Die VPM-Verbindung der Schul-Initiative

Die Co-Präsidentin des Initiativ-Komitees «für eine gute Thurgauer Volksschule» steht dazu, Mitglied des umstrittenen VPM gewesen zu sein. Auch ein Co-Präsident publiziert in einer Zeitschrift ehemaliger VPM-Leute.

Thomas Wunderlin
Merken
Drucken
Teilen
Beginn der Unterschriftensammlung: Peter Dransfeld, Daniel Amrhein, Hedwig Schär, Felix Huwiler. (Bild: Nana do Carmo (Frauenfeld, 13. Mai 2015))

Beginn der Unterschriftensammlung: Peter Dransfeld, Daniel Amrhein, Hedwig Schär, Felix Huwiler. (Bild: Nana do Carmo (Frauenfeld, 13. Mai 2015))

Am Narrentag, dem 11. November, erklärten Hedwig Schär und Felix Huwiler in der «Neuen Zürcher Zeitung», weshalb der Thurgau die Initiative «für eine gute Volksschule ohne Lehrplan 21» annehmen muss. Ihr Gastkommentar erschien in der Rubrik «Was läuft falsch?» Schär veröffentlicht ihre Artikel sonst in den zweiwöchentlich in Zürich erscheinenden «Zeit-Fragen». Dort erklärte auch Huwiler am 9. Juni 2015, weshalb der «Lehrplan 21 vors Volk!» gehört. Die «Zeit-Fragen» werden von ehemaligen Mitgliedern des «Vereins für Psychologische Menschenkenntnis» (VPM) gemacht.

Die Klotener Unterstufenlehrerin Schär, die in Sirnach wohnt, und der Altnauer Unternehmer Huwiler sitzen im dreiköpfigen Präsidium des Komitees der Volksschul-Initiative, über die der Thurgau am 27. November abstimmt. Auf Anfrage bestätigt Schär, dass sie Mitglied des VPM war und die «Zeit-Fragen» von ehemaligen VPM-Leuten herausgegeben werden. Sie habe Kenntnis von Gerüchten, dass die Schul-Initiative in Zusammenhang mit dem VPM stehe. Sie sei «die Einzige im Komitee und im Präsidium, die je mit dem VPM zu tun hatte». Man könne ihr ihre politischen Rechte nicht absprechen. «Ich bin nicht der verlängerte Arm des VPM.» Sie bekämpfe den Bildungsabbau. Sie habe in den dreissig Jahren, in denen sie unterrichte, etliche Reformen über sich ergehen lassen müssen. Im Lehrplan 21 seien von Handarbeit und Hauswirtschaft nur homöopathische Dosen übrig geblieben. Zum mutmasslichen Zusammenhang zwischen dem VPM und ihrem heutigen Engagement sagt Schär: «Der VPM hat sich traditionell mit pädagogischen Fragen beschäftigt.» Das Komitee sei breit abgestützt. Sie habe intern offen deklariert, dass sie beim VPM gewesen sei. «Ich wollte nicht, dass eine blöde Schlammschlacht kommt.»

VPM-Leute sind gemäss «Tages-Anzeiger» auch im Zürcher Initiativkomitee gegen den Lehrplan 21 aktiv, darunter der Präsident der Genossenschaft «Zeit-Fragen», Reinhard Koradi.

Schon der VPM bekämpfte Schulreformen

Die als Sekte kritisierte Gruppierung bekämpfte in den 80er-Jahren in Zürich gemeinsam mit der SVP eine Liberalisierung der Drogenpolitik. Der VPM setzte sich gegen Schulreformen ein, die sich nach seiner Auffassung negativ auf die Lernhaltung der Schüler und die Qualität der Bildung auswirken. Gegen Kritiker führte er gemäss Wikipedia über hundert Prozesse allein in Deutschland. Die abgewiesenen Klagen gingen ins Geld, was wohl zur Auflösung des VPM 2002 beitrug. Laut dem Sektenexperten Hugo Stamm führen VPM-Anhänger ihre Aktivitäten dennoch weiter. Die VPM-Gründerin Annemarie Buchholz-Kaiser zog in ihr Elternhaus nach Dussnang, wo sie 2014 starb.

Schär kam aus familiären Gründen in den Hinterthurgau, wie sie erklärt. Dass die VPM-Gründerin ebenfalls hier wohnte, «war nicht der Grund, aber es war mir recht». Da sie im Kanton Zürich unterrichte, habe sie kein Loyalitätsproblem, wenn sie sich in ihrem Wohnkanton politisch engagiere, sagt Schär. Fliesst aus Kreisen der ehemaligen VPM-Leute Geld in den Thurgauer Abstimmungskampf? «Kann sein, ich weiss es nicht», sagt Schär. «Die Finanzen sind nicht mein Ressort.» Dass auch Huwiler in den «Zeit-Fragen» einen Artikel veröffentlichte, habe sie nicht gewusst. Huwiler war am Mittwoch nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Er wisse, dass ein Komiteemitglied beim VPM war, sagt Peter Dransfeld, SP-Kantonsrat und Mitglied des Initiativkomitees. Die Person sei ihm sympathisch: «Sie passt nicht ins Bild eines Sektengurus.» Es handle sich wohl um eine «idealistisch-romantische Jugendphase». Er selber sei «skeptisch gegenüber jeder Art Sektentum so wie auch gegen die pseudowissenschaftliche Lehrplan-21-Übung».

Wirth: Ideologischer Abstimmungskampf

Er sei «nicht wirklich erstaunt» über die VPM-Verbindung, sagt Initiativ-Gegner Andreas Wirth, SVP-Kantonsrat und Frauenfelder Schulpräsident. Ein Teil der Initianten führe «auf unsägliche Weise einen ideologischen Abstimmungskampf». Gesteuert werde er stark von ausserhalb des Thurgaus. Gegner würden in Leserbriefen und auf Podien verunglimpft. «Es gibt scheinbar in Kreisen, die das Gedankengut des VPM weitertragen, nur schwarz oder weiss.»