ETH mit Aussenstelle in Frauenfeld

Die ETH Zürich expandiert – nach Frauenfeld und New York. Gestern erfolgte die Bestätigung, dass in der Thurgauer Kantonshauptstadt ein sogenanntes ETH-Studio zu Land- und Ernährungswirtschaft den Probebetrieb aufnimmt.

Mathias Frei
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Lino Guzzella Präsident der ETH Zürich (Bild: pd/ETH Zürich/Markus Bertschi)

Lino Guzzella Präsident der ETH Zürich (Bild: pd/ETH Zürich/Markus Bertschi)

FRAUENFELD. Es ist eine veritable Bombe. Und Meiert J. Grootes hat sie vorgestern abend auf der offiziellen Webseite des Agro Food Innovation Parks (Afip) platzen lassen. Anderthalb Wochen vor der Abstimmung über den städtischen Projektbeitrag an die Afip-Pilotphase. In einer Art Zwischenbericht schreibt der aktuelle Afip-Projektleiter: «Die ETH-Schulleitung hat in ihrer Sitzung vom 8. März 2016 das ETH-Studio Frauenfeld (ESF) einstimmig bewilligt. Das bedeutet, dass die ETH für den Bereich Land- und Ernährungswirtschaft eine Aussenstelle in Frauenfeld einrichten wird.» Und ETH-Präsident Lino Guzzella bestätigt auf Anfrage diese Pläne.

Lino Guzzella Präsident der ETH Zürich (Bild: pd/ETH Zürich/Markus Bertschi)

Lino Guzzella Präsident der ETH Zürich (Bild: pd/ETH Zürich/Markus Bertschi)

Kritik der Gegner

In der Afip-Abstimmungsbotschaft und auch kürzlich am TZ-Podium war zwar stets die Rede von Sympathiebekundungen und grossem Interesse. Aber öffentlich gab es bislang noch keine Zusagen für den Afip, weder aus der Wirtschaft, noch aus der Forschung. Das kritisierten denn auch die Gegner der Afip-Vorlage.

Nun ist ein wohl vor allem von Afip-Befürwortern gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen: die konkreten Pläne der ETH. Vorgesehen ist ein dreijähriger Probebetrieb, der noch dieses Jahr startet und bis Ende 2018 dauern soll. Bisher gibt es in Basel ein ETH-Studio im Bereich Architektur. Es ist kein eigentliches Institut, sondern eine Art praktische Forschungszelle. Wie ETH-Präsident Guzzella sagt, suche man mit dem Projekt der ETH-Studios «die Zusammenarbeit mit Institutionen, die sich durch ein hohes Innovationspotential auszeichnen». Kern dieser Partnerschaften seien Forschungsprojekte, «wobei der Ausbildung der Studierenden eine zentrale Rolle zukommt».

Ziel: Kompetenzen entwickeln

Laut Guzzella sind in Frauenfeld und in New York solche ETH-Studios geplant. Jedes dieser Studios hat einen thematischen Fokus. Dieser liegt in Frauenfeld auf Ernährung und Landwirtschaft. Wie Guzzela sagt, würden die Studierenden während ihrer Zeit im ETH-Studio nebst der praktischen Projekterfahrung wichtige zusätzliche Kompetenzen wie Systemverständnis, Teamarbeit und Kommunikation entwickeln. «Die Zusammenarbeit mit dem Afip bietet die Möglichkeit, diese Kompetenzen in einem innovationsnahen und unternehmerischen Kontext ausserhalb der Hochschule zu erwerben.» ETH-Studios würden somit «den Anspruch der ETH Zürich, kritisch-kreativ denkende Menschen auszubilden, die fähig sind, verantwortungsvoll und unternehmerisch zu handeln», gerecht.

Studio-Leiter steht schon fest

Im ETH-Studio Basel sind meist höhersemestrige Studenten und nicht selten auch Doktoranden tätig. Es wird abwechselnd von zwei Professoren getragen, nämlich von den bekannten Architekten Jacques Herzog/Pierre de Meuron sowie Roger Diener/Marcel Meili. Noch kann die ETH keine Angaben machen, in welchen Räumlichkeiten im Studio Frauenfeld geforscht werden soll. Schon fest steht aber laut Afip-Projektleiter Grootes, dass Achim Walter die Leitung übernehmen soll. Walter ist seit 2010 ordentlicher Professor für Kulturpflanzenwissenschaften im Institut für Pflanzen-, Tier- und Agrarökosystemwissenschaften der ETH Zürich.

Bei Regierungsrätin Monika Knill, Vorsteherin des Departements für Erziehung und Kultur, und Stadtpräsident Anders Stokholm ist die Freude gleichermassen gross über den Entscheid der ETH. Die Regierungsrätin spricht von einem «Durchbruch für den Afip». Und was sie weiter positiv stimmt: «Von der Fachhochschule St. Gallen (FHSG) und der Hochschule Konstanz Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) liegen konkrete Konzept- und Projektvorschläge vor.» Ihr Departement sei schon seit Jahren bestrebt, den Thurgau nicht zum weissen Fleck auf der Forschungslandschaft verkommen zu lassen. Stadtpräsident Stokholm wiederum spricht von einem «Meilenstein». Man merke, dass der Afip im Anrollen begriffen sei. «Ständig kommen neue Mosaiksteine dazu.» Die feste Zusage der ETH mache ihn zuversichtlich, dass der Innovationspark auch in Zukunft weiter wachse.

Das Hauptgebäude der ETH Zürich. (Bild: pd/ETH Zürich/Gian Marco Castelberg)

Das Hauptgebäude der ETH Zürich. (Bild: pd/ETH Zürich/Gian Marco Castelberg)