«Der Sommer soll kommen!»

Die Sonne scheint, die Temperatur steigt: Höchste Zeit für die 79jährige Theres Scheidegger und ihre Hündin Luna, sich auf den Weg zum höchstgelegenen Campingplatz des Kantons zu machen. Der Residenz Waldruh in Dussnang.

Maya Heinzmann
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Camperin Theres Scheidegger mit ihrer Hündin Luna bei der Campingresidenz Waldruh in Dussnang. (Bild: Maya Heinzmann)

Camperin Theres Scheidegger mit ihrer Hündin Luna bei der Campingresidenz Waldruh in Dussnang. (Bild: Maya Heinzmann)

DUSSNANG. Auf der Strecke von Tannegg nach Dingetswil windet sich die Strasse beharrlich in die Höhe. Nach jeder Kurve werden die Hügel steiler, und der Himmel kommt etwas näher. Hier oben, wo die Bergzone I allmählich in die Zone II übergeht, befindet sich die Ortsbezeichnung «Brand». Kein herkömmliches Navigationsgerät zeigt diesen Fleck an. Dort liegt die idyllisch gelegene Campingresidenz Waldruh.

In der kleinen, grünen Oase der Beschaulichkeit braucht man nicht extra eine rosarote Brille aufzusetzen, um die heile Welt zu entdecken. Hier oben ist sie zu finden, fernab vom Grossstadtlärm. In dieser Landschaft lässt es sich aufatmen, und der Erholungssuchende kann in seinem kleinen Reich genüsslich die Seele baumeln lassen.

Alles Wichtige ist da

Noch sind nur wenige der 55 Wohnwagen für die kommende Saison bereitgemacht. Noch ist man hier oben gegenüber den Sonnenstrahlen misstrauisch. Die langen, kalten Winterabende sind den meisten Leuten noch in Erinnerung. Ausser bei Theres Scheidegger aus Dussnang. Die braungebrannte Rentnerin ist schon auf der Campingresidenz und hat sich gut eingerichtet. Obwohl der Campingplatz offiziell vom April bis Ende Oktober beschränkt offen ist, verbringt die Naturliebhaberin schon jetzt die meiste Zeit in ihrem kleinen Reich.

Im gemütlich eingerichteten Wohnwagen fehlt es an nichts. Alles Wichtige ist da und findet auf kleinstem Raum in der funktionellen Küche, im Wohnzimmer mit der Eckbank und im separaten Schlafzimmer seinen Platz. Weiter kommen das chemische WC, der Fernseher und das Radio dazu. «Hier oben habe ich mit meiner treuen Hündin Luna den Frieden», sagt die 73jährige Rentnerin. 1992 haben die Scheideggers das Wohnmobil einem Bekannten abgekauft. Das Ehepaar wohnte damals noch in Dübendorf und war vom ländlichen Frieden im «Brand» begeistert. 1999 zogen Alfred und Theres Scheidegger nach Dussnang, wo sie einen Kiosk betrieben.

«Uerner Hüsli» im Thurgau

Seit zwölf Jahren ist Theres Scheidegger Witwe. Obwohl sie in Dussnang eine Wohnung hat, ist sie am liebsten in ihrem Heimetli: «Uerner Hüsli». Sie sei auf dem Urnerboden aufgewachsen, daher dieser Name, erklärt sie.

Theres Scheidegger fühlt sich in der Residenz Waldruh, nie einsam. Sie strickt, löst Rätsel, kocht, liest, sieht fern und gibt sich viel mit ihrer Hündin Luna ab. Ab und zu besucht sie ihr Sohn und seine Frau mit der zweijährigen Tochter. Wenn schwere Arbeiten anfallen, wird sie von den beiden Abwarten, Regula Wermuth und Roger Blaser, unterstützt. Diese wohnen oberhalb des Campingplatzes in einem Haus.

«Heute habe ich schon 20 Geranien gekauft, die ich noch in Töpfe einpflanzen will», sagt sie. Vier Salatsetzlinge sind bereits im Minigärtli in der Erde. «Der Sommer soll jetzt endlich mal kommen!»

Keine «Riesenfeten»

Auch die anderen Dauermieter haben ihre stationären Wohnmobile mit Anbau gemütlich eingerichtet. Es hängen weisse Vorhänge an den Fenstern, friedliche Gartenzwerge grüssen aus den bepflanzten Minibeeten, und gemauerte Cheminées laden zum Grillieren ein. Doch «Riesenfeten» gibt es keine, da wird höchstens mal im kleinen Kreise zusammengesessen. Nur einmal im Jahr findet der gemeinsame Plauschjass statt. «Hier ist das Paradies auf Erden», sagt Theres Scheidegger.