Kleines Paradies auf dem Sitzberg

Das Naturistengelände auf dem Sitzberg bietet viel mehr, als einfach nur nackt zu baden. Wer Ruhe und Erholung sucht, und sich nicht mit Kleidern einengen mag, für den ist dieser Flecken in der Nähe des Hörnlis wie ein Paradies.

Ruth Bossert
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Die Zentrumsbetreiber Andreas und Ananda Lutz. (Bild: Ruth Bossert)

Die Zentrumsbetreiber Andreas und Ananda Lutz. (Bild: Ruth Bossert)

SITZBERG. Es ist üppig grün, die Farne sind hoch, die Blumenwiesen von vielfältiger Schönheit, und Schmetterlinge hat es wohl mehr als anderswo. Trotzdem war es angesichts kühler Temperaturen ruhig auf dem Naturistengelände «Die neue Zeit» vergangene Woche. Auf dem dazugehörenden Zeltplatz mit knapp 20 Wohnwagen-Stellplätzen lief wenig. Das Pächter-Ehepaar Andreas und Ananda Lutz leitet das Zentrum seit drei Jahren.

Die aus Belgien stammende Ananda und ihr Partner Andreas Lutz wohnten vorher im Aargau, waren aber langjährige, auch winterharte Campinggäste auf dem Sitzberg. Als ihre Vorgänger eine neue Herausforderung suchten, entschieden sie sich, die Aufgabe zu übernehmen. «Wir sind gut eingeführt worden und trotzdem war die Anfangszeit hart», erzählt Ananda Lutz und erwähnt, dass neben dem normalen Betrieb mit dem Campingplatz, der Gästebetreuung und der Landwirtschaft viel Aussergewöhnliches wie Umstrukturierungen und Renovationen auf dem Gelände, aber auch die Melioration in der Region auf sie zukam.

Arbeiten auf dem Bauernhof

Mittlerweile geht Ananda Lutz die Arbeit auf dem Landwirtschaftsbetrieb mit 20 Hektaren Wald, 10 Hektaren Weideland und 40 Heidschnuckenschafen gut von der Hand, und auch Andreas Lutz möchte nicht mehr zu seinem gelernten Beruf als Betriebsfachmann in der Maschinenindustrie zurück.

Beide lieben ihre Arbeit, freuen sich, an diesem ruhigen Ort im Einklang mit der Natur zu leben und haben nichts dagegen, wenn Dachs, Fuchs und Hirsch vorbeischauen. Die Waldlichtung Hofstetten bei Büel, nähe dem Weiler Sitzberg, liegt in der Gemeinde Turbenthal und wurde 1970 von der Stiftung «Die neue Zeit» gekauft. Die Naturistenvereinigung Zürich Oberland, welche längst wieder aufgelöst ist, hat mit viel ehrenamtlichem Engagement die Gebäude saniert, Weiden zu Liegewiesen terrassiert, ein Bienenhaus in eine Sauna umfunktioniert und das Herzstück erstellt, den geschwungenen Pool.

Bis zu 50 Eintritte am Tag

An schönen Sommertagen werden im Schnitt 20 bis 50 Eintritte verbucht, erzählt Ananda Lutz, doch eng werde es auf dem Sitzberg nie. «Auf dem Gelände findet jeder seinen Platz und seine Erholungsart, ob an der Sonne, am Schatten, beim Wandern, auf dem Vitaparcours oder einer der vielen Aktivitäten auf dem Bauernhof.»

Gemäss Definition der Internationalen Förderation (INF) ist Naturismus eine Lebensart in Harmonie mit der Natur (siehe Kasten). So sind auf dem Gelände der Verzehr von Fleisch und der Konsum von Alkohol, Nikotin und Drogen verboten. Es gibt aber keinen Zwang zum Nacktsein. «Wir befinden uns auf 750 Höhenmetern; jeder muss selber entscheiden, wann er etwas anziehen will«, erklärt Ananda Lutz.

Die Frage, ob sie in der Abgeschiedenheit ihr kleines Paradies gefunden haben, verneinen beide. «Nicht das Paradies haben wir gefunden, dazu gibt es noch zu viele Probleme, die gelöst werden müssen. Unsere Heimat haben wir hier aber gefunden.»

www.naturismus-sitzberg.jimdo

Viele lauschige Plätze bietet das Naturisten-Zentrum auf dem Sitzberg. Der Pool, die Liegewiesen, eine Bocciabahn und ein Badminton-Platz laden zum Verweilen ein. (Bild: pd)

Viele lauschige Plätze bietet das Naturisten-Zentrum auf dem Sitzberg. Der Pool, die Liegewiesen, eine Bocciabahn und ein Badminton-Platz laden zum Verweilen ein. (Bild: pd)