AADORF: Die warmen Kleider fehlten

Der Aadorfer Ivano Künzli ist von München nach Venedig gewandert. Auf der 550 Kilometer langen Route war er fast einen Monat lang unterwegs. Zu schaffen machte ihm einzig der Schnee.

Olaf Kühne
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Rast in den Dolomiten: Ivano Künzli im Rifugio Pian de Fontana, einem der 28 Etappenziele seiner Wanderung. (Bild: pd)

Rast in den Dolomiten: Ivano Künzli im Rifugio Pian de Fontana, einem der 28 Etappenziele seiner Wanderung. (Bild: pd)

AADORF. 55 Minuten hätte die Reise mit dem Flugzeug gedauert, Ivano Künzli hat daraus 28 Tage gemacht. Zu Fuss hat der Aadorfer die Strecke von München nach Venedig bewältigt. Einfach so, ohne speziellen Anlass. «Das Laufen hat mich schon immer fasziniert», sagt der 25-Jährige. «Es entschleunigt.»

Die Route hat Künzli nicht zufällig gewählt. Den 550 Kilometer langen Weg von München nach Venedig, konkret vom Marienplatz zum Markusplatz, hat der deutsche Wanderführerpionier Ludwig Grassler in den 1970er-Jahren erstmals abgelaufen und anschliessend in seinem Buch als «Traumpfad» definiert.

Dreitausender bestiegen

Mitte Juni reiste Künzli mit dem Fernbus von Zürich, seinem derzeitigen Wohnort, nach München. Auf dem Marienplatz, einem der belebtesten und touristischsten Orte der bayrischen Hauptstadt, startete er sein Abenteuer. «Danach wurde es aber bald ruhig», sagt Künzli. Schnell näherte sich der Aadorfer den Alpen. 15 bis 35 Kilometer absolvierte er pro Tag. «Reine Distanz», betont er. Denn mindestens genauso seien die Höhenmeter ins Gewicht gefallen. Liegt München rund 500 Meter über Meer, führte seine Wanderung Künzli in den Dolomiten gar auf einen Dreitausender. «Der Piz Boè war mit seinen 3125 Metern sozusagen der Höhepunkt meiner Wanderung», blickt Künzli zurück. Zwar führe Grasslers offizielle Route am Gipfel vorbei – aber: «Wo ich schon mal dort war, musste ich einfach bis zuoberst klettern.» Speziell trainiert habe er im Vorfeld weder das Laufen noch das Bergsteigen, erzählt der Aadorfer. Weil er aber schon als Kind viel mit der Familie in den Bergen unterwegs gewesen sei, und später intensiv Leichtathletik betrieben habe, sei die Fitness nie ein Thema gewesen. Und der Erfolg gab ihm recht: «Ich hatte nie auch nur eine einzige Blase an den Füssen.»

Zurück mit dem Zug

Ivano Künzli trug einen zehn Kilogramm schweren Rucksack mit sich. Von unterwegs habe er einige warme Kleider nach Hause geschickt, von denen er dachte, er habe sie zu viel eingepackt. «Das war etwas voreilig», sagt er und lacht. Denn immer wieder habe er über Schneefelder laufen müssen. Und nachts in den Berghütten war der Sommer auch noch nicht richtig angekommen. Spätestens seit vorgestern ist Kälte für den Aadorfer indes kein Thema mehr. Nach 28 Tagen ist er auf dem Markusplatz in Venedig angekommen. In der Lagunenstadt will er noch einige Tage bleiben. Zurück in die Schweiz will Künzli mit dem Zug reisen, nicht mit dem Flugzeug. «Das würde nicht mit meiner Wanderung korrespondieren!»

Angekommen: Ivano Künzli steht in Venedig auf dem Markusplatz.

Angekommen: Ivano Künzli steht in Venedig auf dem Markusplatz.