Gegenwind für Hotelfinanzierung

FISCHINGEN. Für sechs Millionen Franken baute der Verein Kloster Fischingen ein Seminarhotel. Da die Finanzierung eines stattlichen Teils noch ungewiss ist, soll sich der Kanton beteiligen. Im Grossen Rat regt sich dagegen Widerstand.

Olaf Kühne
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Matthias Müller Kantonsrat EVP (Bild: Nana do Carmo)

Matthias Müller Kantonsrat EVP (Bild: Nana do Carmo)

Am Sonntag wurde im Kloster Fischingen das neue Seminarhotel eingeweiht. Dessen Betreiber, der Verein Kloster Fischingen, will mit dieser Neuausrichtung der Geschäftstätigkeit die finanzielle Zukunft der altehrwürdigen Gebäude sichern. In nur gerade fünf Monaten wurden 6 Millionen Franken verbaut. Der Betrag ist zur Hälfte durch einen Bankkredit gedeckt. Aktuell sind weitere 600 000 Franken an Spenden eingegangen. Nun geben die «fehlenden» 2,4 Millionen auf der politischen Bühne zu reden.

Verhandlungen laufen

Zwar verfügt der Verein aus früheren Landverkäufen noch über eine Reserve von rund 2 Millionen Franken. Diese will er aber nur im Notfall antasten, so auch der Tenor am letzten Sonntag. Noch im vergangenen Jahr, aber nach Baubeginn, stellte deshalb der Verein beim Thurgauer Regierungsrat einen Antrag auf finanzielle Unterstützung. «In dieser Frage sind konstruktive Gespräche noch am Laufen», bestätigt Vereinspräsident Roman Müggler auf Anfrage unserer Zeitung. Weiter äussern will er sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht.

Etwas genauer wissen will es hingegen der Gachnanger EVP-Kantonsrat Matthias Müller. Er reichte im Grossen Rat zuhanden des Regierungsrates eine Einfache Anfrage ein. Mit dieser fragt er die Kantonsregierung, in welchem Umfang sie sich finanziell zu beteiligen gedenkt, aus welchem «Kässeli» sie den Betrag entnehmen will und ob üblicherweise ein solcher Antrag nicht vor Baubeginn gestellt werden sollte.

Keine öffentliche Aufgabe

«Wenn die öffentliche Hand sich an den Mehrkosten für die denkmalpflegerischen Massnahmen beteiligt, habe ich damit überhaupt kein Problem», sagt Müller. «Ein Seminarhotel ist aber schlicht ein privates und kommerzielles Unternehmen und somit sicher nicht Aufgabe des Kantons.»

Er meine seine Anfrage durchaus wohlwollend, betont der EVP-Kantonsrat, und wolle damit auch niemanden angreifen. Im Gegenteil: «Ich will den Regierungsrat vor sich selber schützen. Damit er nicht wieder so in den Hammer läuft wie bei der Finanzierung des Kunstmuseums in der Kartause Ittingen über den kantonalen Lotteriefonds.» Einzig gegenüber dem Klosterverein äussert Müller Kritik: «Sich in finanzielle Nöte bringen und im nachhinein die hohle Hand machen, das geht nicht.»

Für die Beantwortung der Einfachen Anfrage hat der Regierungsrat nun zwei Monate Zeit.

Eine Antwort, die auch Josef Gemperle interessieren dürfte. Der Fischinger CVP-Kantonsrat äusserte sich bereits am Sonntag im Rahmen der Einweihungsfeier zur Problematik der nicht gesicherten Finanzierung. «Das Kunstmuseum ist in dieser Frage tatsächlich erschwerend», sagte er. Ist doch noch eine Stimmrechtsbeschwerde von privater Seite beim Bundesgericht hängig. Diese rügt den Entscheid des Grossen Rates, den Regierungsrat in seinem Ansinnen zu unterstützen, den Kunstmuseum-Neubau in der Kartause Ittingen mit 11,3 Millionen Franken aus dem kantonalen Lotteriefonds zu finanzieren.

Einen Weg finden

Gemperle ist dennoch zuversichtlich – und mit den alten Mauern in Fischingen bestens vertraut. Als Präsident der Baukommission leitete er bis 2008 die Renovation der Barockkirche. Entsprechend schwärmt er auch vom neuen Hotel: «Das Seminarhotel ist ein irrsinniges Zeichen für Fischingen.» Wie genau sich der Kanton an den Kosten beteiligen kann und wird, weiss er zwar noch nicht, aber: «Wenn wir hier keinen Weg finden, verstehe ich die Welt nicht mehr.»

Roman Müggler Präsident Verein Kloster Fischingen (Bild: Olaf Kühne)

Roman Müggler Präsident Verein Kloster Fischingen (Bild: Olaf Kühne)

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