Mit Klarinette und Krawatte

FRAUENFELD. Einst hatte Roland A. Huber Bauzeichner gelernt, den gleichen Beruf wie sein früh verstorbener Vater. Doch dann bestand er die Aufnahmeprüfung ans Konservatorium Winterthur. Die Politik entdeckte er bei Hans Jossi.

Stefan Hilzinger
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Kandidat Roland A. Huber vor dem Schulhaus Oberwiesen. Hier weckten die Lehrer in ihm die Liebe zur Musik und zur Pädagogik. (Bild: Reto Martin)

Kandidat Roland A. Huber vor dem Schulhaus Oberwiesen. Hier weckten die Lehrer in ihm die Liebe zur Musik und zur Pädagogik. (Bild: Reto Martin)

Roland A. Huber wartet nicht gern – vor allem nicht, wenn er frühmorgens Mails verschicken will und die nicht weg wollen. «Bei mir auf dem Schreibtisch stehen zwei Computer. Da kann ich weiterarbeiten, wenn einmal einer <hängt>», sagt er. Wie neulich, als der Mail-Server nicht so wollte, wie er sollte.

Roland A. Huber ist der dritte Mann im Rennen ums Stadtpräsidium in Frauenfeld. Ein Mann der Musen. Zwar politisiert er seit 2012 für die BDP im Thurgauer Grossen Rat, doch Hubers erste Liebe gehört zweifellos der Musik, die er mit seiner Frau Barbara teilt.

«Blockflöte ist nichts für dich»

Huber wächst bei seiner Mutter im Oberwiesen-Quartier auf. Den Vater verliert er, als er sieben ist. «Ich bin in bescheidenen Verhältnissen gross geworden», sagt er. Die Lehrer im Schulhaus Oberwiesen prägen ihn. Otto Mosimann, der spätere Schulinspektor, ist einer seiner Lehrer oder auch Josef Holtz, der Frauenfelder Organist und Kirchenmusiker. Früh kommt er mit Musik in Kontakt. «Als es darum ging, ein Instrument zu lernen, meinte meine Mutter, Blockflöte sei nichts für mich.» So kommt er als Primarschüler zur Klarinette.

Mit dem Schulhaus Oberwiesen verbinden ihn heute noch viele Erinnerungen: So arbeitete er etwa im Heilpädagogischen Zentrum als Musiktherapeut. 1990 findet die Jugendmusikschule Frauenfeld, die er seit 1984 leitete, im Oberwiesen eine Heimat. «Vorher waren wir an verschiedenen Orten in der Stadt verteilt», sagt Huber.

Ein seriöser Lehrling

Nach der Schule beginnt er bei Kuster & Hager in Frauenfeld eine Lehre als Bauzeichner. «Ich wollte den gleichen Beruf lernen wie mein Vater», sagt Huber Alois Hager, der ehemalige, langjährige Vizestadtammann, ist Anfang der 1970er-Jahre Hubers Lehrmeister. «Wir haben rasch gemerkt, dass er in eine Richtung gehen will.» Er habe Huber als seriösen Lehrling in Erinnerung behalten «auch wenn das Ganze schon mehr als 40 Jahre her ist».

Baubranche oder Blasmusik

Tatsächlich stellt sich für Huber die Frage: «Baubranche» oder «Blasmusik»? Sein damaliger Klarinetten-Lehrer sei eines Tages zur Mutter nach Hause gekommen und habe gemeint, er könne ihrem Sohn nichts mehr beibringen. So sei er zu Heinz Höpli ans Konservatorium Winterthur gelangt. Vorerst arbeitet er noch ein Jahr auf dem Beruf. Dann meldet er sich gleichzeitig zur Prüfung fürs Musikstudium und fürs Technikum an. «Wir waren damals zu zweit, die sich zwischen der Musik und der Technik zu entscheiden hatten», sagt Huber. Sein Freund habe sich fürs Tech entschieden, er fürs Konservatorium.

Huber lernt Instrument um Instrument: Zur Klarinette kommen unter anderem Saxophon, Trompete und Posaune dazu, ausserdem Klavier und Cello. Er lässt sich auch gesanglich schulen – und vor allem widmet er sich der Musikpädagogik. Im Herbst 1982, ein Jahr nach Ende seiner Musikstudien, bewirbt er sich um die Stelle als Leiter der Jugendmusikschule Frauenfeld. 1983 tritt er die Nachfolge von Christoph Wartenweiler an.

Nachhaltige Badeferien

In Frauenfeld gründen er und seine Frau 1978 eine Familie. Seine Ehefrau Barbara, die aus Polen stammt, lernt Huber in den 1970er-Jahren in Rumänien kennen – bei Badeferien am Schwarzen Meer. «Wir buchten eine Last-Minute-Reise. Mir hat es gefallen. In Erinnerung geblieben sind mir die vielen, nörgelnden Schweizer.» Und natürlich seine spätere Frau Barbara. Es sei Liebe auf den ersten Blick gewesen. Nicht ganz so schwerelos sei es dann gewesen, bis seine Frau aus Polen aus- und in die Schweiz einreisen konnte.

Wichtige Vorbilder

Politisiert hat Roland A. Huber der Greuterhof-Retter Hans Jossi. Der Isliker Unternehmer wurde 1984 für die FDP in den Grossen Rat gewählt. Jossi setzte sich unter anderem für eine staatliche Unterstützung der Jugendmusikschulen ein. «Das betraf mich als Schulleiter direkt.» Zur BDP sei er gekommen, nachdem er die auf der Website der Partei veröffentlichen ersten Leitlinien zur Bildungspolitik kritisierte.

Idole, wie sein Klarinettenlehrer Heinz Höpli, hätten ihn geprägt. «Auch die heutige Jugend braucht Vorbilder», sagt er, wohlwissend, dass man sich an positiven oder negativen Bildern orientieren könne.

Auf die berühmte einsame Insel würde er sein Saxophon mitnehmen. «Für alle Platten, die ich mitnehmen wollte, hätte es ohnehin keinen Platz.»

Mittwoch, 11. Februar: TZ-Podium mit den Kandidaten fürs Stadtpräsidium: Roland A. Huber (BDP), Anders Stokholm (FDP) und Andreas Wirth (SVP). Bürgersaal im Rathaus. Türöffnung 18.45 Uhr, Beginn 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Krawatten mit Musiksujets sind Roland A. Hubers Markenzeichen. (Bild: pd)

Krawatten mit Musiksujets sind Roland A. Hubers Markenzeichen. (Bild: pd)