Hubers Kandidatur überrascht

Die meisten Vertreter der anderen Parteien haben nicht damit gerechnet, dass Roland A. Huber (BDP) als Stadtammann kandidiert. Vor allem auch deshalb, weil die BDP in der Lokalpolitik bisher nicht in Erscheinung getreten ist.

Markus Zahnd
Drucken
Teilen
Roland A. Huber Kantonsrat BDP Kandidat Stadtammann (Bild: pd)

Roland A. Huber Kantonsrat BDP Kandidat Stadtammann (Bild: pd)

FRAUENFELD. Vor Wahlen eine Prognose abzugeben, ist schwierig. Seit vergangenem Freitag aber scheint klar, dass der Nachfolger von Stadtammann Carlo Parolari nicht am 8. März, sondern erst im zweiten Wahlgang am 26. April feststehen dürfte. Denn am Freitag gab Roland A. Huber (BDP) bekannt, dass er, wie Andreas Wirth (SVP) und Anders Stokholm (FDP), für das Amt kandidiert.

Hubers Entscheid wird von vielen Vertretern der anderen Parteien als Überraschung angesehen. «Wir haben die Kandidatur von Roland A. Huber nicht erwartet», sagt Gina Rüetschi, Präsidentin der Bezirksgrünen. «Dass es eine weitere Kandidatur gibt, überrascht uns nicht. Es erstaunt uns höchstens, dass eine Partei einen Kandidaten für das Stadtammannamt aufstellt, welche bis anhin nicht im Gemeinderat vertreten ist», sagt FDP-Präsident Daniel Sidler. Und auch Pascal Frey, Präsident der gemeinderätlichen SP-Fraktion, sagt: «Mit der BDP hätte ich nicht gerechnet.»

Ohne Fraktion im Rücken

Tatsächlich ist die noch junge Partei in der Frauenfelder Lokalpolitik bisher nicht in Erscheinung getreten. Daher hätte Roland A. Huber – Stand jetzt – als Stadtammann auch keine Partei oder Fraktion im Rücken. Deshalb sagt SVP-Präsident Andreas Elliker: «Aus meiner Sicht ist es nicht einfach, die Geschicke unserer Stadt zu lenken, wenn eine <gewisse Hausmacht> im Parlament nicht vorhanden ist.» Dem pflichtet Daniel Sidler bei: «Es ist wichtig, dass sich ein Stadtrat, und insbesondere der Stadtammann, auf eine starke Fraktion im Gemeinderat stützen kann.»

Auch CH-Präsident Charles Landert ist der Meinung, dass es Mitglieder der Exekutive meist einfacher haben, wenn sie eine Vertretung im Gemeinderat im Rücken haben. Er sagt aber auch, dass «der oder die Beste für die Stadt Frauenfeld in den Stadtrat gewählt wird und die Exekutive präsidieren soll. Sollte diese Person auch das Spektrum der Wählerschaft optimal ergänzen, ist dies kein Schaden.» Diese Ansicht teilt auch Gina Rüetschi: «Falls er der Topkandidat wäre, hätten wir keine Mühe damit, dass die BDP nicht im Gemeinderat vertreten ist.» Und EVP-Präsident Stefan Eggimann ergänzt, dass die Persönlichkeit entscheidender sei als die Parteizugehörigkeit.

«Er kennt die Stadt gut»

Wie die Kompetenz des 57jährige Roland A. Huber einzuschätzen ist, wissen die meisten Parteienvertreter allerdings noch nicht. «Roland A. Huber hat sich bislang in der städtischen Politik wenig oder gar nicht exponiert», sagt Charles Landert. Auch für EDU-Präsident Christian Mader ist der ehemalige Leiter der Jugendmusikschule schwer einzuordnen: «Mir ist nicht bekannt, dass er bisher Exekutivaufgaben innehatte. Sicher ist aber, dass er die Stadt gut kennt.»

Für Esther Kuhn von den Grünliberalen hat Huber durchaus das Format, um die Geschicke der Stadt zu lenken: «Roland A. Huber bringt Erfahrung aus der Legislative mit und ist in Frauenfeld gut verankert. Politisch ist er also kein unbeschriebenes Blatt und seine Kernkompetenzen liegen in den Bereichen Bildung und Kultur, beides Bereiche, die in einem solchen Amt von Bedeutung sind.»

Kein Favorit auszumachen

Begrüsst wird von fast allen, dass die Stimmbürger nun eine echte Auswahl haben. Einen deutlichen Favoriten können die Parteienvertreter aber nicht ausmachen. Und einige rechnen sogar damit, dass es noch weitere Kandidaturen geben wird.

Für MproF-Gemeinderat Fredi Marty spielt das aber keine Rolle. «Grundsätzlich begrüsse ich eine grössere Auswahl von Kandidaten. Allerdings sollten sie die wichtigsten Voraussetzungen für das hohe Amt mitbringen. Selbst wenn jetzt noch ein vierter oder fünfter Mitbewerber Stadtpräsident werden möchte, wird nach einem zweiten Wahlgang entweder Stokholm oder Wirth gewinnen.»