Wünsche und Würste am 1. August

Eine Tour d'horizon zum 1. August, der nicht nur Nationalfeiertag ist, sondern auch ein Tag der Entschleunigung. Sei es bei Oldtimer-Traktoren, zu Bluesrock, beim Spanferkel-Essen, Sammeln von Holz für den Funken oder indem man im Rahmen einer Kunstaktion Wünsche aufschreibt.

Mathias Frei
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Ein Spanferkel am Spiess: AZP-Küchenchef Markus Fuchs hat seine vier Spanferkel für die Bundesfeier in Frauenfeld nur gesalzen. (Bild: Nana do Carmo)

Ein Spanferkel am Spiess: AZP-Küchenchef Markus Fuchs hat seine vier Spanferkel für die Bundesfeier in Frauenfeld nur gesalzen. (Bild: Nana do Carmo)

31.7., 11.00: «Sali Uschi, gosch em Altise noh?», begrüsst ein Schnauzträger eine Bekannte, die es sich auf einer Bank vor dem Festzelt in Kefikon gemütlich gemacht hat. Mit «Altise» meint er die 52 Oldtimer-Traktoren, die für den Brunch des Kefikoner Dorfvereins angefahren sind. Die Sonne meint es gut mit der unaufgeregten Gesellschaft. Das Buffet ist ausschliesslich mit Lebensmitteln aus der Umgebung bestückt. 200 Esser sind gekommen. Und die Infrastruktur kann am nächsten Tag grad noch für die Bundesfeier der politischen Gemeinde Gachnang genutzt werden.

Servelats für Funkenholz

1.8., 9.05: In Felben-Wellhausen ist es in den letzten 17 Jahren zur Tradition geworden, dass Kinder mit ihren Eltern zusammen im Bürgergemeindewald Holz für den Funken sammeln, der abends entzündet wird. Über 60 Holzsammler haben sich beim alten Feuerwehrdepot eingefunden. Gemeindeammann Werner Künzler begrüsst. Dann geht's auf vier Traktoren mit Anhängern den Wellenberg hoch. Die Kleinen haben riesig den Plausch daran, auch einen Beitrag zum Fest zu leisten oder einfach ein wenig im Wald herumzutollen. Keine Stunde später ist der Anhänger auch schon zum Bersten voll. «Hemmer es Glück, dass de Wage scho voll isch. Denn chömmer zu de Servelats», meint ein Vater. Jetzt geht es zwar zwecks Abladens zum Schützenhüsli, wo die Bundesfeier stattfindet. Aber die Grillwürste gibt's erst nach der zweiten Fuhre. Und weil der Funken erst am Nationalfeiertag selber aufgestellt wird, kann es auch nicht mehr passieren, dass ihn Lausbuben, wie 1994 passiert, vorzeitig anzünden.

Vier Spanferkel und 500 Würste

14.10: Im Park des Alterszentrums in Frauenfeld brutzeln schon seit 4.30 Uhr drei Spanferkel an den Grills. Später kommt noch eine vierte Jungsau à etwa 30 Kilo an den Drehspiess. Nach etwa sieben Stunden sind sie essbereit. AZP-Küchenchef Markus Fuchs hat sie nur gesalzen, wegen des feinen Eigengeschmacks. In Anbetracht der 250 Pouletschenkel und 500 Würste ist die ganze 16köpfige Küchencrew auf den Beinen. Zur Feier des Tages macht der Himmel am Mittag dann auch auf für 500 Gäste. Der höchste Frauenfelder, Gemeinderatspräsident Michael Lerch, kommt in der 1.-August-Ansprache darauf zu sprechen, was die Schweiz ausmache, und dass die heutige kurzlebige Wahrnehmung nicht vorteilhaft sei.

18.30: In Hüttwilen auf dem Rebgut Jäger ist die Bundesfeier in Sachen musikalischer Unterhaltung lokal koloriert. Heinz Geisser, Gemeinderat und ehemaliger Gemeindeammann der Seebachtal-Gemeinde, spielt mit seinen Jungs der Blue Grape Guitar Band eben das erste Set zu Ende. Gut abgehangener Bluesrock mit Country-Anleihen aus dem Zürcher Unterland, wo Geisser früher wohnte. Mit Musik sei es an Bundesfeiern immer etwas schwierig, weiss Geisser aus eigener Erfahrung als Organisator. Die einen würden Stimmungsmusik verlangen, die anderen hätten am liebsten gar keine musikalische Störung. Zuerst nimmt Geisser nun aber einen Schluck Wein. «Blue Grape heissen wir übrigens, weil wir immer gerne während des Probens einen Roten trinken», sagt er lachend.

Feststellungen und Wünsche

20.00: Zurück in Kefikon bei der Gachnanger 1.-August-Feier, wo Nationalratsvizepräsident Hansjörg Walter aus Wängi erwartet wird. Weil er aber Überstunden auf dem Mähdrescher machen muss, trifft er erst kurz vor seiner Rede ein und «marschiert» zum Thurgauerlied ein. Walter spricht vom Erfolgsmodell Schweiz, nämlich der direkten Demokratie. Dank der durch das Volk verantworteten, unabhängigen Politik werde die Schweiz auch in Zukunft dem Druck von aussen standhalten. Gleichwohl sei es wichtig, dass die bisher schon praktizierte Solidarität auch in Zukunft gelebt werde. Denn sie mache unser Land stark.

20.50: Vor dem 1.-August-Festzelt in der Fröhlichshalde oberhalb Pfyn sammelt Stefano Pasquini aus Bologna im Rahmen der Demokratischen Kunstwochen Wünsche der Bevölkerung für die Zukunft. Die hölzerne Abstimmungsurne mit den Karten wird sodann unter einer Holzskulptur vergraben, die der Künstler zusammen mit Pfyner Handwerkern aus den drei morschen Bäumen beim alten Waaghaus produziert.

Pfyn-Wünsche: Lopez de la Torre, Pasquini, Müller, Müller und Meszmer. (Bild: Mathias Frei)

Pfyn-Wünsche: Lopez de la Torre, Pasquini, Müller, Müller und Meszmer. (Bild: Mathias Frei)

Kinder und ihre Eltern auf dem Weg in den Wellenberger Wald. (Bild: Mathias Frei)

Kinder und ihre Eltern auf dem Weg in den Wellenberger Wald. (Bild: Mathias Frei)

Hüttwilens ehemaliger Gemeindeammann Heinz Geisser (r.) am Bass. (Bild: Mathias Frei)

Hüttwilens ehemaliger Gemeindeammann Heinz Geisser (r.) am Bass. (Bild: Mathias Frei)

Nationalratsvizepräsident Hansjörg Walter sprach in Kefikon. (Bild: Mathias Frei)

Nationalratsvizepräsident Hansjörg Walter sprach in Kefikon. (Bild: Mathias Frei)

Die vergnügte Festgesellschaft an der Bundesfeier in Frauenfeld. (Bild: Nana do Carmo)

Die vergnügte Festgesellschaft an der Bundesfeier in Frauenfeld. (Bild: Nana do Carmo)

Über 50 Kraftmaschinen: Oldtimer-Traktoren am Kefiker Brunch. (Bild: Mathias Frei)

Über 50 Kraftmaschinen: Oldtimer-Traktoren am Kefiker Brunch. (Bild: Mathias Frei)

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