Wortgewandt und aussagekräftig

Simon Müller rappt gegen Gewalt, übt dabei Gesellschaftskritik und hinterfragt das Denken in Wohlstand und Reichtum. Mit seinen Reimen verarbeitet er aber auch sein Schicksal.

Silvan Meile
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Selfmade-Man: Rapper Saintjy in seinem Tonstudio. (Bild: pd)

Selfmade-Man: Rapper Saintjy in seinem Tonstudio. (Bild: pd)

Wil. Am Samstag ist es für Simon Müller so weit. Der Wiler Rapper, der sich als Musiker den Namen Saintjy gab, tauft seine erste CD im Gare de Lion. Viel Zeit, aber auch Geld habe er für die Produktion des Tonträgers investiert. Aus seinem Kollegenkreis konnte er dabei auf eine grosse Unterstützung zählen. «Wir haben im eigenen Studio alles selber aufgenommen und abgemischt», sagt der 27jährige BWL-Student.

Das Erstlingswerk ist das Resultat aus drei Jahren Arbeit. Darauf sind 15 melodiöse Lieder enthalten. Müller griff dafür auf eine Vielfalt an musikalischen Stilen zurück. Für sein Schaffen ist der Rapper kürzlich mit dem Förderpreis des Kulturvereins Soundsofa ausgezeichnet worden.

Gesellschaftskritische Texte

Saintjy rappt als gebürtiger Wiler authentisch in seinem Ostschweizer Dialekt. Er möchte sich nicht verstellen müssen, sondern lieber wortgewandt mit Mehrfachreimen in seiner Muttersprache auffallen. So setzt er auf die gereimten Aussagen seiner Texte, einen wichtigen Bestandteil der Hip-Hop-Kultur, wie er sagt. Gangster-Rap und Gewaltverherrlichung mag er nicht. In seinen Liedern geht es um Gesellschaftskritik und den Appell für ein gewaltloses Zusammenleben. Doch Saintjy rappt auch gegen die unzähligen Vorschriften in diesem Land und hinterfragt das Denken in der Schweiz mit Verweis auf Wohlstand und Reichtum. «Letztlich geht es in den Liedern aber darum, das Positive zu sehen», bemerkt Müller.

Schicksalsschlag verarbeiten

«Ich gebe im Album auch sehr viel Persönliches preis», sagt Müller. Sehr emotionell wird es in einem Lied, in dem er seine eigene Erfahrung mit Krebs besingt. Dieser harte Schicksalsschlag hat sein Leben geprägt und fesselte ihn ein Jahr lang ans Spitalbett. Statt sich im Anschluss daran einer Reha zu widmen, unternahm er eine Reise durch Mittelamerika. «Reisen erweitert den Horizont, ausserdem wollte ich nicht länger eingesperrt sein», erzählt er. In Kuba habe er seine Lebensfreude wiedergefunden.

Diesen Samstag tauft Saintjy sein erstes Album mit Unterstützung einer Liveband im Gare de Lion. Türöffnung ist um 21.30 Uhr.