Die Kunstwelt ins Dorf geholt

PFYN. Zwei Jahre war Pfyn die Kulturhauptstadt der Schweiz. Unter dem Titel fand eine Vielzahl von Anlässen statt. Diese haben die internationale Kunstwelt mit einer lebendigen Dorfkultur zusammengebracht.

Stefan Hilzinger
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«Die zwei Jahre als Kulturhauptstadt haben das Verständnis für Kultur gefördert», sagt die Pfyner Frau Gemeindeammann Jacqueline Müller. (Bild: Stefan Hilzinger)

«Die zwei Jahre als Kulturhauptstadt haben das Verständnis für Kultur gefördert», sagt die Pfyner Frau Gemeindeammann Jacqueline Müller. (Bild: Stefan Hilzinger)

Mit wenigen Mitteln und viel Eigenleistung hat sich die Gemeinde Pfyn 2011 für zwei Jahre zur Kulturhauptstadt der Schweiz erklärt. In wenigen Tagen verliert der Ort den Hauptstadt-Status, für Frau Gemeindeammann Jacqueline Müller aber kein Anlass zur Traurigkeit. Sie denkt vielmehr mit vielen guten Gefühlen an zwei ereignisreiche Jahre zurück. «Was vorerst skeptisch aufgenommen und belächelt wurde, hat sich zu einem ständigen Prozess entwickelt, der die weite Welt der internationalen Kunst mit unserer gewachsenen und lebendigen Dorfkultur zusammengebracht hat», sagt Müller. Ein Prozess, von dem alle Beteiligten profitiert hätten.

Gegenseitiges Staunen

Die Pfyner profitieren im Rahmen der Demokratischen Kunstwochen vom Austausch mit Künstlerinnen und Künstlern aus Deutschland, Italien England, Ägypten, Uruguay und anderen Ländern mehr. Zehn Projekte fanden über die beiden Jahre verteilt statt. Besonders eindrücklich war für die Lokalpolitikerin Jacqueline Müller die Begegnung mit Fatma Hendawy Yehia aus Alexandria (Ägypten). «Sie staunte über unser Verständnis von Demokratie», sagt Müller.

Während die Gastkünstler über Pfyn und seine lange geschichtliche Tradition staunten, öffneten die Künstler den Pfynern neue Blicke auf ihr Dorf. Der Schweizer Jean Daniel Berclaz tat dies im wörtlichen Sinn und fotografierte das historische Städtli für sein «Musée Du Point De Vue» von Süden her. «Eine Ansicht, wie ich sie von dem Standort nahe dem Zusammenfluss von zwei Kanälen der Thur noch nie gesehen habe», sagt Müller.

Die drei Tage der «Expo ad fines» im vergangenen Juli seien das Highlight der Zeit als Hauptstadt gewesen, findet sie. «Wer mitgemacht hat, war mit Begeisterung dabei.»

Amphitheater als Wahrzeichen

Mittelpunkt der Expo und des zweiten Jahres als Hauptstadt war das temporäre Amphitheater aus Rundholz. «Ich bin stolz, dass wir dieses Vorhaben umsetzen konnten», sagt Müller. «Mit dem Verkauf des Holzes und der Sitzbänke nahmen wir im Oktober sogar noch 3000 Franken ein», sagt sie.

Das Projekt «Kulturhauptstadt» hinterlasse keine finanziellen Leichen im Keller. Die Anlässe der beiden Jahre seien mit insgesamt 114 000 Franken gefördert worden. 30 000 Franken habe die Gemeinde beigesteuert, 60 000 Franken der kantonale Lotteriefonds und knapp 24 000 Franken stammten von Sponsoren. Die unentgeltlichen Eigenleistungen beziffert Müller auf etwa 63 000 Franken.

Theaterprojekt noch pendent

Ein Vorhaben habe in den zwei Jahren leider nicht umgesetzt werden können, bedauert Müller: Das Theater über die Sage «der Mötteli von Pfyn». «Wir haben dafür finanzielle Reserven bilden können und möchten das Theaterprojekt in naher Zukunft realisieren», stellt sie in Aussicht.

Archäologie der Zukunft

Noch ein anderes Projekt der Kulturhauptstadt wartet auf seinen Abschluss: Der Künstler Stefano Pasquini aus Bologna hat die Pfynerinnen und Pfyner eingeladen, ihre Wünsche ans Dorf und ihre Vorstellungen übers Dorf auf Kärtchen festzuhalten. Diese werden in eine Hülse aus Metall gelegt und im kommenden Jahr an einem noch festzulegenden Standort in Pfyn bei einer Skulptur für künftige Archäologen in der Erde vergraben. Die Hülse ist derzeit im Gemeindehaus zu sehen.

Wie lange die Jahre als Kulturhauptstadt nachhallen werden, weiss Gemeindeammann Müller nicht. Pfyn will sich jedenfalls als Ort der Kultur positionieren und macht bei «Kulturland Thurgau» von Thurgau Tourismus mit. Auch das Kulturforum in der Trotte habe eine langjährige Tradition und warte stets mit kulturellen Leckerbissen auf. Es sei jetzt aber auch angezeigt, neue politische Schwerpunkte zu setzen.