehr. (Bild: Nana do Carmo)

Das bestehende Wasserkraftwerk in Bischofszell rentiert nicht mehr. (Bild: Nana do Carmo)

Larissa Flammer

larissa.flammer@thurgauerzeitung.ch

Die Koch Generalunternehmen AG will das Kraftwerk an der Thur bei Bischofszell sanieren. Die Anlage sei in die Jahre gekommen, äusserst unterhaltsintensiv und nicht mehr kostendeckend, heisst es auf der Firmenwebseite. Über die Tochtergesellschaft Koch Kraftwerk AG hat das Unternehmen deshalb ein Projekt für einen Neubau des Kraftwerks eingereicht. Von 31. Oktober bis am 19. November lagen die Pläne beim Kanton auf, während dieser Zeit lief auch die Einsprachenfrist. Diese wurde genutzt: «Es sind insgesamt acht Einsprachen eingegangen», bestätigt Marco Sacchetti, Generalsekretär des Thurgauer Departements für Bau und Umwelt.

Sacchetti sagt nicht, von wem die Einsprachen sind. In einer Medienmitteilung schreiben verschiedene Umwelt- und Fischereiorganisationen, dass sie Einsprache erhoben haben. Sie wehren sich unter anderem gegen die Beeinträchtigung von zwei Auengebieten. Hinter der Einsprache stehen Aqua Viva, der Fischereiverband Thurgau, der Fischereiverein Thur I, der Fischereiverein Thur II, Pro Natura, der Schweizerische Fischerei-Verband und WWF, wie der Medienmitteilung zu entnehmen ist. «Die Sich­- tung der Projektgrundlagen hat schwergewichtige ökologische Auswirkungen auf die Thur und angrenzende Schutzgebiete aufgezeigt», sagt Benjamin Leimgruber, Bereichsleiter Gewässerschutz bei Aqua Viva auf Anfrage. Urs Koch, Mitinhaber der Koch Kraftwerk AG und Projektleiter, hat über Umwege von der Medienmitteilung und der Einsprache erfahren. «Es stört mich, dass uns die Umwelt- und Fischereiorganisationen nicht mit offenem Visier begegnen», sagt er. Laut ihm wäre es aber überraschend gewesen, wenn es auf ein solches Projekt keine Einsprachen gegeben hätte. «Das ist ja auch der Job der Umweltverbände und die ­haben durchaus ihre Berechtigung.»

Bedenken gelten den Auengebieten

Bei der Einsprache der Umwelt- und Fischereiorganisationen geht es gemäss Medienmitteilung um das Auengebiet «Ghöggerhütte» oberhalb der Wehr und das Gebiet «Unteres Ghögg» unterhalb. Das Projekt sehe vor, das Wasser oberhalb und unterhalb der Wehr vermehrt zu stauen. «Das verhindert die für Auen typischen Prozesse der Dynamik und die stetige Umgestaltung», heisst es in der Mitteilung. Die Beeinträchtigung national geschützter Aue widerspreche zudem dem geltenden Gesetz, betont Leimgruber. «Wir haben einen Auenspezialisten beigezogen, der ein Konzept für die Revitalisierung des Auenwalds unter Einbezug des Kraftwerks erstellt hat», hält Koch entgegen.

Man verzichte auf Dämme im Auengebiet und achte bei dem Projekt auf die Dynamisierung der Aue. «Zudem wird ein etwa 20 Meter breiter Altarm des Flusses angelegt.» Auch die Fische habe man im Projekt bedacht. Eine Treppe ermögliche die Durchgängigkeit auf- und abwärts. Die Restwassermenge werde beim neuen Kraftwerk der Jahreszeit angepasst. «Es wird bis zu 2,5mal mehr abgegeben als gesetzlich vorgeschrieben», betont Koch.

30 Prozent der erneuerbaren Energie im Thurgau

«Wir haben versucht, uns nach allen Gesetzen und Verordnungen zu richten», sagt Koch. Seit bald zehn Jahren seien sie an diesem Projekt dran. «Wir könnten 30 Prozent der erneuerbaren Energien im Thurgau hier produzieren.» Der Tenor in der Schweiz laute, Wasserkraftwerke dort auszubauen, wo es sie bereits gebe. «Seit über 150 Jahren ist das Thur-Kraftwerk Bischofszell bereits hier. Wenn nicht am bestehenden Standort investieren, wo denn sonst?»

Das Departement für Bau und Umwelt wird jetzt alle Einsprachen und das Projekt prüfen. «Sämtliche Einwände, also auch der Vorwurf des Verstosses gegen den Auenschutz, werden angeschaut», sagt Generalsekretär Marco Sacchetti.

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