Knipsende Väter unerwünscht

AADORF. Die Aadorfer Schulbehörde untersagt Eltern und Bezugspersonen, in den Schulzimmern Foto- und Videoaufnahmen zu machen. Grund dafür sind unvorteilhafte Bilder aus dem Klassenzimmer, die ohne Erlaubnis im Internet auftauchten.

Silvan Meile
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Martin Köstli, Schulpräsident Aadorf. (Bild: Nana do Carmo)

Martin Köstli, Schulpräsident Aadorf. (Bild: Nana do Carmo)

Aus den Aadorfer Schulzimmern sollen keine Fotos und Videos den Weg ins Internet finden. Die Schulbehörde verbietet Eltern und Bezugspersonen von Schülern, am ersten Schultag oder an den Besuchstagen Foto- und Filmaufnahmen vom Unterricht zu machen. Das teilt die Schulbehörde in einem Schreiben an die Eltern von schulpflichtigen Kindern mit.

Martin Köstli, Schulpräsident Aadorf. (Bild: Nana do Carmo)

Martin Köstli, Schulpräsident Aadorf. (Bild: Nana do Carmo)

Einzelne Fälle als Auslöser

Es sei in der Vergangenheit vorgekommen, dass eben solche Aufnahmen oder Fotografien ungefragt und ohne Erlaubnis auf Internetseiten wie Facebook oder Youtube aufgetaucht seien, erklärt Aadorfs Schulpräsident Martin Köstli auf Anfrage unserer Zeitung. Vereinzelte Eltern sahen ihre Kinder auf Film- und Fotoaufnahmen im Schulzimmer in ein schlechtes Licht gerückt. Dabei könne es sich beispielsweise um unvorteilhafte Situationen handeln, in denen ein Kind keine Antwort auf eine Frage des Lehrers weiss und vielleicht sogar in Tränen ausbricht, erklärt Schulpräsident Köstli. Deshalb entschied sich die Schulbehörde für ein Verbot. «Wir wollen die Kinder nicht blossstellen», sagt er.

Somit dürfen Eltern, Verwandte und Bekannte von Schulkindern ihre Kameras während Schulbesuchstagen oder – aktuell – am ersten Schultag ihrer Sprösslinge im Klassenzimmer nicht mehr benutzen. Das Verbot gilt ab dem neuen Schuljahr und wird Teil der Hausordnung.

Verbot nur fürs Schulzimmer

Mit dem Foto- und Filmverbot nimmt die Schule Aadorf generell Rücksicht auf jene Eltern, die ausdrücklich keine Bilder und Filme ihrer Kinder im Internet haben möchten. Eine jährliche Umfrage der Aadorfer Schulen zeige, dass rund ein Viertel der Eltern nur schon eine Veröffentlichung von Bildern ihrer Kinder auf der schuleigenen Webseite ablehne, erklärt der Schulpräsident.

«Unser Verbot gilt nicht auf dem ganzen Schulareal, sondern explizit nur in den Schulzimmern», sagt Martin Köstli. Für die Schüler selber sei dort die Benutzung von elektronischen Geräten ohnehin tabu.

Aufnahmen auf dem Pausenhof, sei es durch Schüler oder Erwachsene, verbiete die Schule Aadorf nicht. «Das würde zu weit führen», sagt Köstli. Auch fallen Anlässe wie etwa Theateraufführungen, Musicals und ähnliche Veranstaltungen nicht unter das Foto- und Filmaufnahme-Verbot, heisst es im Schreiben an die Eltern. Reaktionen über die von den Aadorfer Schulbehörden beschlossene Massnahme habe er bisher noch keine erhalten, sagt Köstli.