AUSSTELLUNG: Feuer und Eisen

Der Wigoltinger Bildhauer Gabriel Mazenauer zeigt Skulpturen in der Galerie Rutishauser. Trotz des Materials wirken sie leicht – die aufeinandergeschichteten Würfel symbolisieren die Vernetzung unserer Welt.

Dieter Langhart
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«Schräg im Lot»: Bildhauer Gabriel Mazenauer zwischen seinen Eisenskulpturen. (Bild: Donato Caspari)

«Schräg im Lot»: Bildhauer Gabriel Mazenauer zwischen seinen Eisenskulpturen. (Bild: Donato Caspari)

Dieter Langhart

dieter.langhart@thurgauerzeitung.ch

Network, Vertikal, Rolling Steel: Gabriel Mazenauer hält sich nicht mit geschraubten Werknamen auf, er lässt seine Skulpturen für sich sprechen in seiner neuen Ausstellung in der Galerie Rutishauser. Die meisten schrauben sich in die Höhe, Würfel für Würfel – schrauben sich schräg in die Höhe, der Schwerkraft widersprechend. Gabriel Mazenauer zieht eine grosse Skulptur zu sich hin, höher als er. Sie kann nicht fallen. «In den zwei untersten Würfeln stecken 600 Kilo Blei.»

Ein Künstler mit Schirmmütze auf dem Kopf und Schalk in den Augen. Der Wahl-Wigoltinger wurde erst Schreiner (zum Arbeiten trägt er die traditionellen Cordhosen), lernte dann Holzbildhauerei und Steinbildhauerei und lehrt auch beides.

Physik und Statik, die zu Schönheit werden

Seit drei Jahren lotet Mazenauer mit konsequenter Disziplin an den Serien «Limit» und «Network»: erst in Holz, bald in Eisen, Stahl oder – die kleinsten – in Chromstahl. (Wobei Stahl ja auch Eisen ist, mit beigemengten Substanzen.) Fast alle Arbeiten, die er jetzt zeigt, sind diesen Winter entstanden. Auch die Friese, die an zwei Wänden hängen und die er «Vertikal» nennt. Es sind querformatige Reliefs, zusammengeschweisst aus den kleinen Rechtecken, hochkant, die er auch für die flachen Quader in einigen wenigen Skulpturen verwendet hat. Und wie sie schillern! «Sie sind mit Feuer gezeichnet», sagt Gabriel Mazenauer. «Dabei entstehen die Anlauffarben von Gelb über Rot bis Blau – und wenn ich mehr Feuer gäbe, würde das Metall wieder hell.»

Gleich beim Eingang, auf einem schweren Schweisstisch, stehen zwei kleine Skulpturen aus Chromstahl. Sie sind stärker verdreht, wie Chromosomen- ketten, und sie wirken fast filigran neben den wuchtigen Gebilden hinten im Raum. Wuchtig sind die schon und doch von einer schwebenden, einer erstaunlichen Leichtigkeit. Jede dieser grossen Skulpturen weist eine andere Drehung, eine andere Krümmung, eine neue Schieflage im Raum auf. Das wirkt ungemein spielerisch, fast tänzerisch.

Formale Strenge, ­Klarheit – und das Weibliche

Und immer wieder variiert Gabriel Mazenauer die Oberfläche. Er lässt das Eisen rosten oder überstreicht es mit einem hellen, an Email erinnernden Lack. Oder er holt mit der Flamme feine Farbtöne hervor. Die einzelnen Würfel sind nicht geklebt, sind mit einem Dorn miteinander verbunden.

Und in einer Ecke des Raums liegt etwas ganz anderes am Boden, die Form wie ein Hang oder eine Untertasse. Fünf Rolling Steels, aus massivem Eisen gedrechselt und je mit einem feinen Dorn versehen, der an Rosendornen erinnert. «Das sind weibliche Skulpturen», sagt Gabriel Mazenauer, «die nur durch ihre Form klingen und die sich ihre Position am Boden selber suchen.» Auch die Rolling Stones haben eine Vorgeschichte. Früher hat Mazenauer sie aus belgischem Kalkstein gemacht. Und natürlich Rolling Stones genannt.

«Schräg im Lot»

Vernissage: Fr.. 17.3., 19 Uhr, Galerie Stefan Rutishauser, Marktstr. 6 Sa./So., 18.3. bis 2.4., 14–17 Uhr

Fr., 31.3., 21 Uhr: Gespräch bei Brot und Wein (Einlass 20.30 Uhr)