Unerhörte Politiker

Kantonsrat Ueli Fisch von den Grünliberalen will – wie alle Politikerinnen und Politiker – nicht ins Leere sprechen, sondern gehört und bestenfalls auch erhört werden.

Stefan Hilzinger
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Einer spricht, die anderen lauschen im Thurgauer Grossen Rat vergangenen Mittwoch im Rathaus. (Bild: Reto Martin)

Einer spricht, die anderen lauschen im Thurgauer Grossen Rat vergangenen Mittwoch im Rathaus. (Bild: Reto Martin)

Kantonsrat Ueli Fisch von den Grünliberalen will – wie alle Politikerinnen und Politiker – nicht ins Leere sprechen, sondern gehört und bestenfalls auch erhört werden. Doch am vergangenen Mittwoch im Grossen Rat in Frauenfeld tönte es dumpf aus den Lautsprechern, wie Fisch bemerkte, als er das Wort ergriff. Der Thurgauer Lotteriefonds soll doch einen Zuschuss an die Stadt sprechen, damit diese ihre Mikrophonanlage sanieren könne.

Privileg für Kantonsräte

«Wir freuen uns natürlich, wenn sich Ueli Fisch dafür einsetzt, dass die Stadt einen Zustupf an die neue Mikrophonanlage im Rathaus erhält», sagt der Frauenfelder Stadtschreiber Ralph Limoncelli. Denn die Anlage ist schon saniert. Die Thurgauer Parlamentarier hatten am Mittwoch das Privileg, als erste in die neue, rund 50 000 Franken teure Beschallungsanlage sprechen zu dürfen. «Die erste halbe Stunde gab es noch Abstimmungsprobleme, doch dann funktionierte die Anlage problemlos», sagt Limoncelli. Man habe von keinem anderen Kantonsrat diesbezüglich Beschwerden erhalten, sagt der Stadtschreiber, nicht ohne sich vorher bei Rathausabwart Beat Dürger rückversichert zu haben. Limoncelli räumt ein, dass die alte Anlage, die «wohl noch aus den 80er-Jahren stammt», fällig gewesen sei. Das hatten nicht nur die Kantonsräte festgestellt, sondern auch die Frauenfelder Gemeinde- und Stadträte, die sich hin und wieder an der Anlage und ihren Knöpfen schwertaten. Die Gemeinderäte durften sich übrigens gleichentags am Abend mit der neuen Einrichtung vertraut machen.

«Das chunt scho guet»

Nun sind die unerhörten Zeiten also vorbei. Niemand aus der Politiker-Gilde kann künftig noch sagen, er sei im Grossen Bürgersaal des Frauenfelder Rathauses nicht gehört worden – ob er auch verstanden wurde, ist eine andere Sache.

GLP-Kantonsrat Ueli Fisch hat mittlerweile vernommen, dass die Frauenfelder Beschallungsanlage eine neue ist. «Das chunt scho guet», sagt er.

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