Migros hilft Kultur-Bibliothek

FRAUENFELD. Die Frauenfelder Bibliothek der Kulturen zieht in den Quartiertreff am Talbachplatz. Der Trägerverein erhält vom Migros-Kulturprozent 37 000 Franken für den Umzug und für sein Veranstaltungsprogramm.

Thomas Wunderlin
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Die Bibliothek der Kulturen organisiert jeden Monat eine Veranstaltung für Kinder. (Bild: Thomas Wunderlin)

Die Bibliothek der Kulturen organisiert jeden Monat eine Veranstaltung für Kinder. (Bild: Thomas Wunderlin)

FRAUENFELD. Die Bibliothek der Kulturen trägt einen vielversprechenden Namen, dem sie zurzeit nicht gerecht wird. Ein Bestand von 2645 Bücher ist für eine Bibliothek nicht viel. Um sie aufzustellen, reichen einige Regale in einem Sitzungszimmer der Frauenfelder Fachstelle für Integration im Haus Sapone an der Zürcherstrasse 86. Ein paar hundert Bücher lagern zudem in einem Keller. Die Auswahl, die den 222 Benutzerinnen und Benutzern zur Verfügung stehen, umfasst nicht das ganze Angebot. Denn die Bibliothek enthält Bücher in 15 Sprachen, von denen wohl die meisten Benutzer jeweils nur eine oder zwei beherrschen.

Die am besten vertretene Sprache ist Deutsch – es handle sich um ein einfaches Deutsch, erklärt Ana Maria Witzig-Marinho, die Präsidentin des Trägervereins mit 107 Mitgliedern. Dies entspreche dem Bedürfnis der Kundschaft. Überdurchschnittlich gut vertreten seien auch Portugiesisch, Thailändisch, Spanisch und Italienisch.

Umzug nächstes Jahr geplant

Drei Jahre nachdem sie mit 1000 Büchern gestartet ist, steht die Bibliothek der Kulturen vor einem grossen Entwicklungsschritt. Nächstes Jahr soll sie in den neuen Quartiertreff am Talbachplatz ziehen. Den Umzug sponsern das Migros-Kulturprozent und die Eidgenössische Kommission für Migrationsfragen mit ihrem gemeinsamen Förderprogramm Contakt-Citoyenneté. Eine Fachjury wählte aus 100 eingegangenen Projektvorschlägen 30 aus, die insgesamt mit 320 000 Franken gefördert werden.

Die Bibliothek der Kulturen erhält nach Angaben der Vereinspräsidentin 37 000 Franken, dazu weitere 5000 Franken Integrationsfördergelder von Kanton und Bund. Den verhältnismässig grossen Betrag braucht die Bibliothek der Kulturen für abschliessbare Bücherregale, die am neuen Standort notwendig sind. Die Fördergelder sind laut der Vereinspräsidentin aber «selbstverständlich nicht nur für die Einrichtung im neuen, grösseren Raum bestimmt».

Das Projekt, das die Zusammenarbeit im interkulturellen Bereich fördern soll, umfasst auch die Anschaffung neuer Bücher, eine Infrastruktur für die Kleinen und Werbung. Wichtig sind ausserdem die Veranstaltungen, von denen die Bibliothek seit ihrer Gründung im Oktober 2009 rund 40 organisiert hat. Am neuen Standort kann die Bibliothek ihren Wachstumsstop aufheben. Die 15 Sprachdelegierten der Bibliothek können zurzeit wegen des Platzmangels keine weiteren Bücher anschaffen.

Auch für Veranstaltungen steht am neuen Standort mehr Platz zur Verfügung. Besonders die Kinderveranstaltungen, die einmal im Monat stattfinden, leiden am alten Standort an Platzmangel. Der Grund liegt darin, dass die Hausherrin, die Fachstelle für Integration, ihr Angebot ausgebaut hat und das Sitzungszimmer häufiger selber braucht. Am Mittwochnachmittag etwa treffen sich darin die Teilnehmer des Frühförderprojekts. Auch das Angebot an Deutschkursen ist ausgebaut worden.

Wichtig für Deutschlernende

Bezüglich des Umzugs der Bibliothek hat der Leiter der Fachstelle für Integration, Markus Kutter, «zwei Seelen im meiner Brust». Er sei traurig, dass die Bibliothek weggehe; es sei schade für das Haus Sapone. Für jene, die hier Deutsch lernten, sei die Bibliothek wichtig. Nun müssten sie einen weiteren Weg dorthin gehen. Andererseits ziehe sie in den Quartiertreff, der ebenfalls von der Fachstelle für Integration gefördert werde.