Vorteil Mann, Nachteil Frau

In der Trotte Pfyn kann man derzeit das Gesellschaftsspiel «Gartenzwerge im Kopf» spielen. Am Sonntag stieg der Pfyner Gemeinderat in den Ring.

Severin Schwendener
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Das Leben ist ein Würfelspiel: Pfyns Frau Gemeindeammann Jacqueline Müller ist am Zug. (Bild: Severin Schwendener)

Das Leben ist ein Würfelspiel: Pfyns Frau Gemeindeammann Jacqueline Müller ist am Zug. (Bild: Severin Schwendener)

PFYN. Was im Alltag gang und gäbe ist, führt bei einem Gesellschaftsspiel sofort zu grosser Empörung. Wie bitte, Frauen sind benachteiligt? Als Ausländer hat man nicht die gleichen Regeln zu befolgen wie die anderen Mitspieler? Goot's no?

Doch das Gesellschaftsspiel «Gartenzwerge im Kopf», das vom Zürcher Künstlerduo Eva-Maria Würth und Philippe Sablonier alias Interpixel entwickelt wurde, bietet genau das. Es ähnelt dem Immobilienspiel «Monopoly», ist jedoch ein Demokratiespiel mit politischen, sozialen und ökologischen Inhalten. «Ziel ist, ein möglichst genaues Abbild der Realität zu erhalten», erklärt Sablonier.

Ausgeloste Rollen

Was das bedeutet, hat der Pfyner Gemeinderat am Sonntag am eigenen Leib erfahren. Zu Beginn wurden die Rollen ausgelost. So ist Gemeinderat Hansueli Ott ein Ausländer, und stellt plötzlich fest, dass er an allen Ecken und Enden diskriminiert wird. «Anfangs habe ich Kohle gemacht», beschwert er sich. «Doch dann wollten mich die anderen enteignen!»

Möglich ist dies, weil es ein Parlament-Feld gibt, auf dem er als Ausländer nichts zu sagen hat. Wer darauf kommt, kann Vorschläge einbringen: Sind sie mehrheitsfähig, können die Regeln beliebig geändert werden.

Doch auch die Frau Gemeindeammann kämpft als Frau mit Widrigkeiten. Als Jacqueline Müller eine Chance-Karte aufdeckt, steht darauf: «Gratulation. Zu deinem 45. Geburtstag erhältst du 4000 Franken Lohn.» Das ist aber deutlich weniger, als ein Mann pro Runde verdient.

Wie das Leben

«Wir haben die Modelle so durchgerechnet, dass sie der Wirklichkeit entsprechen», klärt Sablonier sie auf. «Frauen verdienen im Schnitt 24 Prozent weniger als Männer. Das Spiel soll wie das Leben sein.» Frust breitet sich aus, der Präsident der Primarschulgemeinde investiert in ein Bordell und sahnt gross ab, die horrenden Kosten für Geschlechtskrankheiten müssen alle Spieler berappen. Gleiches gilt für das Atomkraftwerk: den Gewinn sackt ein Einzelner ein, kommt es zum Unfall, müssen alle bluten.

«Es ist möglich, dass das Spiel kollabiert», sagt Sablonier, «dass die Gemeinschaft die so entstehenden Kosten nicht mehr tragen kann.» Oder ein Spieler wird so mächtig, dass die anderen über das Parlament-Feld gegensteuern. «Entwicklungen hin zur Diktatur oder zum Kommunismus sind möglich und bereits vorgekommen.» Ganz so schlimm kam es in Pfyn nicht, doch auch dort scheiterte die Gesellschaft letztlich: Im Versuch, einen Anschlag abzuwenden, ging sie an den hohen Kosten bankrott.

Weitere Spieltermine: 16.11., 20.30 Uhr; 17.11., 19.30 Uhr; 18.11., 14.30 Uhr. Anmeldung unter Tel. 052 770 14 65

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