Wie man auf Gewalt reagiert

Was macht man, wenn man Zeuge einer Prügelei im öffentlichen Raum wird? Zivilcourage ist gefordert. Experte Thomas Brändle erklärte, wie man sich in solchen Situationen verhält.

Ruth Bossert
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Experte Thomas Brändle. (Bild: pd)

Experte Thomas Brändle. (Bild: pd)

ESCHLIKON. Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, sieht sie überall: Situationen von Vandalismus, Gewalt oder sexuellen Übergriffen. «Haben wir den Mut einzugreifen oder wählen wir einen anderen Weg?», fragte Thomas Brändle, Leiter der Fachstelle Gewaltprävention Zürcher Oberland.

Der Experte sprach auf Einladung des Kinder- und Jugendnetzes Eschlikon vor rund 50 Interessierten im Schulzentrum Bächelacker. Mehr als die Hälfte der Interessierten waren Vertreter der Gemeinde- und Schulbehörde, Schulabwarte, Werkhofmitarbeiter und Schulleiter. Brändle, der sich seit Jahren mit Gewaltprävention auseinandersetzt und das Potenzial von gewalttätigen Menschen kennt, erklärte die Funktionen im Stammhirn und das Ausschütten von Stresshormonen am Modell mit dem Urmensch und dem Bär. Das Gefühl der Ohnmacht, der Schwäche, die jemand fühlt, wenn er eigentlich eingreifen sollte und doch Angst verspürt, ist für Brändle nichts Aussergewöhnliches, sondern eine normale Reaktion. Nicht jeder ist ein Superman und findet sofort die richtigen Worte, um beispielsweise gewaltbereite Jugendliche zu trennen und eine Schlägerei zu verhindern. «Wer deutlich Angst verspürt, soll diese ernst nehmen und sich nicht blindlings Gefahren aussetzen.»

Nicht wegschauen

Hingegen habe jede Grenzverletzung einen Eingriff verdient und dürfe nicht stillschweigend negiert werden. «Wenn wir wegsehen, signalisieren wir den Menschen, die Grenzen überschreiten, Hilflosigkeit und Zustimmung.» Welche Strategien sich aufdrängen, gelte es herauszufinden. Deshalb gebe es auch keine klaren Anweisungen. «Zivilcourage ernst nehmen sei wichtig, auf die eigenen Grenzen achten aber auch.» Er rät den Anwesenden, auf das Bauchgefühl zu achten.

Erwachsen bleiben

In der Regel seien Interventionen, in denen das Opfer aus der Gefahrenzone weggebracht wird, erfolgreicher als die Auseinandersetzung mit dem Aggressor. In jedem Fall sei es aber wichtig, dass bei solchen Zwischenfällen die Polizei benachrichtigt werde. Wenn man eingreift, muss dies in Ton und Verhalten ruhig, aber bestimmt sein. «Verhalten Sie sich nicht unterwürfig», rät er, «übernehmen Sie nicht die Opferrolle und bleiben Sie bei Zwischenfällen mit Jugendlichen Ihrem Verhalten als Erwachsener treu.»