Neue Idee: Flüchtlinge im Stadion

FRAUENFELD. Die Thurgauer Fussballvereine nutzen die Winterpause, um Ideen zu entwickeln. Sie möchten mehr Zuschauer in die Stadien holen. Bereits werden Junioren für die 2. Liga interregional eingespannt.

Inge Staub
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Nur wenige Zuschauer verfolgen regionalen Fussball. (Bild: pd)

Nur wenige Zuschauer verfolgen regionalen Fussball. (Bild: pd)

Die Stadien sind leer. Der Fussball macht Pause. Doch hinter den Kulissen arbeiten die Verantwortlichen der regionalen Fussballvereine. Sie haben ein Problem, das sie ab der nächsten Saison mit neuen Ideen beheben wollen: Die Vereine haben zu wenig Zuschauer. In Kreuzlingen finden im Durchschnitt 250 und in Frauenfeld 400 Fussballfans den Weg ins Stadion.

Fussball auf dem Sofa

Zwar gibt es in der Schweiz nach wie vor jede Menge Fussballfans, doch diese bevorzugen Spiele der Super League oder Länderspiele. Sie fliegen kurzerhand nach München oder Mailand. Andere machen es sich auf dem Sofa bequem und konsumieren Fussball über den TV-Bildschirm. In Deutschland wird versucht, die Stadien mit einer ungewöhnlichen Idee zu füllen: Es werden Flüchtlinge eingeladen. So sponserte ein Pharmakonzern in Ulm Freikarten für 150 Flüchtlinge, die sich ein Länderspiel anschauen durften. Wäre dies ein Modell für Kreuzlingen oder Frauenfeld? «Wir sind offen für alle Initiativen, die Zuschauer ins Stadion bringen», sagt Daniel Geisselhardt, Präsident des FC Kreuzlingen. Fussball wirke integrativ, deshalb würde der Verein auch Flüchtlinge als Zuschauer empfangen. Doch konkret hat sich der FCK noch nicht mit dieser Idee befasst.

Urs Schmied, Präsident des FC Frauenfeld, bezweifelt, dass dies der richtige Weg sei. «Wir wollen unsere Zuschauerzahlen nicht einmalig, sondern nachhaltig erhöhen.» Beide Vereine sind daran, Lösungen zu erarbeiten. Der FC Kreuzlingen ist seit einiger Zeit Mitglied der Aktion «Glotze aus – Stadion an». Zudem hat er einzelne Spiele aktiv beworben, wie Mediensprecher Daniel Kessler sagt. «Dann hatten wir mehr Zuschauer.»

Sportlicher Erfolg zählt

Für die Rückrunde, die Anfang März beginnt, werden weitere Ideen umgesetzt. So sollen in Kreuzlingen vor dem Anpfiff der Spiele der 2. Liga interregional Junioren einlaufen. Die Idee dahinter ist, dass diese ihre Eltern mitbringen. Zudem möchte der Verein mehr für Familien anbieten, ein DJ soll die Musik koordinieren. Doch ist für Daniel Kessler klar: «Letztlich zählt der sportliche Erfolg.»

Dem pflichtet Urs Schmied bei: «Sind wir sportlich erfolgreich, sind wir attraktiver, und es kommen mehr Leute.» In Frauenfeld werden die Junioren bereits eingespannt. Der Verein setzt vor dem Spiel der 1. Mannschaft ein Juniorenspiel an. «So sind die Junioren und ihre Eltern bereits auf dem Platz.» Zudem gibt es beim FC Frauenfeld ein Göttikonzept. Spieler der 1. Mannschaft betreuen Junioren, beide schauen sich die Spiele des anderen an.