BAHN: Ab 2026 Strom am Hochrhein

Die langersehnte Elektrifizierung der Strecke am deutschen Hochrheinufer soll bis ins Jahr 2026 realisiert werden. Sie brächte für den Thurgau und die Ostschweiz schnellere Zugverbindungen nach Basel. Ab Kreuzlingen rückte die Rheinmetropole 36 Minuten näher.

Sebastian Keller
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Auf der Strecke Schaffhausen–Basel fahren heute Dieselzüge. (Bild: Sebastian Keller (Tiengen, 28. Dezember 2016))

Auf der Strecke Schaffhausen–Basel fahren heute Dieselzüge. (Bild: Sebastian Keller (Tiengen, 28. Dezember 2016))

Sebastian Keller

sebastian.keller@thurgauerzeitung.ch

Diese deutsche Strecke geniesst grenzüberschreitende Aufmerksamkeit. Zwischen Erzingen nahe Schaffhausen und dem Badischen Bahnhof in Basel ist die Bahnlinie auf 75 Kilometern nicht elektrifiziert. Dieselzüge knattern und brummen über den Schotter der Hochrheinstrecke. Das isoliert sie im öffentlichen Verkehrssystem. Grenzeüberschreitende Verbindungen sind schwierig, die Züge müssen regelmässig getankt werden, sie sind laut. Doch auf beiden Seiten des Rheins wird einer elektri­fizierten Strecke viel Potenzial ­zugeschrieben. Sie könnte den Wirtschaftsraum Bodensee direkt und rasch mit dem Wirtschaftsraum Basel verbinden – und dabei Zürich entlasten. Die Elektrifizierung war schon ein paarmal traktandiert; wurde aber immer wieder vertagt. «Hier wird noch immer rumgedieselt», beklagt Georg Geiger, FDP-Fraktionschef im Konstanzer Kreistag. Die Elektrifizierung der Strecke sei für die Region «extrem wichtig», betont er an einem ­Anlass seiner Partei in Konstanz. Dies würde die Anbindung ans deutsche Hochgeschwindigkeitsnetz ermöglichen. «Es ist durchgesickert, dass die Elektrifi­zierung erst 2026 kommt», sagt ­Geiger. Er tönt enttäuscht. Ein Sprecher der Deutschen Bahn bestätigt auf Anfrage: «Planmässig soll die Elektrifizierung bis Ende 2026 vollzogen sein.»

Die Schweiz hat ein vitales Interesse daran

Auch die Schweiz – vor allem der östliche Landesteil – ist an einer Elektrifizierung der Strecke inter­essiert. Werner Müller, Leiter der Abteilung Öffentlicher Verkehr/Tourismus im Kanton Thurgau, präsentiert in Konstanz diese Sicht. Er sprach davon, dass nach einer Elektrifizierung direkte Züge von Basel über Schaffhausen und Singen bis Konstanz fahren könnten. Dort wäre aber noch nicht Endstation. «Sie könnten in Konstanz mit dem Regioexpress Konstanz–St. Gallen verknüpft werden.» Die Machbarkeit dieser sogenannten Durchbindung habe eine Studie im Auftrag der Ostschweizer Kantone bestätigt. Auf einer Folie präsentiert er ­einige Vorteile: So würde sich die Fahrzeit von Romanshorn nach Basel um 31 Minuten verringern, ab Kreuzlingen rückte die Rheinmetropole gar um 36 Minuten näher. Heute dauert die schnellste Zugfahrt 140 Minuten. Die Studie zeigte zudem, dass keine zusätzliche Infrastruktur zwischen Konstanz und Singen notwendig sei. «Das müsste man sicher noch genauer prüfen», sagt Müller.

Finanzierung ist noch offen

Wie bei Bahnprojekten üblich, gibt es der Kosten und Komplexität wegen noch viele offene Fragen. So müssen entsprechende Kapazitäten auf den Schienennetzen vorhanden sein. Auch das Nachfragepotenzial muss geklärt werden. Und nicht zuletzt die ­Finanzierung. Die letzte Kostenschätzung, die herumgereicht wurde, ging von 160 Millionen Euro aus. In Konstanz gab es zu den Kosten keine Aussagen. Aus Brüssel und Berlin waren unlängst positive Signale zu vernehmen. Der FDP-Politiker Georg Geiger zeigt sich am Anlass seiner Partei aber wenig optimistisch: «Die Finanzierung klemmt weiterhin.» Werner Müller sagte, dass das Schweizer Bundesamt für Verkehr eine Mitfinanzierung im Rahmen des Bahnausbauschrittes 2030/35 prüfe. Führsprecher aus der Ostschweiz haben sich bereits in Stellung gebracht: Die St. Galler Ständeräte Karin Keller-Sutter und Paul Rechsteiner weibeln dafür, dass die Züge vom Hochrhein bis Chur verlängert werden. Die Projekte des Bahnausbauschrittes 2030/35 werden voraussichtlich noch im laufenden Jahr in die Vernehmlassung geschickt.

Takterhöhung des Zuges St.Gallen–Konstanz

Noch bevor die ersten Oberleitungen am Hochrhein montiert werden, soll der Regioexpress zwischen St.Gallen über Romanshorn nach Konstanz aus­gebaut werden. Seit Dezember 2015 verkehren ab St.Gallen und ab Konstanz je fünf Züge pro Tag. Fahrzeit: 35 Minuten. Da die Nachfrage vorhanden ist, wird auf den Fahrplanwechsel im Dezember 2018 ein Stundentakt angestrebt. Dafür sollen 16 Zugspaare eingesetzt werden. Offen sind gemäss Müller Details bezüglich Finanzierung. «Sobald wir wissen, wie viel es kostet, kommen wir auf die Stadt und den Landkreis Konstanz zu.» Auch die heutige Verbindung wird von deutscher Seite mit­finanziert. Vielleicht ein Vorbild für die Hochrheinstrecke.