Elektrosmog im Schulzimmer

In den Frauenfelder Schulzimmern sollen bis Ende 2014 flächendeckend interaktive Wandtafeln zum Einsatz kommen. Im Schulhaus Langdorf hat nun allerdings eine Lehrerin gekündigt. Sie soll unter dem Elektrosmog des Geräts gelitten haben.

Rahel Haag
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Interaktive Wandtafeln sind in Winterthur bereits seit 2011 im Einsatz. Seit gut einem Jahr arbeiten auch Frauenfelder Schulen mit den Geräten. (Archivbild: Donato Caspari)

Interaktive Wandtafeln sind in Winterthur bereits seit 2011 im Einsatz. Seit gut einem Jahr arbeiten auch Frauenfelder Schulen mit den Geräten. (Archivbild: Donato Caspari)

FRAUENFELD. Vor gut einem Jahr führte die Schulgemeinde Frauenfeld die ersten interaktiven Wandtafeln ein. Im Schulhaus Langdorf hat nun eine Lehrerin ihre Kündigung eingereicht. Sie litt unter dem Elektrosmog, der von der interaktiven Wandtafel ausging. Die betreffende Lehrerin wollte sich gegenüber der Thurgauer Zeitung nicht direkt äussern. Recherchen aber bestätigten den Grund ihrer Kündigung.

Lehrer entscheiden selber

«Ich hatte noch keine Gelegenheit, mit der betreffenden Lehrerin zu sprechen», sagt Schulpräsident Andreas Wirth. In den Schulzimmern in Frauenfeld entscheide aber jeder Lehrer selber, wie oft er die interaktive Wandtafel nutzen wolle. «Man kann das Gerät auch ausschalten und wie eine herkömmliche Wandtafel benutzen.» Dass Elektrosmog für die Benutzer ein Problem darstelle, habe er bislang noch nie gehört. «Bei der Ausschreibung für das Projekt haben wir explizit Wert darauf gelegt, dass die Geräte auch diesbezüglich unbedenklich sind.» Allerdings gebe es Menschen, die empfindlich auf elektromagnetische Strahlung reagieren.

In den Sommerferien soll unter anderem auch das Schulhaus Reutenen mit interaktiven Wandtafeln ausgestattet werden. «Wir sind bisher sehr zufrieden mit den Geräten», sagt Wirth. Bis Ende 2014 dürfte in Frauenfeld jedes Schulzimmer mit einer interaktiven Wandtafel ausgerüstet sein. «Mit Ausnahme der Schulanlagen Auen und Schollenholz, die in den nächsten Jahren saniert werden», sagt Wirth.

Im Prinzip nur ein Bildschirm

Die Schulgemeinde Frauenfeld bezieht ihre interaktiven Wandtafeln bei der Firma Mobil Werke AG aus dem st. gallischen Berneck. «Die Activboards von Promethean, die auch die Schulgemeinde Frauenfeld einsetzt, werden weltweit vertrieben», sagt Verkaufs- und Marketingleiter Claudio Frisenda. «Wir haben alle nötigen Zertifikate und Gutachten, die belegen, dass wir alle Voraussetzungen erfüllen.»

Auch Frisenda weist darauf hin, dass die Geräte ausgeschaltet werden können. «Bei den Modellen, die in Frauenfeld eingesetzt werden, gibt es sechs klassische Flächen, die mit Kreide oder Filzstift beschrieben werden können.» Die interaktive Wandtafel sei im Prinzip nichts anderes als ein grosser Bildschirm.

«In der Wandtafel ist kein Rechner integriert.» Nur die Oberfläche sei elektromagnetisch. Dort entstünden Strahlenfelder. «Diese sind für Menschen aber unbedenklich», sagt Frisenda.

Von Lehrern mitentwickelt

Dieses Gerät sei extra für den Schulunterricht konzipiert worden. «Die Idee stammt von vier Pädagogen», sagt Frisenda. Zudem hätten viele Mitarbeiter des Herstellers Promethean einen pädagogischen Hintergrund. Diese würden die Geräte ständig weiterentwickeln. «Das ist auf dem Markt bisher einzigartig.» Herkömmliche Produkte seien dafür gedacht, dass sie nur wenige Stunden pro Tag eingeschaltet sind. «Unsere Wandtafeln können dagegen bedenkenlos rund um die Uhr eingesetzt werden.»

Der Körper reagiert

Kritischer sieht die Sache Markus Lauener, Präsident des Dachverbands Elektrosmog Schweiz und Liechtenstein: «Menschen reagieren auf alles, was strahlt. Die einen spüren etwas, die anderen spüren nichts, was aber nicht heisst, dass der Körper nicht reagiert.» Die Auswirkungen seien bei jedem anders. «Sonst hätte sich die Diskussion schon längst erledigt.» Von interaktiven Wandtafeln habe er noch nie etwas gehört. «Ich könnte mir aber vorstellen, dass die Lehrerin stärker von der Strahlung betroffen ist als beispielsweise ein Schüler, da sie ja direkt neben dem Gerät steht», sagt Lauener.

Elektrosensible Menschen könnten ganz unterschiedliche Symptome aufweisen, wie etwa erhöhter Blutdruck, Kopfschmerzen, Schlaf- oder Sehstörungen. «Diese Symptome können zur täglichen Folter werden», sagt Lauener.

Der Gesundheit Sorge tragen

«Wenn man unter den Auswirkungen von Elektrosmog leidet, ist es völlig nachvollziehbar, dass man diese Einflüsse auch am Arbeitsplatz vermeiden will», sagt Anne Varenne, Präsidentin des Lehrerverbandes Bildung Thurgau. Sie persönlich habe noch keine Erfahrungen mit den interaktiven Wandtafeln gemacht. «Gesundheit ist bei uns aber ein grosses Thema.» In diesem Zusammenhang sei beispielsweise die Einführung von Wireless an Schulen immer wieder ein Thema. «Als Schule ist man angehalten, der Gesundheit seiner Mitarbeiter sowie Schülerinnen und Schüler Sorge zu tragen.»

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